
Die Spieler und Verantwortlichen des 1. FC Kleve standen am Sonntag nach dem Abpfiff auf dem Rasen und wirkten so, als würden sie die Fußball-Welt, in der sie sich befanden, gerade überhaupt nicht verstehen. Die Mannschaft hatte ihr Abstiegs-Endspiel beim VfB Homberg mit 2:1 gewonnen. Sie hatte die achte Partie in Folge ohne Niederlage überstanden. Sie hatte vom Klever Anhang zu recht viel Applaus für eine engagierte Leistung erhalten. Und doch war das Team ein großer Verlierer. Denn es stand als einer von vier Absteigern fest – das Aus nach acht Jahren in der Klasse.
Kapitän Fabio Forster, der zum letzten Mal im Trikot aufgelaufen war, das er 18 Jahre lang getragen hat, brachte die Klever Gefühlslage treffend auf den Punkt. „Der 1. FC Kleve wird nur noch in der Landesliga spielen, aber gefühlt sind wir nach den Ergebnissen der vergangenen Wochen nicht abgestiegen“, sagte Forster, der zum 1. FC Lintfort wechselt, um künftig mehr Zeit für die Familie zu haben.
Der Denker und Lenker der Mannschaft hatte wie seine Mitspieler eine Saison lang unerschütterlich Optimismus verbreitet. „Wir schaffen das“ lautete das Motto eines Teams, das niemals aufgab, obwohl es von der Konkurrenz und sogar Teilen der eigenen Anhängerschaft oft abgeschrieben worden ist.
Die Mannschaft wäre auch noch nicht abgestiegen, wenn sich Fortuna Düsseldorf am Ende nicht fast wehrlos aus der Zweiten Bundesliga verabschiedet hätte. Dann wäre die Saison für den 1. FC Kleve in die Verlängerung gegangen. Es würden jetzt Entscheidungsspiele gegen die DJK Adler Frintrop, nach Punkten und im direkten Vergleich gleichauf, anstehen. Doch es geht in die Sommerpause und runter in die Landesliga.
Auch wenn für so einen Satz ein paar Euro für das Phrasenschwein fällig wären: Der 1. FC Kleve kann die Klasse erhobenen Hauptes verlassen. Er ist selbstverständlich kein Gewinner, da er die Mission Ligaverbleib nicht erfüllt hat. Doch er hat sich kontinuierlich verbessert und eine weitaus bessere Rolle gespielt, als ihm von der Konkurrenz, die das Team als Abstiegskandidaten Nummer eins eingestuft hatte, zugetraut worden ist.
Der 1. FC Kleve hat mehr Punkte geholt als in den beiden Spielzeiten zuvor, in denen der Klassenerhalt recht souverän geschafft wurde. Und ihn trennen nur vier Zähler von Platz sieben. Ein Beleg dafür, wie eng das Feld jenseits der Spitzenteams in der Oberliga diesmal beieinander war.
Die Mannschaft zeichnete vor allem eines aus. „Ich habe selten in einem Team gespielt, das so widerstandsfähig ist. Es ist Wahnsinn, welche Rückschläge wir weggesteckt haben“, sagte Forster. Auch in Homberg war es der Fall, weil zwei der wichtigsten Kräfte fehlten: Abwehrchef Philipp Divis und Allrounder Niklas Klein-Wiele, mit zehn Treffern bester Torschütze des Teams.
Sie litten als Zuschauer Höllenqualen. „Ich bin noch nie bei einem Spiel so nervös gewesen“, sagte Niklas Klein-Wiele, der wegen einer Gelb-Sperre fehlte. Er hatte wie alle im Team gehofft, dass ein Sieg den Klassenerhalt bedeuten würde. „Denn ich hätte nicht gedacht, dass auf den anderen Plätzen alles so krass gegen uns laufen würde.“
So blieb nach dem Abpfiff nur eine große Leere und das Gefühl, gescheitert zu sein, obwohl man in den letzten Wochen eine Menge richtig gemacht hatte. „Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Was die Mannschaft zuletzt geleistet hat, war außergewöhnlich“, sagte Philipp Divis. Der Abstieg sei nun „ein blöder Abschied“ für Fabio Forster und Tim Haal (SV Rees), die den Verein nach vielen Jahren verlassen. „Das haben sie nach der langen Zeit, die sie für den 1. FC Kleve gespielt haben, nicht verdient.“
Damit stehen in der kommenden Saison nur noch zwei Akteure aus dem Team, das 2018 unter Trainer Umut Akpinar den Aufstieg in die Oberliga geschafft hatte, im Kader: Niklas Klein-Wiele und Torhüter Ahmet Taner. Sie werden mit Philipp Divis die Eckpfeiler der Mannschaft sein, die in der Landesliga einen Neuanfang starten muss. „Wir haben heute noch einmal alles reingeworfen und unsere Serie fortgesetzt, auch wenn uns das nicht geholfen hat. Das gibt mit Blick auf die neue Saison ein gutes Gefühl“, sagte Taner
Auch Niklas Klein-Wiele machen die „Ergebnisse der vergangenen Wochen Mut“. So weit wie die Klever Zuschauer, die sangen, dass der 1. FC Kleve nach nur einem Jahr wieder in der Oberliga sei, will er nicht gehen. „Wir haben ein gutes Fundament. Wichtig ist jetzt, dass wir eine gute Vorbereitung hinlegen. Und dann sehen wir weiter“, sagte Klein-Wiele.
Mit Blick auf die kommende Saison stehen noch wichtige Personalentscheidungen aus. Aktuell haben zwei Torhüter und 13 Feldspieler zugesagt. Sicher ist mittlerweile, dass auch Winter-Neuzugang Dominik Burghard den Verein verlassen wird. „Er will weiter in der Oberliga spielen“, sagt Georg Mewes, Sportlicher Leiter des 1. FC Kleve.
Mit Luca Thuyl, Juliano Ismanovski und Dario Gerling stehen noch abschließende Gespräche aus. Mewes wünscht sich, dass jetzt schnell Klarheit herrscht. „Und dann fahre ich erst einmal ein paar Tage in Urlaub. Denn es herrscht bei mir eine große Leere und Trauer.“