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"Da es keine eigene Liga für Frauen gibt, spielen wir bei den Männern"

Kapitänin Jana Breh vom TSV Weilimdorf spricht im FuPa-Interview über den Einstieg in die Männer-Verbandsliga, große Lernkurven und eine wachsende Begeisterung für Futsal.

von red · 12.12.2025, 19:30 Uhr · 0 Leser
– Foto: TSV Weilimdorf

Der TSV Weilimdorf schreibt Futsal-Geschichte: Als reines Frauenteam tritt die Mannschaft von Kapitänin Jana Breh in der Verbandsliga der Männer an. Ein Schritt, der aus purer Leidenschaft für den Sport entstanden ist – und aus der Überzeugung, dass Entwicklung wichtiger ist als Ergebnisse. Im FuPa-Interview erzählt Jana Breh von harter Arbeit, hohem Tempo, großem Zusammenhalt und der Hoffnung, dem Frauen-Futsal in der Region neuen Auftrieb zu geben.

FuPa: Jana, der TSV Weilimdorf startet mit einem Frauenteam in der Futsal-Verbandsliga der Männer. Wie fühlt es sich für euch an, direkt in einer Herrenliga einzusteigen?

Jana Breh: Wir haben Ende 2022 mit dem Futsal beim TSV Weilimdorf angefangen. Zu Beginn waren wir nur 3 bis 4 Mädels und haben ein paar Monate selbstorganisiert trainiert, bevor wir dann bei der 2. Mannschaft eingestiegen sind. Drei Mädels von uns haben zum ersten Mal 2023/2024 in der Herren-Verbandsliga mitgespielt. Nach und nach kamen immer mehr Mädels dazu und seit letztem Winter sind wir so viele, dass wir eine reine Frauenmannschaft stellen können.

Auch letztes Jahr haben wir schon als reines Frauenteam in der Herren-Verbandsliga mitgespielt, und haben da ganz positive Erlebnisse gehabt. Wir sind also nicht mehr ganz neu und wissen schon ein bisschen, wie das so ist. Uns alle hat das Futsalfieber gepackt, wir wollen unbedingt Futsal spielen und da es leider keine eigene Liga für Frauen gibt, spielen wir bei den Männern mit.

FuPa: Welche sportlichen Ziele habt ihr euch als Team für diese Saison in der Männer-Verbandsliga gesetzt?

Jana Breh: Wir wollen unbedingt spielen und das anwenden, was wir seit dem letzten Jahr im Training gelernt haben. Wir wissen aus dem vergangenen Jahr, dass es ergebnistechnisch nicht leicht wird für uns. In der letzten Saison haben wir aber trotz der Niederlagen viel an sportlicher Erfahrung mitgenommen und darauf liegt der Fokus auch in diesem Jahr.

FuPa: Wie würdest du die Stimmung und Erwartungshaltung innerhalb des Teams vor dem Saisonstart am Sonntag in Laupheim beschreiben?

Jana Breh: Wir haben die letzten Wochen darauf hintrainiert und sind dementsprechend hoch motiviert und bereit, dass es jetzt endlich losgeht.

FuPa: Habt ihr im Kader Spielerinnen, die parallel auch draußen auf dem Fußballfeld aktiv sind? Und wie gut gelingt ihnen der Wechsel zwischen Fußball und Futsal?

Jana Breh: Alle Spielerinnen kommen ursprünglich vom Fußball und die meisten von uns spielen auch weiterhin aktiv Fußball. Ich denke, wir alle hatten schon mal die Situation, dass wir auf dem Fußballplatz standen und den Ball mit der Sohle angenommen haben, was sehr futsaltypisch ist. Aber es sind doch zwei verschiedene Sportarten, besonders taktische Elemente und die Laufwege auf dem Platz unterscheiden sich deutlich. Was man gut vom einen auf das andere anwenden kann, sind die technischen Fähigkeiten, obwohl es auch da einige Unterschiede gibt.

FuPa: Welche technischen und taktischen Unterschiede zwischen Futsal und Fußball bemerkst du am stärksten, gerade für Spielerinnen, die bisher hauptsächlich draußen gespielt haben?

Jana Breh: Wenn man vom Fußball kommt, sind die Laufwege am Anfang das schwierigste. Beim Futsal ist jede:r Spieler:in auf dem Feld immer in Bewegung. Man versucht sich durch abgestimmte Rotationen zum Tor durchzuspielen. Aber nicht nur der Angriff, auch die Verteidigung unterscheidet sich in taktischen Aspekten sehr stark. Beim Futsal begeistern mich vor allem die vielen Ballkontakte und dass man nur als perfekt abgestimmtes Team wirklich funktionieren kann.

Wir haben das große Glück mit Alen Lalic einen Trainer zu haben, der auf höchstem Niveau Futsal gespielt und Futsal-Mannschaften trainiert hat. Er vermittelt uns mit viel Fachwissen und Geduld die Grundlagen des Futsals. Er kann uns die Parallelen und Unterschiede im Fußball und Futsal aufzeigen und hilft uns so, die futsaltypischen technischen Aspekte – zum Beispiel die Sohlenannahme – und taktischen Aspekte – zum Beispiel die rotierenden Spielzüge – mit dem zu verbinden, was wir bereits an Fußballerfahrung mitbringen.

FuPa: Wie bereitet ihr euch im Training speziell auf die körperliche und spielerische Herausforderung vor, gegen Männerteams anzutreten?

Jana Breh: Unser Training unterscheidet sich grundsätzlich nicht danach, ob wir gegen Frauen- oder Männerteams spielen. Wir nutzen jede Einheit, um uns als Team optimal einzuspielen. Das Einzige, was sich vielleicht etwas unterscheidet, sind taktische Überlegungen am Spieltag. Wenn wir mit körperlichen oder geschwindigkeitsbezogenen Nachteilen rechnen, konzentrieren wir uns eher darauf Räume zu schließen und strukturierter auf Gegenangriffe zu reagieren.

FuPa: Gibt es bestimmte Spielsituationen, in denen ihr als Frauenteam besondere Stärken oder Nachteile seht?

Jana Breh: Es ist klar, dass es körperliche Unterschiede gibt. Aber tatsächlich zeigt sich das weniger in Zweikämpfen, als vor allem in der Schnelligkeit. Die Grundgeschwindigkeit des gesamten Spiels ist für uns herausfordernd und oft ist es auch der entscheidende Schritt zur Seite, für den wir eben zwei brauchen, um den Gegenspieler am Torabschluss zu hindern.

FuPa: Wie reagieren die gegnerischen Mannschaften darauf, dass ihr als reines Frauenteam in der Männerliga spielt? Habt ihr bisher besondere Erfahrungen gemacht?

Jana Breh: Wir haben schon in der letzten Saison viele gute Erfahrungen gemacht. Sowohl vom Schiedsrichter:innen-Team als auch von den anderen Mannschaften haben wir sehr positive Rückmeldungen und Respekt dafür bekommen, dass wir als Frauenmannschaft an der Verbandsliga teilnehmen. Wir freuen uns sehr, dass wir so die Gelegenheit haben Futsal zu spielen und nicht nur zu trainieren.

FuPa: Welche Erwartungen hast du persönlich an eure Entwicklung als Team in dieser ersten Saison?

Jana Breh: Wenn man unseren Trainer Alen fragen würde: Mehr Ruhe am Ball haben und alles einfach genießen. Das zu verinnerlichen ist ein langer Weg, auf dem wir uns keinen besseren Trainer wünschen könnten als Alen. Alen hat uns in unseren ersten Schritten nicht nur trainiert, sondern hat uns durch seine Geduld und Hingabe mit seiner Freude am Futsal angesteckt. Wir lernen im Training aber auch im Spiel viel von ihm und freuen uns, dass er mit so viel Einsatz und Begeisterung an der Seitenlinie oder bei Bedarf auch auf dem Spielfeld steht. Wir wollen durch viel Spielpraxis dahin kommen, dass die Nervosität im Spiel sinkt und wir die Zeit auf dem Platz einfach genießen können.

FuPa: Was erhoffst du dir langfristig von diesem Schritt – sowohl für euren Verein als auch für die Entwicklung des Frauen-Futsals in der Region?

Jana Breh: Es ist ein bisschen schade, dass Futsal in Deutschland noch eine vergleichsweise unbekannte Sportart ist – beziehungsweise viele Futsal mit den Fußball-Hallenturnieren im Winter verbinden, bei denen man an komplizierte Regeln und einen ungewohnten Ball denkt. Wenn man aber mal ein richtiges Futsalspiel erlebt, sieht man ein intensives, schnelles und vor allem actionreiches Spiel mit vielen Toren und hoher technischer Kreativität.

Der TSV Weilimdorf lebt den Futsalsport und wir sind sehr stolz und dankbar, dass wir neben unserem erfolgreichen Bundesligateam nun auch die erste Frauen Futsalmannschaft in der Region stellen dürfen.

Wir hoffen, dass sich unsere Begeisterung für den Futsal ein bisschen überträgt. Richtig cool wäre es, wenn in Zukunft noch mehr Teams Lust auf diesen Sport bekommen und wir langfristig Teil einer eigenen Futsalliga sein können.