Nach sechs Jahren als Ehrenamtsbeauftragte und der Arbeit im Breitenfußball-Ausschuss an der Seite von Winfried Titze fühlte sie sich bereit für den nächsten Schritt. Ihr ist sehr wohl bewusst, dass sie damit nicht nur in große Fußstapfen getreten ist, sondern in einem immer noch von Männern dominierten Sport wahrscheinlich besonders kritisch beäugt wird. In der Führungsetage des Fußballkreises 5 gibt es außer ihr nur zwei Frauen: Ulrike Engels-Dvorak gehört als Kassenwartin dem Vorstand an, Brigitte Reuß-Tannigel kümmert sich als Beisitzerin im Fußballausschuss um den weiblichen Bereich. Auf Verbandsebene kennt sie in Aylin Caliskan (Kreis Remscheid/Solingen) lediglich eine weitere Amtskollegin.
Das habe freilich auch damit zu tun, findet sie, dass viele Frauen federführend für das Familienmanagement zuständig seien. Sich Freiräume für die ehrenamtliche Arbeit zu verschaffen, fällt da schwer. Der schöne Satz, „ich bin dann mal weg“, kommt Frauen (zu) selten über die Lippen. Als alleinerziehende Mutter zweier in Vorst fußballspielender Söhne im Alter von 17 und 14 Jahren ist das für Daniela Dohmen nur möglich, weil sie in ihrem Vollzeitjob als Assistentin der Geschäftsführung in der Bauabteilung eines mit der Glückspielbranche befassten Unternehmens auf einen verständnisvollen Chef bauen kann. „Er findet gut, was ich mache.“
Zehn bis zwölf Stunden in der Woche - mindestens
Mindestens zehn bis zwölf Stunden in der Woche nimmt ihr Ehrenamt in Anspruch, zu Beginn einer Saison können daraus sogar locker 25 werden. „Du musst dich halt richtig reinfuchsen in bis zu 60 Seiten starke Satzungen.“ Klingt nicht wirklich sexy. Und ist es auch nicht. „Außerdem sind wir nicht unbedingt die beliebteste Stelle, gehört es doch zu unseren Aufgaben, Ordnungsgelder durchzudrücken. Man ist nicht immer Everybody‘s Liebling.“ Aber eben oft unverzichtbar. Dazu von ihr zwei Beispiele aus der jüngeren Praxis: Nach ihrem Aufstieg in die Oberliga hätten Titelverteidiger VfL Jüchen-Garzweiler und die Holzheimer SG sehr gerne auch weiterhin am Kreispokal teilgenommen. „Bis mein Vater ein Schreiben von 1998 rausgeholt hat mit dem Verbandsbeschluss, dass sie damit ihr Freilos für den Niederrheinpokal aufs Spiel gesetzt hätten.“
Auch die Kritik der am Freitag schon im Viertelfinale des Kreispokals aufeinandertreffenden Landesligisten SC Kapellen und DJK Gnadental am Modus sei unbegründet, erklärt sie. „Weil Jüchen-Garzweiler und Holzheim in die Oberliga aufgestiegen sind, steht unserem Fußballkreis in dieser Saison nur noch ein weiterer Platz im Niederrheinpokal zu. Es qualifiziert sich also ohnehin nur der Pokalsieger.“ Anders sähe das in der nächsten Spielzeit aus: Schaffen Jüchen und Holzheim den Klassenverbleib, sind sie als Oberligisten dabei und aus dem Fußballkreis 5 nehmen wie üblich die beiden Finalisten sowie der Sieger des Qualifikationsspiels der im Halbfinale unterlegenen Vereine teil. Der Teufel steckt also im Detail.
Nach den schlimmen Verwerfungen vor zehn Tagen auf den Fußballpätzen im Rhein-Kreis Neuss war die Ausschussvorsitzende im Übrigen recht dankbar für die Ruhe am vergangenen Spielwochenende: „Das lag vielleicht am abnehmenden Mond“, vermutet sie mit einem leichten Schmunzeln.