
Umut Akpinar hat den 1. FC Kleve in seinem ersten Jahr als Trainer der ersten Mannschaft 2018 direkt in die Oberliga geführt. Seit Sonntag steht fest, dass es trotz eines beeindruckenden Endspurts mit acht Spielen ohne Niederlage wieder zurück in die Landesliga geht. Die Mannschaft machte beim 2:1-Sieg im Abstiegsendspiel beim VfB Homberg ihre Hausaufgaben erneut. Doch auf den anderen Plätzen lief alles gegen sie. Der 1. FC Kleve ist mit 41 Zählern auf dem Konto abgestiegen, obwohl er mehr Punkte geholt hat als in den beiden Spielzeiten zuvor. Der 49-jährige Akpinar, als Spieler und Trainer seit drei Jahrzehnten am Bresserberg aktiv, spricht über die bitteren Momente in Homberg, nennt Gründe für den Abstieg und sagt, warum er so stolz auf sein Team ist.
Umut Akpinar Da war erst einmal nur eine unheimliche Leere und Trauer. Dann habe ich gedacht: Das darf doch alles nicht wahr sein. Ich hatte gehofft, dass ein oder zwei Spiele auf anderen Plätzen für uns laufen würden und uns ein eigener Sieg reichen würde. Doch es hat nicht sollen sein.
Akpinar Wir haben alle immer daran geglaubt. Es ist in dieser Saison oft genug gesagt worden, jetzt kann der 1. FC Kleve einpacken. Doch das hat uns nicht interessiert. Ich bin nach dem Abstieg nicht enttäuscht, weil wir uns sportlich nicht viel vorwerfen müssen. Ich bin nur traurig, dass wir nicht belohnt worden sind. Das hätten die Spieler, mein Trainer-Team und der Sportliche Leiter Georg Mewes verdient gehabt. Wir waren eine Einheit. Und das ist überall registriert worden. Ich habe viele Nachrichten von Trainern, Funktionären und Spielern von Vereinen aus verschiedenen Ligen erhalten. Der Tenor war: Schade, dass ihr es nicht geschafft habt, ihr hättet es absolut verdient gehabt. Diese Anerkennung und dieser Respekt freuen mich sehr.
Akpinar Diese Mannschaft hatte Charakter wie nur selten ein Team. Acht Spieltage vor Schluss waren wir nach dem 2:4 beim TSV Meerbusch Tabellenletzter und hatten in der Rückrunde nur vier Punkte geholt. Da haben viele gedacht, dass wir einbrechen werden. Das Gegenteil war der Fall. Ganz egal, welche Probleme wir hatten, ob Verletzte, Sperren oder zum Schluss noch der erhöhte Abstieg wegen Fortuna Düsseldorf - wir haben nie aufgegeben. Und so haben wir uns auch präsentiert. Und dann steigt man mit 41 Punkten ab, das ist der Wahnsinn.
Akpinar Die Erinnerung an den großen Zusammenhalt, den wir hatten. So etwas habe ich selten erlebt – vielleicht in der Saison 2017/18 noch, in der wir in die Oberliga aufgestiegen sind. Wir werden sehr viel aus diesem Jahr mitnehmen, auch wenn wir unser Ziel nicht erreicht haben. Die jungen Spieler haben große Schritte nach vorne gemacht. Und wir haben gesehen, was möglich ist, wenn der Zusammenhalt groß ist.
Akpinar Wir hatten in den Jahren zuvor schon wichtige Spieler verloren. Jetzt war der Umbruch noch extremer. Wir waren deshalb in der Hinserie noch nicht so weit, wie wir es jetzt sind. Denn wir mussten junge Spieler und Akteure ohne Oberliga-Erfahrung einbauen. Das braucht Zeit. Zudem sind wir nicht gut aus der Winterpause gekommen und haben gegen drei Konkurrenten im Abstiegskampf verloren: Holzheim, Frintrop und Monheim. Ein Knackpunkt war auch die 2:3-Niederlage in Dingden. Sie hat unheimlich wehgetan, weil wir das bessere Team waren und in den letzten Minuten eine 2:1-Führung durch ein irreguläres Tor sowie einen Gegentreffer in der Nachspielzeit noch abgegeben haben.
Akpinar Das sind zwei Abgänge, die besonders schmerzen. Beide waren über Jahren absolute Führungsspieler. Fabio Forster war ein Kapitän, der unheimlich viel für die Truppe geleistet hat. Ich hätte gerne noch ein Jahr mit ihm weiter gemacht. Aber wir haben auch schon 15 Spieler unter Vertrag. Beide Torhüter sind weiter dabei und bis auf Memlan Darwish die komplette Vierer-Abwehrkette. Niklas Klein-Wiele bleibt ebenfalls. Ich hoffe, dass Luca Thuyl noch zusagt. Dazu kommen einige der jungen Spieler, die sich so gut entwickelt haben. Ein Gerüst steht. Aber wir brauchen auch noch drei, vier Spieler, um richtig gut aufgestellt zu sein.