
Der 1. FC Kleve hat in der Oberliga im vierten Spiel der Rückrunde die vierte Niederlage kassiert. Der Vorletzte musste sich am Sonntag stark ersatzgeschwächt beim Tabellenzweiten VfB Hilden mit 0:3 (0:0) geschlagen geben. Der Rückstand zum rettenden Ufer hat sich auf sechs Zähler vergrößert, weil einige Konkurrenten im Rennen um den Klassenerhalt teilweise überraschend punkteten – der 1. FC Kleve war deshalb neben Schlusslicht SV Biemenhorst, das ebenfalls verlor, ein großer Verlierer im Abstiegskampf.
Trainer Umut Akpinar musste in der schweren Partie beim bislang besten Team der Rückrunde eine Handvoll Stammkräfte ersetzen. Dass Stammkeeper Ahmet Taner (Finger ausgekugelt), Frederik Meurs (Gelb-Sperre) und Elidon Bilali (Rot-Sperre) fehlen würden, war klar. Kurzfristig mussten auch noch Kapitän Fabio Forster, der sich am linken Fuß ein Zehgelenk gebrochen hat, und Luca Thuyl (Zerrung) ersetzt werden. Zudem mussten Ole Kook, Juliano Ismanovski und Nermin Badnjevic (alle Grippe) passen.
Deshalb feierte ein Youngster aus dem eigenen Nachwuchs sein Comeback. Emil Oerding, den der Sportliche Leiter Georg „Schorsch“ Mewes bereits für die kommende Saison unter Vertrag genommen hat, stand in der Startelf. Er hatte sich mit guten Leistungen beim Training dafür empfohlen.
Der Auftritt des 18-Jährigen war ein Lichtblick. Er zeigte im offensiven Mittelfeld keinen Respekt, fußballerische Klasse sowie Robustheit in den Zweikämpfen. „Emil hat seine Sache gut gemacht“, sagte Trainer Umut Akpinar.
Das galt im Großen und Ganzen auch für die ersatzgeschwächte Mannschaft, die besonders in der ersten Halbzeit ein beherztes Spiel bot. „Die Leistung stimmte“, so Akpinar. Dass der 1. FC Kleve trotzdem chancenlos war, war zum einen der Qualität des Gegners geschuldet. Und zum anderen der chronischen Angriffsschwäche des Abstiegskandidaten, der zum dritten Mal in der Rückrunde ohne Treffer blieb.
Bezeichnend war eine Szene kurz vor der Pause. Joel Agbo kam zentral vor dem gegnerischen Strafraum an den Ball, zögerte aber so lange mit dem Abschluss, bis ein Hildener Abwehrspieler die brenzlige Situation klären konnte. Bezeichnend war ebenso, dass es bis zur 78. Minute dauerte, ehe ein Kopfball des eingewechselten Dario Gerling für einen Hauch von Gefahr sorgte.
Dem 1. FC Kleve fehlt die Klasse im Angriff, weil Geld nun einmal auch bei den Amateuren Tore schießt und dem Verein die finanziellen Mittel fehlen, die nötig sind, einen Stürmer mit gehobenem Oberliga-Niveau zu verpflichten. Das aktuelle Personal lässt weiter die dringend gebotene Konsequenz im Abschluss vermissen. Und weil Schüsse aus der zweiten Reihe auch nicht gerade das Klever Mittel der Wahl sind, kann die Mannschaft aktuell eigentlich nur punkten, wenn die Null hinten steht.
Das tat sie aber erneut nicht, weil das Team nach sehr konzentrierter Vorstellung in der ersten Halbzeit direkt nach dem Wiederanpfiff einmal nicht aufpasste. Der VfB Hilden spielte den Ball bei einer Ecke flach zum am Elfmeterpunkt sträflich frei stehenden Maximilian Wagener, der das 1:0 erzielte (47.).
Das war der Anfang vom Ende für den 1. FC Kleve, weil die Mannschaft trotz allen Bemühens offensiv keinerlei Gefahr ausstrahlte. Kampfgeist, Einsatz und Laufbereitschaft stimmten zweifelsohne. Was fehlte, war die fußballerische Qualität beim Spiel nach vorne, was sicherlich auch daran lag, dass in Forster und Thuyl wichtige Impulsgeber fehlten. Der Gegner stellte den Endstand durch Treffer von Mohamed Cisse (78.) und Emmanuel Yeboah (90.+2) her.
„Wir haben nach einer guten ersten Halbzeit kurz nach der Pause einmal nicht aufgepasst und sind dafür bestraft worden. Dieses Gegentor hat uns sehr weh getan. Das ist ärgerlich, weil wir unbedingt etwas mitnehmen wollten“, sagte Akpinar. Denn der Druck im Abstiegskampf wird immer größer. Und die Aufgaben nicht leichter. Am kommenden Sonntag, 15 Uhr, ist der Spitzenreiter Ratingen 04/19 am Bresserberg zu Gast.