
Der SC Fortuna Bonn reagierte auf den sportlichen freien Fall. Nach einer schwarzen Serie von elf Niederlagen am Stück beendete der Verein am vergangenen Mittwoch die Zusammenarbeit mit Trainer Dario Paradiso. Während der Abstieg bei 14 Punkten Rückstand auf das rettende Ufer kaum noch abzuwenden ist, beginnt mit einer internen Interimslösung bereits die Planung für den Neuanfang.
Die nackten Zahlen der laufenden Spielzeit lesen sich für die Anhänger der Fortuna wie ein sportlicher Offenbarungseid. Nur zwei Siege und magere sieben Punkte sprangen aus den bisherigen 21 Partien heraus. Nachdem man im Winter noch auf die Wende gehofft hatte, markierten die sieben Pleiten nach der Pause den endgültigen Tiefpunkt. Vor allem der Auftritt der Mannschaft in den letzten Wochen zwang die sportliche Leitung zum Handeln. In einem intensiven Gespräch, das laut Verein von höchstem gegenseitigem Respekt geprägt war, einigte man sich auf die sofortige Trennung von Paradiso und Co-Trainer Ozan Gültekin.
Dario Paradiso selbst blickt mit Wehmut auf die kurze Zeit in Bonn zurück und sucht nicht nach Ausflüchten, benennt aber klare Gründe für das Scheitern. "Geplant war eigentlich eine langfristige Zusammenarbeit mit der Fortuna, die ich sehr gerne fortgeführt hätte. Der Verein ist hervorragend geführt, und ich bin hier auf großartige Menschen getroffen – umso schmerzhafter ist diese Trennung für mich. Am Ende des Tages haben jedoch die Ergebnisse gefehlt, weshalb die Beendigung der Zusammenarbeit die logische Konsequenz des Geschäfts ist und ich dafür die volle Verantwortung übernehme," so Paradiso.
Verschiedene Herausforderungen, die nicht gemeistert werden konnten, seien für das Abschneiden verantwortlich. "Vor allem das unglaubliche Verletzungspech hat uns hart getroffen – viele Leistungsträger sind langfristig ausgefallen, was wir in dieser Form nicht kompensieren konnten. Das soll ausdrücklich keine Ausrede sein, da auch andere Klubs mit solchen Problemen kämpfen. Dennoch führte es dazu, dass wir eine sehr junge, talentierte Mannschaft ins Rennen schicken mussten, in der plötzlich 19-Jährige die volle Verantwortung übernehmen mussten. Sie haben das gut gemacht, aber für die nötigen Ergebnisse hat es in der Summe leider nicht gereicht. Jetzt werde ich erst einmal eine gewisse Zeit für meine Familie und mich nutzen, aber ich werde dem Fußball definitiv treu bleiben", so der 46-jährige Übungsleiter.
Für die verbleibenden Spiele übernimmt nun Abteilungsleiter Nico Schulte – der auch gestern beim 0:6 gegen Bad Honnef an der Seitenlinie stand – das Kommando. Der 30-Jährige wird dabei von U19-Coach Niklas Cacciapuoti unterstützt.
Die Mission für das restliche Saisondrittel ist klar definiert: Es geht nicht mehr um das Wunder Klassenerhalt, sondern um den Aufbau einer funktionierenden Einheit für die kommende Spielzeit. Die Fortuna will dabei ihrem Weg treu bleiben und weiterhin verstärkt auf Talente aus der eigenen Jugend setzen. Während Schulte die Mannschaft stabilisieren soll, läuft im Hintergrund bereits die Suche nach einem neuen Trainerteam für den Neustart, das die Philosophie der Ausbildung und Integration junger Spieler aus der Region konsequent weiterführt.