
Er ist Fußballer mit Leib und Seele, er hat die A-Lizenz und er ist seit 14 Jahren erstmals ohne Trainerjob. Auch in der Zeit davor hat der Fußball als aktiver Spieler immer eine prägende Rolle in seinem Leben gespielt, denn der Angreifer wusste, wo das Tor steht. Coach Marcel Winkens trainierte bis zum Jahresbeginn erfolgreich die Oberliga-Kicker des TSV Meerbusch. Nach Vorbereitung und Saisonstart hat er erste Erkenntnisse gewonnen. Der 43-Jährige spricht im Interview zudem über seine sportliche Auszeit, klare Grenzen und seine Pläne für die Zukunft als Trainer.
Marcel, Deine vergangenen Lebensjahre waren von einem strukturierten Fußball-Alltag geprägt. Wie sieht Dein Leben ohne Trainerjob aktuell aus?
Winkens Es ist natürlich ungewohnt, aber gleichzeitig auch irgendwie schön. Nach so vielen intensiven Jahren tut es gut, die Akkus wieder aufzuladen. Meine Familie und meine Freunde freuen sich, dass ich jetzt mehr Zeit für sie habe. Aber ich liebe den Fußball. Ich kicke selbst noch ein wenig und bin trotzdem an jedem Wochenende auf den NRW-Sportplätzen unterwegs. Neben den Spielbesuchen in der Oberliga unterstütze und berate ich meinen Dorfverein SV 09 Otzenrath. Dort trainiere ich einmal pro Woche die U9, in der mein jüngerer Sohn kickt. Aktuell nutze ich zudem die Zeit, um mich weiterzubilden. Ich nehme unter anderem an Fortbildungen des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) teil, beispielsweise zum Thema „Spielerzentrierte Trainingsarbeit in der Talentförderung“.
Du hast die Vorbereitung und den ersten Spieltag in der Oberliga intensiv verfolgt. Wie bewertest Du den Auftakt, was hat Dich überrascht und wer sind Deine Favoriten für den Aufstieg?
Winkens Fortuna Düsseldorf II, Uerdingen und Schonnebeck sind gut gestartet, das Trio wird auf jeden Fall Teil der Spitzengruppe sein. Etwas überraschend waren die drei Auftaktpleiten des WSV. Die Wuppertaler hatten eine Vorbereitung mit durchwachsenen Ergebnissen, ich würde sie dennoch im oberen Drittel sehen, die Frage mit dem möglichen Abzug der neun Punkte steht aber ja noch im Raum.
Deine beiden ehemaligen Klubs Meerbusch und Jüchen sind mit deutlichen Niederlagen gestartet. Wo siehst Du die beiden Teams in der Tabelle?
Winkens Das ist zu einem so frühen Zeitpunkt nicht wirklich profund vorherzusagen. Fakt ist aber, dass die sportliche Qualität in der Liga nicht nachgelassen hat. Meerbusch und Jüchen stehen vor einer großen sportlichen Herausforderung. Ich wünsche mir, dass beide am Ende über dem Strich landen. Den TSV sehe ich stärker, für Jüchen wird es im Kampf um den Klassenerhalt sehr schwierig.
In Jüchen und in Meerbusch war jeweils bereits vor Saisonende Schluss für Dich. Was waren die Gründe für die vorzeitigen Trennungen?
Winkens Es gibt wohl nie nur den einen Grund für eine Trennung, und man muss sicher immer beide Seiten hören. Für mich kann ich es allerdings ganz klar benennen. In Jüchen belegten wir seinerzeit den ersten Platz in der Landesliga. Im Saisonendspurt wurden meine sportlichen Entscheidungen nicht mehr uneingeschränkt akzeptiert. In Meerbusch war es ähnlich. Wir waren damals Dritter der Oberliga mit einem ambitionierten Blick nach oben. Dann sollte ich mich mit meinen Leistungsträgern verstärkt um die Zweite Mannschaft kümmern, die zu diesem Zeitpunkt bereits hoffnungslos abgeschlagen Tabellenletzter war. In beiden Fällen lagen klare Eingriffe in meine Arbeit als Trainer vor. Ich kann und ich werde keine Eingriffe in meine sportlichen Entscheidungen akzeptieren. Ein Trainer muss die Möglichkeit haben, seine Mannschaft nach seinen Vorstellungen zu führen und Entscheidungen eigenverantwortlich zu treffen.
Wie sehen Deine Pläne für die sportliche Zukunft aus?
Winkens Meine Akkus sind aufgeladen und es kribbelt wieder. Ich bin bereit und kann mir sehr gut vorstellen, schon bald wieder einen ambitionierten Verein zu trainieren. Ich möchte sportlich erfolgreich sein. Mein Anspruch ist klar - ich möchte Meisterschaften gewinnen und aufsteigen.
Was zeichnet Marcel Winkens als Trainer aus?
Winkens Ich bin ein Trainer, der ambitionierte Ziele verfolgt und seine Mannschaft weiterentwickeln möchte. Leidenschaft, Ehrgeiz und Konsequenz sind dabei sehr wichtig für mich. Ich lege viel Wert auf Entwicklung, klare Strukturen und eine gute Kommunikation innerhalb der Mannschaft. Insbesondere die Arbeit mit jungen Spielern bereitet mir dabei große Freude. Ich möchte nicht einfach nur verwalten, sondern etwas aufbauen und gemeinsam mit meiner Mannschaft sportliche Ziele erreichen.