
Das Abenteuer Landesliga ist für den FC Altenbochum seit Ende Mai nach nur einem Jahr schon wieder beendet. Daran änderte auch eine gute bis sehr gute Rückrunde nichts, denn der Abstieg war nach der schwächeren Hinrunde mit einigen Verletzungen einfach nicht mehr zu verhindern. Dass der Klub aus den jüngsten Leistungen Kraft gezogen hat und seine Hausaufgaben in der Vorbereitung erledigt hat, wurde beim Saisonauftakt im Westfalenpokal sofort deutlich.
Mit einem durchaus beachtlichen 3:1 setzte sich der FC gegen die Namenscousine aus Iserlohn, immerhin zwei Klassen höher eingestuft, am späten Samstagnachmittag in der ersten Runde des Westfalenpokals durch. Und dabei beeindruckten die Gastgeber die 115 Zuschauer und drei Groundhopper bei herrlichem Fußballwetter nicht nur mit dem Kampfgeist eines Underdogs.
Das Team von Trainer Axel Sundermann – 139 Bundesliga- und 168 Zweitliga-Einsätze für den VfL Bochum, den SC Freiburg und Hannover 96 – wirkte von Beginn an wach und bestens eingestellt. Taktisch diszipliniert und mit hoher Intensität in den Zweikämpfen kauften die Blauen ihrem auf dem Papier als klarer Favorit eingestuften Gegner Stück für Stück den Schneid ab.
Die erste größere Chance des Spiels, das in der ersten Halbzeit noch ausgeglichen verlief, verbuchten die ebenfalls robusten Gäste. Den gut platzierten Schuss entschärfte Altenbochums Keeper Nico Gonschor nach gut 20 Minuten glänzend. Dessen Vorderleute ließen in der Folge nicht mehr viel zu. Vielmehr erspielten sie sich stattdessen immer wieder gute Szenen und setzten in den ersten 45 Minuten einige Nadelstiche.
Und so verwunderte es nach der Pause nicht wirklich, dass die Hausherren nach 54 Minuten tatsächlich in Führung gingen. Kapitän Ivo Kleinschwärzer drehte sich im Iserlohner Strafraum geschickt nach innen und schlenzte das Spielgerät mit viel Technik sehenswert in den oberen Giebel. Das 1:0 (54.) war nicht nur wunderschön, sondern auch verdient. (Hier kannst du dir das Traumtor im Video ansehen!)
Und spätestens nach diesem Erfolgserlebnis glaubte das Team aus dem zentral gelegenen Stadtteil mit einer Mischung aus Siedlungs- und Einfamilienhäusern an seine Chance. Mit gut vorgetragenen Spielzügen, weiterhin hoher Laufbereitschaft und knackiger Härte verbuchte der FC Altenbochum im Minutentakt Tormöglichkeiten, während die Gäste kaum mehr Gefahr ausstrahlten.
Das vermeintliche 2:0 wurde noch wegen vermeintlicher Abseitsstellung zurückgepfiffen, doch beim Treffer von Marco-Rosario Costanzino (65.) hatte der umsichtige Schiedsrichter Thorsten Kleiböhmer nichts mehr auszusetzen. Das nächste Tor fiel nur drei Minuten später etwas überraschend auf der Gegenseite und machte das Spiel kurzzeitig zumindest ergebnistechnisch wieder eng. Doch als Till Reinmöller nach einem weiteren technisch fein herausgespielten Angriff in der 72. Minute den alten Abstand wieder herstellte, war der Drops gelutscht.
Nicht nur der Pokal-Coup selbst, sondern auch die Art und Weise beeindruckten die Altenbochumer Anhängerschaft nachhaltig. Doch Coach Sundermann wirkte nach der Partie eher nachdenklich, als er die Hütchen seiner Coachingzone aufsammelte. Für einen Euphorie-Ausbruch hat der 56-Jährige jedenfalls zu viel im Fußball erlebt. "Das war schon gut", meinte er sachlich, um gleich hinterherzuschieben, dass der Triumph auch ein wenig gefährlich sein könnte.
Was er damit meinte, war den umstehenden Beobachtern klar. Sundermann muss seine Truppe, die bis auf wenigen Ausnahmen dem Kader der Vorsaison entspricht, auf dem Boden halten. Am Wochenende wartet beim CSV Bochum das erste Ligaspiel, und dort wird der FC nur bestehen, wenn statt Überheblichkeit die selbe beeindruckende Einstellung wie an diesem unterhaltsamen Pokalnachmittag zum Tragen kommt.
FC Altenbochum – FC Iserlohn 3:1
FC Altenbochum: Nico Gonschor, Björn Busse, Mika Drees, Marte Drews, Kenneth Neumann (84. Diego Rocha Martinez), Simon Herkt (77. Luca Sundermann), Till Reinmöller, Marco-Rosario Costanzino, Niklas Leser, Jakob Jasper (59. Jassin Bousouf), Ivo Kleinschwärzer (90. Simon Schulz) - Trainer: Axel Sundermann
FC Iserlohn: Daniel Dreesen, Julian Hunecke, Jonas Hollmann, Justin Mitrovic, Bircan Calik (55. Robin Korpp), Blendar Avdullahu, Joel Westheide, Maurice Castel Branco (68. Pablo Perez Carriazo), Justus Kulczynski (46. Luc Ekokole), Viktor Sacharenko (60. Edin Grosonja), Moritz Weinrich - Trainer: Maximilian Borchmann
Schiedsrichter: Thorsten Kleiböhmer - Zuschauer: 115
Tore: 1:0 Ivo Kleinschwärzer (54.), 2:0 Marco-Rosario Costanzino (65.), 2:1 Moritz Weinrich (68.), 3:1 Till Reinmöller (72.)