
Eine Trainingsjacke mit den Initialen „EP“, Shorts und eine Baseballkappe, in der Hand eine Flasche Wasser und einen Zettel mit Notizen – so kam Eugen Polanski zusammen mit Manager Roland Virkus zu seiner ersten Pressekonferenz als „Bis auf Weiteres“-Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach in den Medienraum des Stadions.
Dass der 39-Jährige – geboren im polnischen Sosnowiec, aufgewachsen im niederrheinischen Viersen, nun wohnhaft in Mönchengladbach – ein akribischer Mensch ist, belegt sein gleich mal durchgeführter Faktencheck. Unsere Redaktion hatte sein erstes Bundesliga-Tor in einem Spiel gegen Bayer Leverkusen vor knapp 20 Jahren verortet, „ich habe nachgeschaut, das stimmt“, sagte Polanski.
Der Mann ist bei Borussia quasi ein doppeltes Eigengewächs: als Spieler und nun als Trainer. Früher als Spieler war er, das sagte der heutige Manager Roland Virkus, der einst in der U15-Jugend Polanskis Trainer war, „einer, der schon da gezeigt hat, dass er führen kann.“
Als Trainer ist Polanski einer, der weiß, worauf es ankommt für einen Gladbach-Coach, schließlich hat er als Spieler erfahren, was die Fans sehen wollen im Zeichen der Raute. Unter dieser, links angebracht auf seiner Gladbach-Jacke, schlägt, das stellte Polanskis früherer Teamkollege Igor Demo im Gespräch mit unserer Redaktion klar, „ein Borussen-Herz“. „Das hat Igor mir auch geschrieben“, verifizierte Polanski auch dies, sagte aber: „Durch mein Borussen-Herz werde ich nicht irgendetwas besser oder schlechter machen, vielleicht einen Tick emotionaler oder leidenschaftlicher.“
Für einen wie Polanski, der durchaus vor Selbstvertrauen strotzt, sind das betont demütige Sätze. Es war zu spüren, dass er nicht überdrehen wollte. Und, dass die Aufgabe, Borussia zu trainieren als einer, der Borussia im Herzen hat, eine ist, die er mit großem Respekt angeht.
Er ist nicht mehr der „kleine Eugen“, der früher bei Concordia Viersen mit dem Kicken anfing, er erinnert sich zwar immer wieder daran, woher er kommt, ist dem aber entwachsen und war viel unterwegs als Berufsfußballer: beim FC Getafe in Spanien, beim FSV Mainz 05, bei der TSG Hoffenheim. Er ist herumgekommen in der Fußballwelt.
So ist Polanski ein Fohlen mit Stallgeruch, aber einem externen Touch. Und überall hatte er „Top-Top-Top-Trainer“, von denen er etwas mitgenommen habe, „Sachen, die gut sind, aber auch welche, die ich nicht machen werde“. Er hatte hochkarätigen Anschauungsunterricht: Jupp Heynckes in Gladbach, da habe er das Menschliche mitgenommen, später bei Thomas Tuchel in Mainz faszinierte die Akribie. Auf 20 Zentimeter hin oder her zu achten, auch wenn es im Training nervte, belegte dann, wie wichtig Details sind. Dies wurde noch mal gesteigert beim heutigen Bundestrainer Julian Nagelsmann in Hoffenheim.
Letzterer „hat mich angestachelt, über den Tellerrand zu schauen“. So wurde aus dem Spieler Polanski der Trainer-Lehrling in Gladbach: Übergangstrainer für die Talente, U17-Coach, seit 2022 Trainer der U23. Die Art, wie er dort arbeitete, wird auch der Leitfaden für den ersten Job in der Bundesliga sein: „Fordernd, aber fair“, so beschreibt sich der Trainer Polanski selbst, indes mit dem Hinweis: „Eigentlich sollen das andere beurteilen.“
Er kennt die große Bühne Bundesliga aus 254 Spielen auf dieser, hinzu kommen 19 Länderspiele für Polen und einige Europapokal-Einsätze, da kommt reichlich Erfahrung zusammen, die er nun weitergeben kann und will. Wobei das, was ihn antreibt, nichts mit Talent oder Training zu tun hat.
„Leidenschaft ist die Basis“, sagt Polanski, doch nicht nur ausgesprochene Leidenschaft, sondern gelebte. Er weiß: „Das ist es, was die Fans sehen wollen.“ Auf dem Platz. Bei seiner Pressekonferenz verzichtete er auf die große Emotion, war sachlich und klar.
Doch er machte auch klar, wie viel der neue Job ihm bedeutet. Er müsse, sagt Polanski, „jeden Tag zu 100 Prozent spüren, mit Leidenschaft aufs Gelände zu fahren“. Dieses Gefühl habe er in Gladbach, bei seinem Heimatklub.
Bei anderen Vereinen, mit denen er über einen möglichen Jobwechsel sprach, entflammte dieses Gefühl bei ihm nicht, da blieb er dann auch lieber weg oder kam gar nicht erst in die engere Auswahl, sondern blieb lieber im Status Trainer-Azubi in Gladbach.
Die Geduld hat sich gelohnt, am 21. September 2025 um 17.30 Uhr wird sein Erstling als Cheftrainer in Gladbach angepfiffen. Für Polanski ist es der vorläufige Höhepunkt seiner Trainerlaufbahn. „Eugen hat sich die Chance verdient“, sagt sein Förderer Virkus und bietet sie Polanski. Der ist gewillt, sie zu nutzen.
Er weiß, dass Eigengewächse auch als Trainer sicherlich einen größeren Kredit bei den Fans haben, dass Fehler, „die auch ich machen werde“, eher verziehen werden. Der 39-Jährige weiß aber auch, dass er ein Trainer ist, der mit seinen Worten etwas bewegen kann, dessen „Ansprache an das Team gut ist“, wie Virkus sagt.
Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt war Polanski, was markige Sprüche angeht, zurückhaltend, er ist klug genug zu wissen, dass ihm die sonst womöglich gleich um die Ohren fliegen, wenn es nicht gut läuft, Viersener Jung‘ hin oder her.
Indes genießt er auch das Heimatgefühl. Den Nachwuchs ins Bett zu bringen, morgens einfach mal zur Arbeit zu joggen, „es hat etwas von Wohlfühlen“, sagt.
Eine Wohlfühloase jedoch wird er seiner neuen Mannschaft nicht bereiten. Dafür ist Polanski zu ehrgeizig.