2026-04-29T13:32:52.058Z

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„Danke FC Spraitbach“: Mattyasovszky sagt leise Servus

Ein Aufstieg, ein Abstieg und ein Fundament für die Zukunft: Nach drei turbulenten Jahren verabschiedet sich Kristof Mattyasovszky vom A-Ligisten FC Spraitbach. Zwischen Dankbarkeit und Selbstreflexion blickt der dreifache Meistertrainer zurück – und kämpft zugleich um einen würdigen letzten Akt.

von Nicolas Schoch · Heute, 09:45 Uhr · 0 Leser
– Foto: Nicolas Schoch

Nur noch etwas mehr als ein Monat. Noch ein paar Trainingseinheiten, ein paar Ansprachen in der Kabine, sechs Spiele an der Seitenlinie. Dann ist Schluss. Zumindest vorerst. Kristof Mattyasovszky – den alle nur „Matty“ rufen – wird den FC Spraitbach verlassen. Nach drei Jahren, die alles waren: intensiv, erfolgreich, schmerzhaft, vor allem aber unvergesslich. Bereits im vergangenen Dezember hatte der 40-Jährige Klarheit geschaffen. Kein Hinauszögern, kein Taktieren. Eine Entscheidung, die typisch für ihn ist: Ehrlich, direkt, reflektiert. „Es gibt nie den richtigen Zeitpunkt dafür“, sagt er. „Doch die Jungs brauchen neue Ansätze, andere Ansichten und nicht das bekannte Schema.“



Damals lag der FCS noch in Schlagdistanz zur Spitze der Kreisliga A1. „Eigentlich hatten wir eine gute Vorbereitung – aber ich habe in Spraitbach schnell gemerkt, dass das meistens ein schlechtes Omen ist“, sagt Mattyasovzky schmunzelnd: „In den Jahren davor war es meist umgekehrt und wir haben in der Saison geliefert.“ Ausgerechnet in dieser schwierigen Phase nach dem Winter weilte er vier Wochen beruflich in den USA. Die Durststrecke von sieben Spielen ohne Sieg endete erst vorige Woche mit dem hart erkämpften 2:1 beim Schlusslicht FC Eschach.

Als Tabellenachter steht der letztjährige Bezirksligist jenseits von Gut und Böse, nun aber zumindest wieder neun Punkte vor der Abstiegszone. Nach dem Lehrjahr in der höheren Spielklasse war klar, dass es kein Selbstläufer sein würde. Vom Coach gibt es kein Schönreden, kein Dramatisieren, nur Realität: „Wenn man Platz fünf anpeilt und weiter hinten landet, dann hat man die Erwartungen nicht erfüllt. Aber wir befinden uns in einem Prozess mit vielen jungen Spielern, daher müssen wir in unserer Situation gerade jeden Punkt mitnehmen. So ist es unserem Spiel, es gibt Auf und Ab und ich habe in meiner Laufbahn viel von beidem erlebt.“

Ein Jahrzehnt im Trainergeschäft haben Spuren hinterlassen. 2019 mit dem SV Hussenhofen in der Kreisliga B2, 2015 und 2024 mit dem FC Spraitbach in der A1 – mit gerade einmal 40 Jahren avancierte „Matty“ dreimal zum Meistermacher. Etwas, das alles andere ist als selbstverständlich: „Was ich schon erleben durfte – viele kamen noch nie in diesen Genuss.“ Emotional wie sportlich war Spraitbach eine Krönung: Mit der niedrigsten Anzahl an Gegentoren seit einem Vierteljahrhundert und einer beeindruckenden Siegesserie läutete der FCS damals eine unbeschreibliche Feier ein.

„Das Beste, was ich je hatte“, so beschreibt es Mattyasovszky und denkt an die Anfänge zurück. Mit Torjäger Alin Fuchs habe er sich als Gegenspieler jahrelang in die Haare bekommen, als Mitspieler und Kapitän sei das Spraitbacher Urgestein „einfach eine coole Socke.“ Was bleibt, ist vor allem Dankbarkeit. Für eine Mannschaft, die gewachsen ist. Für einen Verein, der selbst in der Abstiegssaison hinter ihm stand. „Meine Person und meine Fähigkeiten wurden nie in Frage gestellt. Das rechne ich dem Verein hoch an und werde da für immer in der Schuld stehen.“

Vorerst soll die Familie im Vordergrund stehen. Wobei auch in den eigenen vier Wänden das runde Leder niemals fehlen darf: Sein Sohn, bald sechs Jahre alt, spielt für die Bambinis der SF Lorch und kommt ganz nach dem Vater – total fußballverrückt: „Sobald ich durch die Tür komme, hat er schon einen Ball in der Hand und will kicken. Und ich habe riesigen Spaß, ihn zu beobachten und zu unterstützen – ganz so, wie es mein Vater auch bei mir gemacht hat.“ Eine Pause ist geplant. Vielleicht ein Jahr, vielleicht zwei. Wobei es einen solchen Charaktertyp bestimmt nicht lange auf dem Sofa halten wird. Zwei erste Anfragen hat er bereits abgelehnt, seinen Sommerurlaub bewusst auf den Start der neuen Saison gelegt. „Wenn ich etwas mache“, so Mattysovszky, „dann nur, wenn ich zu hundert Prozent überzeugt bin und der Verein Lust hat, etwas zu bewegen. Ich bin froh, auch mal eine Zeit lang nur durchzuatmen und als Zuschauer dabei zu sein.“

Dennoch wirkt Mattysovszky nicht wie ein Trainer auf Abschiedstournee, nicht wie die oft zitierte „Lame Duck“. Ganz im Gegenteil: Er lebt jedes Spiel, jede Szene. Analytisch im Kopf, heißblütig im Herzen. Einer, der nichts schleifen lässt. Es gilt, die Saison bestmöglich zu beenden, um dem künftigen Spielertrainer Alexander Bechthold ein gutes Fundament zu hinterlassen. Den Namen seines Nachfolgers, der aktuell noch für den Landesligisten SV Waldhausen die Kickstiefel schnürt, hatte Mattyasovszky selbst ins Spiel gebracht. Es war sofort ein „Perfect Match“, wie man im digitalen Zeitalter so schön sagt. Um die Zukunft macht sich der 40-Jährige deshalb keine Sorgen. Erst recht nicht, da Vinzent Brenner nach einem Jahr als gestandener Bezirksligaspieler aus Bargau heimkehren wird und sich die Zweite Mannschaft mit einer ordentlichen Runde in der Kreisliga B etabliert hat. Der große Zusammenhalt trägt den FCS. Inklusive eines gemeinsamen Ausflugs nach Saisonende gen Köln, den sich auch der scheidende Trainer nicht entgehen lassen wird.

Was Matty hinterlässt, ist mehr als eine nackte Platzierung: Er hat einen Wandel angestoßen, eine neue Identität geprägt, viele junge Spieler eingebaut. Diese neue DNA soll die Basis für die Zukunft sein. „Es war immer mein Credo, die Jungen reinzuwerfen und sie haben uns auch zum Aufstieg verholfen“, freut er sich und zieht ein kleines vorläufiges Fazit. Ganz offen und direkt, wie er eben ist: „Ich weiß, was ich der Mannschaft mitgegeben hat und was wir aneinander hatten, aber auch woran es gehapert hat.“

Mattyasovszky wollte nichts erzwingen. Er hat erkannt, wann es Zeit ist zu gehen. „Es war geil, es war schön, es war mega – und jetzt ist es gut.“ Die Gedanken an den Abschied kommen langsam. Wie es wohl sein wird, wenn am 06. Juni im Heimspiel gegen die SGM Lautern-Essingen der vorerst letzte Schlusspfiff ertönen wird. Und doch versucht er, genau das nicht zu nah an sich heranzulassen. Weil er jeden Moment noch genießen will. Was bleibt, sind Erinnerungen. Erfolge. Und das Gefühl, gemeinsam durch Höhen und Tiefen gegangen zu sein. Oder, wie er selbst sagt: „Danke an den FCS – ein geiler Verein. Selbst nach Niederlagen sitzt man zusammen, trinkt ein Bier und geht gemeinsam durch das Tal.“