In der 92. Minute brüllte der Stadionsprecher auf dem Mount Queck vollkommen elektrisiert: Tooooooooooooooorrrrrrrrrrrr für unseren SV Rot-Weiß…. Und von den Rängen donnerte es mit gefühlten 150 Dezibel ohrenbetäubend zurück: QUECKENBERG!!!!!! Man hätte meinen können, die Kerle von der Madbach haben gerade in einem grandiosen Showdown gegen Real Madrid die Champions League gewonnen. Doch lassen wir uns für die Auflösung dieses Mysteriums noch etwas Zeit und gehen chronologisch vor.
Am letzten Fußballsonntag reiste mit den Bonner Kickers eine zu Saisonbeginn komplett aus dem Boden gestampfte Multi-Kulti-Wundertruppe an. Wahrscheinlich hat der Großneffe eines Ölscheichs sein Taschengeldkonto geplündert und eine mittelschwere Armada an Kreisligaprofis auf die Beine gestellt und dieses ohnehin schon saustarke Team in der Winterpause nochmal in allen Bereichen extrem verstärkt. Anders ist es kaum zu erklären, dass der Kreisliganeuling eine Woche zuvor TuRa Oberdrees II mit 8:1 gehörig den A… versohlt hatte. Dieses Starensemble gastierte nun auf dem Fußballtempelberg und wollte auch hier mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei so schnell wie möglich für klare Verhältnisse sorgen. Als es dann nach acht Minuten bereits 0:2 stand, fühlten sich die Gäste nicht nur auf der Siegerstraße, sondern gar in Lichtgeschwindigkeit auf der Überholspur. Doch Leifers Beelzebuben mutierten jetzt zu Fußballfurien. In der Hölle geboren und auf dem Mount Queck gelandet, trieben sie nun ihr Unwesen und sahen ihre Hauptaufgabe darin, den Gegnern den Spaß am Fußballspielen zu nehmen. Und das gelang den Madbachtitanen mit zunehmender Spieldauer immer besser, ohne dabei jedoch die Grenzen des guten Geschmacks zu überschreiten. Zwar kickten die Millionarios weiterhin eindrucksvoll fürs Auge. Doch die rot-weißen Tagelöhner arbeiteten mit dem viel größeren Herzen. Mit Feuereifer und auch mal dem einen oder anderen Trikotzupfer, mit ekelhaft-fiesem Tackling und mit penetranter Manndeckung bis aufs berühmte Scheißhaus standen sie ihrem Gegenüber auf den Füßen, sodass recht bald das erfolgreiche, leichtfüßige Tikki-Takka einer mittelschweren Fußballlähmung weichen musste. Trotzdem sah man bei jeder Ballannahme, bei jeder Körpertäuschung, bei jedem Spielzug und jedem Abschluss, wenn er denn mal gelang, dass da Zauberkünstler am Ball waren, die ihr Handwerk exzellent verstanden. Das muss und das möchte man im rot-weißen Lager seinen Gegnern respektvoll zugestehen. Doch die glühend heißen Defensivungeheuer ließen bis zum Pausenpfiff nur ein weiteres Gegentor zu (33.), sodass der Halbzeitstand mit 0:3 aus Sicht der Einheimischen wie ein kleiner Fußballorgasmus gefeiert wurde!
Nach dem Wechsel wurden weiter fleißig Giftpfeile verschossen, wurde gepiesackt, gehauen und gestochen. Alle Queckies waren vornehmlich mit Abwehrmaloche beschäftigt und widmeten sich hingebungsvoll diesem Lebenswerk. Die Kickers waren weiterhin sichtlich bemüht, ihre technischen und spielerischen Vorteile in die Wagschale zu schmeißen. Doch die physisch robusten Queckianer erwiesen sich als allgegenwärtige Störenfriede und erhöhten den Frustfaktor der Gäste beinahe im Minutentakt. Das Krampfadergeschwader vom Mount Queck zwickte hier und zwackte dort, musste aber trotz seines unermüdlichen, erbarmungslosen Widerstands bis zur 76. Minute weitere vier bittere Pillen schlucken. Damit entsprach das Ergebnis von der Tordifferenz her dem Spiel der Bonner Kickers gegen TuRa Oberdrees II. Nun galt es, um alles in der Welt keinen weiteren Gegentreffer zu kassieren. Denn dann mussten der Kicker, die Gazetto dello Sport oder Marca in ihren Montagsausgaben den RWQ in einem Atemzug mit dem Ligaprimus nennen. Obwohl alle Queckies bereits auf dem Zahnfleisch krochen, geilten sie sich voller Inbrunst in diese Aufgabe hinein. Im Vergleich zu diesem kolossalen Abwehrbollwerk mutete die berühmte Chinesische Mauer an wie ein kleines aufgeschüttetes Maulfwurfhügelchen. Tatsächlich fanden die Gäste trotz ihrer fußballerischen Beschlagenheit keine Mittel, um diese Bastion zu bezwingen. Selbst der findigste Sprengmeister, nicht mal der hinterhältigste Alchemist hätte ein Mittel ersonnen, um diesen eisernen Ring zu durchbrechen.
Nach dem Motto, wer sich hinten „ausruht“, kann vorne noch viel Porzellan zerschlagen, bekamen die Queckies in der Nachspielzeit sogar noch die dritte Luft. So kam es in der 92. Spielminute zu einem der wenigen Entlastungsangriffe, wenn nicht sogar dem einzigen. Doch der wurde bilderbuchreif, quasi für die nächste Konterschulung bei Julian Nagelsmann, vorgetragen und vollendet. (K)Lasse Schütt eroberte die Kirsche am gegnerischen Sechzehner, legte mit dem Schädel ab auf Dome Schaa(r)f, der ließ das Leder abtropfen auf den einschussbereiten…. ja, auf wen eigentlich…? Seit der 70. Minute hatte man das Gefühl, dass in den Reihen der Rot-Weißen ein Phantom umherspukte. Und jetzt, wo das Bällchen in ca. 20 Metern Torentfernung zum Einschlag serviert wurde, tauchte es wie aus dem Nichts wieder auf und drosch die Pille volley sowohl links unten als auch unhaltbar in die Maschen! Dieser monstergeile Ehrentreffer war ein deutliches Signal Richtung Oberdrees: so spielt man herzhaften, ehrlichen Fußball. Damit gewannen die Kerle von der Madbach das interne Duell mit den Dreesern gegen die Kickers, was zuerst vom Stadionsprecher, dann von den Fans und nach dem Abpfiff auch mit der ganzen Leifer-Fatone-Truppe unnachahmlich in einer denkwürdigen dritten Halbzeit gefeiert wurde. Diese knappe 7:1-Niederlage wurde wie ein Sieg zelebriert und ist der eindrucksvolle Beweis: hier auf dem Mount Queck, hier schlägt das Herz des Fußballs!
Die nächste Aufgabe wartet bereits am Freitag, den 24.04.2026. Anstoß bei SC Volmershoven-Heidgen III ist um 19:30 Uhr.