
Es ist wenig verwunderlich, dass das "ganze Dorf in Aufruhr ist", wie Christian Moser berichtet. Denn der SV Grainet kann am Samstag ein Fußball-Märchen wahr werden lassen - mit der Bezirksliga-Meisterschaft und dem damit verbundenen Landesliga-Aufstieg. Es wäre der größte Erfolg in der blau-weißen Vereinsgeschichte! Eine verlockende Aussicht, von der sich der SVG um seinen Abteilungsleiter aber nicht blenden lassen will. "Wir haben noch gar nichts erreicht", bedient sich Moser in der Phrasen-Kiste.
Am Glasbach herrscht eine "gesunde Nervosität. Jeder redet über diese eine letzte Spiel!" Etwas Besonderes liegt in der Luft am Haidel. Zehn Siege in zehn Spielen nach der Winterpause haben in und um "Groanad" eine wahre Euphoriewelle ausgelöst. Zum Bayerwald-Derby gegen Mauth kamen am 1. Mai deshalb knapp 1.000 Zuschauer. Auch am Samstag rechnet Vereinschef Thomas Kern mit einer vierstelligen Anzahl von verkauften Eintrittskarten. Es darf ein wahrhaftig meisterlicher Rahmen samt meisterlicher Stimmung erwartet werden - mit meisterlichen Ausgang?
"Wir werden sicher keine Sprüche reißen", drückt Christian Moser zumindest etwas auf die Euphoriebremse. Was zu diesen Worten passt: Es wurden bisher keine Meister-T-Shirts bestellt, auch gibt es keine Planungen für eine entsprechende Fete. Für diese SVG-Zurückhaltung gibt es trotz Siegesserie zwei Gründe: Zum einen den FC Künzing, der am 30. Spieltag zu Gast ist beim aktuellen Spitzenreiter der Bezirksliga Ost. Denn dass die Röhmer selbst eine Spitzenmannschaft sind, weiß man nicht nur im Landkreis Freyung-Grafenau.
Doch wie ernst nimmt der Rangvierte, für den es um nichts mehr geht, diese Begegnung noch? "Wir kommen mit der Dritten", sagt FC-Trainer Matthias Süß dazu - und lacht herzlich. Dann wird er jedoch sehr ernst: "Genau deshalb habe ich schon sehr viele Nachrichten und Anrufe bekommen. Jeder darf sich sicher sein: Wir werden nichts abschenken und uns in nichts verstricken. Die bestmögliche Elf wird auflaufen!"
Dass Künzing im Titelrennen nur eine Statistienrolle einnimmt, schmerzt den 36-Jährigen. "Der Plan wäre ein anderer gewesen. Wir hätten gerne bis zum Ende mitmischen wollen. Aber die Rückrunde hat gezeigt, dass es dafür nicht gereicht hat", ist Süß ehrlich, für den es nach drei Spielzeiten in Künzing zum Abschied also nur um die "Goldene Ananas" geht. Zumindest dürfen Kroner, Ebner & Co. aber - ein schwacher Trost - das Zünglein an der Waage spielen.
In einer ähnliche Rolle befindet sich am kommenden Wochenende der SV Garham, der eine Woche nach Grainet auf Deggendorf trifft. Bereits gegen den SVG zeigte der andere SVG, "dass wir uns nicht hängen lassen". Ähnlich will man nun an der Trat an- bzw. auftreten. "Es ist schön, wenn man sich mit den Besten der Liga messen kann", freut sich Trainer Holger Stemplinger, der gleichzeitg aber auch betont: "Die Konstallation spielt keine Rolle: Wir wollen jedes Spiel gewinnen!"

Während im Ortsteil der Marktgemeinde Hofkirchen laut dem 41-Jährigen bereits einige Wetten und Bier-Versprechungen aufgeschlagen seien, "an denen wir uns aber kategorisch nicht beteiligten wollen", sieht Künzings Matthias Süß diese Angelegenheit etwas anders. "Sollte uns für einen Sieg Bier versprochen werden, nehmen wir das gerne an. Warum denn auch nicht? Es ist doch nicht verboten, gewinnen zu wollen!"
Eine Ansage, die Andreas Schäfer natürlich gerne hört. Denn obwohl der Sportkoordinator der SpVgg GW Deggendorf die möglichen Anstoßzeiten für Relegationsspiele bereits dick im Kalender anstrichen hat, "wollen wir natürlich Meister werden. Alles andere wäre ja auch Schwachsinn". Ehrgeizige Worte, die der zweite Grund für die vorher erwähnte Graineter Zurückhaltung sind. Aber, und das betont der 58-Jährige besonders, für den Traditionsverein mit großer Vergangenheit sei es angesichts der Verletztenmisere überhaupt schon ein Erfolg, beim großen Meister-Finale dabei sein zu dürfen.
Aus eigener Erfahrung weiß Schäfer, dass am Samstag alles passieren kann. "Die Chancen stehen zwar 60:40 für Grainet, weil sie einen Punkt Vorsprung haben. Aber was passiert, kann keiner sagen." Auf beide Teams würden schwere Gegner warten, gegen die man erst einmal gewinnen müsse. Der Funktionär ist davon überzeugt, dass kein Team in der Bezirksliga Ost im Vorbeigehen geschlagen werden kann. "Zudem ist der Reiz natürlich groß, uns und Grainet ein Beinchen zu stellen."
Deggendorf ist der Verfolger. Deggendorf muss darauf hoffen, dass Grainet Federn lässt. Und deshalb wird Andreas Schäfer natürlich den Spielstand am Glasbach via Liveticker verfolgen. "Die Mannschaft werde ich nicht informieren, aber den Trainer, der dann gegebenenfalls reagieren kann." Man will für alle Situationen gewappnet sein. In Deggendorf, und auch in Grainet. Sollte am Samstag die Meisterschale am Haidel hoch gehalten werden können, "dann darf sich jeder sicher sein, dass wir auch abseits des Platzes Vollgas geben", schmunzelt ein in dieser Hinsicht erprobter Christian Moser. Und dann ist das ganze Dorf in Aufruhr, aber so richtig...
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