
Willkommen im Haifischbecken 2. Frauen-Bundesliga: Acht Spiele hat der VfR Warbeyen nun schon Bekanntschaft mit der Tiefe des neuen Gewässers machen dürfen – und dabei bisher nur drei Punkte an Land gezogen. Die Bilanz des Schlusslichts liest sich ernüchternd. Doch der Blick auf die Tabelle, die nackten Zahlen also, greift zu kurz.
Nach 720 regulären Minuten Zweitliga-Fußball ist man beim Neuling um einige Erkenntnisse reicher. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass der VfR stellenweise bereits den Beweis erbracht hat, dass er mit der teils namhaften Konkurrenz aus der gesamten Republik mithalten kann. Das Remis gegen Eintracht Frankfurt II (1:1), aber speziell die Punkteteilungen gegen den FC Ingolstadt (2:2) und Borussia Mönchengladbach (1:1), die sich beide in der oberen Tabellenhälfte bewegen, untermauern dies. Da waren durchaus auch Siege drin.
Und dennoch stellt Trainer Sandro Scuderi richtigerweise fest: „Anscheinend reicht das, was wir in diesen Spielen bisher geleistet haben, noch nicht für einen Sieg. Den haben wir uns noch nicht verdient.“ Die Zeit drängt indes. Der Warbeyener Übungsleiter weiß, dass der Klassenerhalt ohne entsprechende Erfolgserlebnisse zu einem unmöglichen Unterfangen wird.
Was trennt den VfR Warbeyen also vom ersten Dreier in Liga zwei? Der Blick auf das Torverhältnis (6:33) deckt gleich zwei Baustellen schonungslos auf. Die zweitschwächste Offensive der Spielklasse kann die mit großem Abstand schlechteste Defensivbilanz schlichtweg nicht wettmachen. Speziell in seinen vier Auswärtsspielen (null Punkte, 1:27-Tore) ist der VfR Warbeyen den Beweis seiner Zweitliga-Tauglichkeit noch schuldig geblieben.Während die durchschnittlich 460 Zuschauer im Klever Bresserberg-Stadion immer eine enge Partie mit knappem Ausgang sahen, folgte auswärts eine Abreibung auf die nächste. So richtig kann sich Sandro Scuderi diese Diskrepanz auch nicht erklären. „Wenn wir voll fokussiert und mit Leidenschaft zugange sind, können wir punkten. Auf der anderen Seite sehen wir, dass uns ein paar Prozente weniger bereits vor riesengroße Probleme stellen. Wir sind mit Pauken und Trompeten in der Zweitliga-Realität angekommen“, sagt der VfR-Trainer.
Die hohen Auswärtsniederlagen sind für Scuderi weder mit der ureigenen Herausforderer-Rolle des Aufsteigers noch mit dem Niveau der Spielklasse zu rechtfertigen. „Das eine entschuldigt das andere nicht. Die Gefahr existiert, dass man diese Niederlagen gedanklich schnell mit der Höhe der Spielklasse abhakt. Die Realität ist aber nicht, dass wir automatisch komplett chancenlos sind, weil die anderen so viel besser sind. In unseren Augen sorgen einfach wenige Momente, in denen wir nicht im Spiel sind, dafür, dass wir innerhalb kürzester Zeit viele Gegentore kassieren“, sagt Scuderi.
Der VfR-Trainer hofft auf eine Art Brustlöser-Erlebnis: „Es wird uns mit Sicherheit guttun, auch mal auswärts in Führung zu gehen. Das Wichtigste ist jedoch, dass wir weiterhin bei uns bleiben und die Erfahrungswerte sammeln, an denen es uns noch fehlt.“
Sandro Scuderi ist zu lange im Geschäft, um sich vom Blick auf die Tabelle aus der Ruhe bringen zu lassen. „Das Thema Abstiegskampf ist mir nicht fremd. Wir haben in diesem Jahr noch sechs Gelegenheiten zu punkten. In den Trainingseinheiten werden wir noch einmal einen größeren Wert auf die Defensivarbeit legen. Vielleicht wird es auch noch einmal eine Systemänderung geben“, so Sandro Scuderi.
Bei all den erwartbaren Schwierigkeiten tun die Warbeyener Verantwortlichen auf jeden Fall weiterhin gut daran, dem jungen Kader ein wenig Zeit einzuräumen. Mehr als zwei Drittel der Saison müssen noch absolviert werden. Dass der VfR Warbeyen als Aufsteiger, speziell nach dem großen Umbruch im Sommer, nun am Tabellenende steht, ist (noch) kein Beinbruch, eine Überraschung schon gar nicht.
Es bleibt vor allem zu hoffen, dass bald auch auf fremdem Platz der Knoten platzt. Je früher der VfR auch auswärts auf Touren kommt, desto eher darf in Warbeyen wieder vom Klassenerhalt geträumt werden. Am Sonntag, 14 Uhr, tritt das Schlusslicht jetzt beim noch ungeschlagenen Tabellenzweiten VfB Stuttgart an – der nächste große Namen im Haifischbecken Zweite Bundesliga.