
Die SG Antdorf/Iffeldorf hat Chancen auf den Kreisliga-Aufstieg. Damit der ehemalige Kreisliga-Dino wieder aufsteigt, muss sich aber zuerst gegen starke Konkurrenz durchgesetzte werden.
Es war Anfang der 1980er Jahre und einer der typischen Erkennungsmerkmale der „Neuen Deutschen Welle“. Krude Songtexte, bunte, teils sinnbefreite Videos, knallig gekleidete Musiker. Das Genre stimulierte eine ganze Generation, Künstler „Lonzo“ immerhin mit einer Eintagsfliege. Der Songtext aber prägte sich schnell ein, hatte Ohrwurm-Charakter. „Die Dinosaurier werden immer trauriger“, hieß es zu Beginn des Refrains. An den ASV Antdorf dachte Lonzo damals mit Sicherheit nicht. Da fehlt es allein schon am zeitlichen Kontext. Aber auch die Fußballer aus dem östlichen Teil des Weilheimer Altlandkreises hatten in jüngerer Vergangenheit einiges an Kümmernis zu bewältigen. Und Dinos waren sie ja auch. Kreisliga-Dinos.
Kein Klub weit und breit konnte eine ähnlich lange Zugehörigkeit zum gehobenen Kreisfußball vorweisen. 2019 aber war das Alleinstellungsmerkmal dahin. Als Schlusslicht der Tabelle und mit nur zwei Saisonsiegen rauschte der ASV mit Volldampf eine Etage nach unten. Dort tritt er bis heute an, versuchte immer wieder, alte Zeiten aufleben zu lassen. Jetzt aber könnte der einstige Dino vor seiner Renaissance stehen. Als SG Antdorf/Iffeldorf überwinterte man da, wo man auch Ende Mai noch allzu gerne stehen würde: auf dem Spitzenplatz der Kreisklasse 3.
Keinesfalls ein Zufallsprodukt, noch weniger aber ein Selbstläufer. Die Konkurrenz ist groß, sitzt den Antdorfern und Iffeldorfern in Form der SG Wielenbach/Pähl und des ASV Geretsried eng im Nacken. Noch stärker wird die zweite Mannschaft des TSV Murnau eingeschätzt, die von Klubseite in der Kreisliga als weit attraktiverer Tummelplatz für die vielen Talente des Landesligisten gesehen wird. Und dennoch: Die SG hat es in eigenen Händen. Und sie fühlt sich zurecht dort oben verortet.
„Neun Punkte holst du nicht einfach mal so auf“, blickt sportlicher Leiter Georg Auer auf zwei eher differente Hälften der Vorrunde. Der Einstieg in die Runde war alles andere als ermutigend. Neu-Trainer Hannes Huber ahnte schnell, wie steinig der Weg zum Erfolg werden könnte. Aber Huber ist ein gewitzter Kerl. Als Spieler mit jeder Menge Talent, aber nicht immer der letzten Hingabe gesegnet, versucht er sich nach einem Engagement beim TSV Königsdorf, seinem Heimverein, nunmehr bei der Spielgemeinschaft. Der 32-Jährige ist auf dem besten Wege, das zu schaffen, was man sich klubseitig schon unter Vorgänger Aleks Simic erhofft hatte: eine stimmige Balance aus Qualität, Teamgeist und Bereitschaft. „Unter ihm ist der Kader noch besser zusammengewachsen“, betont Auer. Spielt Huber selbst mit, beflügelt das Struktur und Organisation der Mannschaft.
Immer wieder wurde in den letzten Jahren versucht, die richtigen Zugänge auszuforschen. Jetzt im Winter schlossen sich Dennis Michels (ESV Penzberg) und Florian Hofer (FC Penzberg) dem Klub an. Sabir Neziri kehrt nach einem halben Jahr aus dem Nonnenwald zurück. Allerdings mit Knieverletzung, die ein Aussetzen auf unbestimmte Zeit erfordert. Michels wurde von den Eisenbahnern gesperrt, darf erst im April mitmachen. Auf Hofer hält Auer große Stücke. „Ein Beißer vor dem Herrn“, wenn es gegen den Ball geht; einsetzbar als Außenverteidiger oder Sechser. Kurzeinsätze im Bezirksligateam des FC waren für den 20-Jährigen keine ausreichende Stimulanz für einen Verbleib.
Man müsse sich auf einigen Positionen „verstärken und breiter aufstellen“, erklärt Auer die Transfers. Immer wieder böten sich Kicker aus der Umgebung selbst an. „Das hat es jahrelang nicht gegeben“, sieht der 57-Jährige den Klub von einer positiven Aura umwabert. Jetzt also der Frontalangriff auf den Aufstieg? Ja oder vielleicht. Ein Nein wäre schwer verdaulich, „eine Enttäuschung aber kein Beinbruch“. Längst haben sie Blut geleckt. „Ich denke, wir bleiben bis zum Schluss oben dabei“, sagt Auer.
Das Saisonziel, unter den besten fünf Teams zu landen, wird aller Voraussicht nach erreicht. Aber die SG will mehr. „Wenn es klappt, müssen wir es natürlich mitnehmen“, so der Funktionär. Der Iffeldorfer bejaht die Kreisliga absolut. Er rät aber zu einer differenzierten Betrachtung. „Nicht so viel drüber reden, lieber spielen.“ Möglicherweise herrscht in der Causa schnell Klarheit. Der Start mit vier Auswärtsspielen, darunter das Nachholspiel in Murnau, ist für Hubers Eleven der Härtetest schlechthin. „Das sind Schlüsselspiele, da musst du hoch konzentriert sein“, stellt Auer klar.
Nur fünf der verbleibenden 13 Partien sind Heimspiele. Geschenkt wird der SG mit Sicherheit nichts. Zuversicht und Teamgeist müssen auf hohem Level bleiben. Und der Hunger auf Erfolg. Der muss so unersättlich sein, wie einst der der Dinosaurier.