
Rheinhessen. Hochspannung herrscht nach neun Spieltagen in der Bezirksliga Rheinhessen. Zwischen Platz eins und Platz sieben liegen schlappe sieben Punkte. Auch im Keller geht es eng zu – deutlich abgeschlagen ist nur Landesliga-Absteiger Fortuna Mombach. Was namhafte Trainer zur neuen Ausgeglichenheit sagen, die ein Stück weit an das verrückt dichte Tableau der A-Klasse Mainz-Bingen in der Serie 24/25 erinnert.
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Rückblende. In der vergangenen Bezirksliga-Saison herrschte oben wie unten teils Langeweile pur. Unten wurden RWO Alzey und Ataspor Worms serienweise abgeschossen. Oben machten TuS Neuhausen und SV Horchheim die Meisterschaft unter sich aus. Diesmal ist es komplett anders. Und das Feld wäre noch kompakter, würden die Mombacher nicht so dünn performen.
„Die Übermannschaft der letzten Saison, TuS Neuhausen, hat die Liga nach oben verlassen“, analysiert Horchheims Coach Sascha Löcher. „Andere Mannschaften, die im letzten Jahr oben dabei waren – wie Nieder-Olm und wir – hatten im Sommer einen Umbruch, ebenso Mombach. Andere Vereine konnten ihre Teams zusammenhalten und sogar verstärken – daher ist das Feld jetzt enger beisammen. Der Reiz besteht sicher darin, dass jeder jeden schlagen kann. Prognosen über Spielergebnisse abzugeben, ist sehr schwer. Ob das für uns gut oder schlecht ist, kann ich noch nicht einschätzen. Es ist auf jeden Fall eine andere Situation als in den letzten Jahren, als wir eigentlich jede Woche als Favorit ins Spiel gingen und gewinnen mussten.“
Löchers Ansicht: „Eigentlich nimmt das etwas den Druck raus, was gut ist. Andererseits waren wir in meiner bisherigen Amtszeit Anfang Oktober noch nie auf dem fünften Platz.“
Streng genommen sind die Horchheimer sogar nur Sechster, punktgleich mit dem Fünften Zornheim. Dessen Coach Fabian Meurer bewertet die Situation so: „Die meisten Teams haben einen organisch gewachsenen Kern an Spielern – und sich die letzten Jahre auf dem Niveau bewiesen. Die Aufsteiger haben sich zu Recht hochgekämpft und einen Haufen junger, talentierter und fitter Spieler – die glauben an ihre Chance.“ Sein Verein selbst hat laut Meurer ungefähr so viel Druck auf dem Rücken wie ein leerer Rucksack aus Styropor. Wörtlich sagt Meurer: „Wir spielen, um Spaß zu haben und uns mit Gegnern auf Augenhöhe oder leicht drüber zu messen. Von daher freuen wir uns, dass die Liga dieses Jahr so stark und ausgeglichen ist.“
Stark ist das rheinhessische Fußball-Oberhaus auch deshalb, weil der SV Guntersblum mit den Ausnahmekönnern Jan und Tim Weinbach dort spielt. „Ich denke, dass die Liga mit Neuhausen, dem Neustart in Nieder-Olm und den Weggängen absoluter Topspieler aus Horchheim viel an Qualität in der Spitze einbüßen musste“, urteilt SVG-Coach Marian Saar. „Gleichzeitig wird allem Anschein nach in allen anderen Vereinen richtig gute Arbeit geleistet, die so den Abstand zur Spitze verringern konnten.“
Mit Jared Lidy (TSV Mommenheim), Jonas Gangl (Bretzenheim 46 II), Max Philippi (TSV Zornheim) oder Lukas Lazar (FSV Saulheim) seien Asse aus höherklassigen Ligen gekommen – und steigerten die Attraktivität der Bezirksliga. „Des Weiteren kam mit Barbaros der Topfavorit auf den Titel als Meister der A-Klasse hinzu“, so Saar. „Es macht auf jeden Fall Spaß, gegen die bestmöglichen Teams zu spielen.“ Ein Ende der Hochspannung ist nicht in Sicht.