Deisenhofen-Boss über Regionalliga-Aufstieg: „Zum jetzigen Stand finanziell nicht möglich“
FC Deisenhofen und Regionalliga
von Umberto Savignano · 06.02.2026, 10:23 Uhr · 0 Leser
Sportlich läuft es für den FC Deisenhofen wie am Schnürchen. – Foto: brouczekDer FC Deisenhofen verzichtet auf die Regionalliga-Bewerbung. Sportlicher Leiter Thomas Werth nennt die finanziellen Gründe für diese Entscheidung.
Der FC Deisenhofen steht in der Fußball-Bayernliga Süd glänzend da. Weil Spitzenreiter TSV 1860 München II nur dann aufsteigen könnte, wenn die Löwen-Profis den Sprung in die 2. Liga schaffen (wonach es derzeit nicht aussieht), wären die Blauhemden als Tabellendritter derzeit für die Regionalliga-Relegation qualifiziert. Und am Samstag, 28. Februar (14 Uhr), gastieren sie zum ersten Punktspiel des Jahres gleich beim Zweiten TSV Landsberg. Bis 27. März müsste der FCD die Bewerbung für eine Regionalliga-Lizenz abgeben. Ob der Verein dies vorhat, verrät der Sportliche Leiter Thomas Werth im Gespräch mit unserer Zeitung.
Zeigt sich im Interview realistisch: Thomas Werth, Sportlicher Leiter des Fußball-Bayernligisten FC Deisenhofen. – Foto: Archiv mm Der FCD mischt ganz vorne mit. Hatten Sie das erwartet?
Das ist in der Bayernliga nach Punkten wahrscheinlich unser bestes Abschneiden bis zur Winterpause. Das habe ich nicht so erwartet. Wir dachten schon, dass wir eine solide Saison spielen, aber nach den Verletzungen von Stephan Kopp, Jakob Lippmann oder auch Björn Jost, als wir nur noch ein, zwei Mittelfeldspieler im Training hatten, war Ende August schon ein bisschen die Panik da, dass wir schnell punkten müssen, damit nach hinten nichts passiert. Aber es war schön zu sehen, wie die Mannschaft da zusammengewachsen ist und einzelne Spieler Flexibilität gezeigt haben, wie zum Beispiel Valentin Köber, der dann statt als Innenverteidiger souverän im Mittelfeld gespielt hat. Wir hatten auch das Plus, das noch ab der Nummer 15 Spieler aus unserer stark gestarteten U23 Gas gegeben und angeschoben haben. Und unser Trainerteam um Andi Pummer hat natürlich hervorragende Arbeit geleistet.
Wie läuft die Vorbereitung?
Wir trainieren seit zwei Wochen, haben in einem kleinen Turnier gegen den FC Unterföhring 2:0 gewonnen und gegen den FC Augsburg II 1:2 verloren, außerdem gab es ein 2:0 gegen den TSV Murnau. Bis auf Kopp und Lippmann, die nach ihren Kreuzbandrissen noch Zeit brauchen, sind alle an Bord. Bei den Freundschaftsspielen konnten wir gut durchwechseln. Außerdem trainieren ein paar Spieler aus der U23 mit, wie Florian Weber, Andreas Perneker, Lukas Vollmer und Noah Rehm. Und im Wochenwechsel sind immer Gruppen von drei, vier U19-Spielern bei der Ersten Mannschaft oder der U23 mit dabei, damit sie schon mal sehen, wie es im Herrenbereich zugeht.
Sportlich scheint der Regionalliga-Aufstieg möglich. Aber wie sieht es mit den Voraussetzungen im Umfeld aus? Die Bedingungen des BFV sind anspruchsvoll.
Wir haben die Zulassungsunterlagen angefordert, um zu schauen, wie die Bedingungen sind und was sich verändert hat. Aber ich kann Stand heute sicher sagen, dass wir nicht in die Regionalliga aufsteigen werden.
Woran hakt es besonders?
Das Flutlicht ist ein zu großer Posten, das ist zum jetzigen Stand finanziell nicht möglich. Vor allem, weil ja ein anderer großer Posten in Planung ist, nämlich ein neues Vereinsheim mit zehn neuen Kabinen und Gaststätte. Das ist eine Ausgabe für alle 860 Mitglieder und die Jugendmannschaften und nicht nur für die Regionalligamannschaft.
Wirkt es sich auf Dauer nicht nachteilig auf die Nachwuchsarbeit aus, gerade bei den älteren Jugendlichen, wenn die Regionalliga-Perspektive fehlt?
Man sieht, dass jedes Jahr ein, zwei Spieler den Sprung in die erste Mannschaft relativ zügig schaffen, viele brauchen den Zwischenschritt über die U23. Dementsprechend macht es meiner Meinung nach keinen großen Unterschied, ob wir in der Bayernliga oder Regionalliga spielen. Eher sehe ich die Gefahr, dass mal Spieler aus der Ersten Mannschaft gerne in der Regionalliga spielen wollen.
Und wie schafft es der Verein, die meisten Spieler stets bei der Stange zu halten?
Wir führen Gespräche, sind da ganz offen und sagen, dass es finanziell im Moment nicht möglich ist. Da hilft es natürlich auch, dass viele Spieler aus der eigenen Jugend kommen. Und wir machen für die Spieler auch viel außerhalb des Fußballs. Der Zusammenhalt im Verein ist groß, wir gehen auf die Wiesn mit 66 Leuten, fahren mit 144 Leuten ins Trainingslager, am Vatertag kommen zum Vereinsfest beim Präsi 150 Leute. Wir haben da einen Satz: „Wir wollen es den Spielern so schwer wie möglich machen wegzugehen.“
Was wünschen Sie sich langfristig für die Zukunft des FC Deisenhofen?
Ich sage ganz bewusst: Stand jetzt können wir nicht Regionalliga spielen. Grundsätzlich sind wir also offen, denkbar ist ja auch, dass es mal einen extrernen Sponsor gibt. Aber vor allem wird groß über eine Regionalligareform diskutiert, es gibt schon eine Arbeitsgruppe. Wie das aussehen wird, weiß man noch nicht, aber es könnte zum Beispiel eine zweigeteilte 4. Liga geben und eine eigene U21-Liga kommen. Dann stünde darunter eine Regionalliga oder Bayernliga als Champions League der Amateure. Es wäre schwerer da reinzukommen, aber es gäbe keine Mannschaften mit Profiniveau. Man könnte dann also von Kriterien wie Gästeblock, Dopingbeauftragtem oder einem Flutlicht mit 400 Lux wegkommen. Das ist ja auch ein Widerspruch: Der BLSV (Bayerischer Landessportverband - d. Red.) fördert ein Flutlicht bis 200 Lux, in der Regionalliga sind 400 gefordert, aber da gibt es keine Förderung, weil das als Profiflutlicht gilt.
Und wo soll es in der laufenden Saison hingehen?
Als Sportler willst Du immer so erfolgreich wie möglich sein. Aber es ist gut, dass wir nicht um die Punkte bangen müssen, denn es ist die wichtigste Aufgabe des Trainerteams, für die nächste Saison schon eine gute Mannschaft zu basteln, etwas zu probieren, Spieler zu entwickeln. Wenn es uns nämlich möglich sein sollte, nach einer Reform in die Regionalliga aufzusteigen, brauchen wir eine Mannschaft, die das schafft.
Wann rechnen Sie damit, dass es soweit sein könnte?
Der Druck auf den Verband, etwas im Übergang von der 3. Liga zur Regionalliga zu ändern, ist da. Ich kann mir vorstellen, dass sich schon zur Saison 2027/28 was tut.