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Christian Dorda: „04/19 hat hohe Ziele – so wie ich selber auch“

Der Trainer des Ratinger Oberligisten spricht vor der neuen Saison über den Kader, Unterschiede zu den Profis und was er von Peter Bosz gelernt hat.

von Georg Amend · 12.08.2024, 23:00 Uhr · 0 Leser
Christian Dorda ist der neue Cheftrainer von Germania Ratingen 04/19.
Christian Dorda ist der neue Cheftrainer von Germania Ratingen 04/19. – Foto: Andre Peters, Sascha Köpp

Ratingen 04-19-Coach Christian Dorda gibt vor Saisonbeginn in einem Interview auch einen Einblick in sein Privatleben.

Erste positive Eindrücke als Cheftrainer

Es gibt da ein Foto von Ihnen mit Ihrer Familie, auf dem Sie ein Trikot der Chicago Bulls mit der Nummer 23 tragen und Ihr Sohn eines der Los Angeles Lakers mit der Nummer 23. Gibt es angeregte Diskussionen im Hause Dorda, wer der bessere Basketballspieler war und ist – Michael Jordan oder LeBron James?

Christian Dorda (lacht) Ich gucke eigentlich gar kein Basketball mehr, eher schon meine Tochter, die sich aber auch sehr für Leichtathletik interessiert. Um ehrlich zu sein: Wir haben das Trikot von LeBron James im Urlaub gekauft – ich habe das auch, aber in einer anderen Farbe, und mein Sohn wollte dann auch eines haben. Ich bin mit Michael Jordan groß geworden, er ist aus meiner Sicht der beste Basketballer aller Zeiten, auch wenn LeBron James heutzutage natürlich auch ein Ausnahmespieler ist. Aber generell habe ich nicht die Riesen-Affinität zum Basketball.

Dann die Parallele zum Fußball. Die letzte Nummer 23 bei Ratingen 04/19 war Ihr heutiger Co-Trainer Erkan Ari. Wie läuft die Zusammenarbeit mit ihm?

Dorda Super. Er ist sehr, sehr fleißig, und wir arbeiten menschlich richtig gut zusammen. Ich kann mich immer auf ihn verlassen. Es ist nicht so, dass er mir nur zuarbeitet, wir können uns sehr gut ergänzen. Seine Meinung ist mir vor allem sehr wichtig: Er kennt die Mannschaft sehr gut und hat ein tolles Gespür dafür, was angebracht ist und was vielleicht auch nicht.

04/19 ist Ihre erste Station als Cheftrainer. Wie ist es für sie?

Dorda Ich habe mein ganzes Leben im Fußball verbracht, ich liebe diesen Sport, und es gibt für mich keinen schöneren. Ich finde den Klub toll, er hat ein Riesenpotenzial und große Ziele – so wie ich selber auch. Ich bin ein sehr junger Trainer und werde bestimmt auch Fehler machen, aber ich werde auch dazulernen, denn man lernt nie aus. Wovor ich aber den größten Hut ziehe und wovon sich auch viele Profispieler eine Scheibe abschneiden können: Die Jungs, die wir hier trainieren, kommen nach der harten Arbeit hierhin, ich rede dann noch auf die ein, und wir machen Läufe und geben alles auf dem Platz – aber da moppert keiner, alle ziehen mit. Das ist schon beeindruckend.

Sie haben als Profi in den Top-Ligen Deutschlands, Belgiens und der Niederlande gespielt. Wie unterscheidet sich der jeweilige Fußball?

Dorda Gravierend. Der belgische Fußball kommt dem deutschen schon sehr nah, was das Physische angeht, hat aber einen anderen Rhythmus. Ich war damals beim Aufsteiger KVC Westerlo, und wir haben eine sehr gute Hinrunde gespielt. Weil es da ein Play-Off-System gibt, hat man am Anfang der Saison die besseren Möglichkeiten, die großen Klubs wie Brügge, Gent oder Genk zu schlagen. Aber wenn es dann in die Play-Offs geht, sind die Top-Fünf auch auf den ersten fünf Plätzen. In den Niederlanden ist es technisch ein anderer Fußball, und die Risiko-Bereitschaft ist deutlich höher. Man setzt mehr auf eine reine Spielanlage und versucht damit, sich den Gegner zurechtzulegen. Das ist dann auch ein ansehnlicher Fußball für die Zuschauer.

Den Sie gerne nach Ratingen übertragen würden?

Dorda Es ist schwierig, die erste Liga in den Niederlanden mit der Oberliga in Deutschland zu vergleichen. Das ist einfach ein Riesen-Unterschied. Für uns geht es darum, Ergebnisse zu liefern, aber ich möchte auch ein bisschen Wunschdenken haben. Es ist natürlich ein Wunsch, jeden Gegner zu dominieren, ein sauberes, geschlossenes Pressing zu spielen und dem Gegner gar nicht erst den Ball zu überlassen. Denn wenn er den nicht hat, kann er auch kein Tor schießen. Aber jeder Gegner ist anders und hat auch seine Vorstellungen vom Spiel. Das macht es natürlich schwieriger.

Dorda träumt auch noch von höheren Aufgaben

Sie haben die B-Lizenz als Trainer. Wo soll es hingehen?

Dorda Ich will Anfang nächsten Jahres mit der A-Lizenz beginnen. Ich wollte das eigentlich dieses Jahr schon angehen, aber die Ausbildung dauert acht Monate, und das schaffe ich dieses Jahr nicht.

Und dann? Ratingen als Start für eine Profi-Trainer-Karriere?

Dorda Ich mache alles step by step. Das Traumziel ist natürlich die Fifa-Pro-Lizenz, aber das ist ein sehr langer Weg bis dahin. Dafür muss man als Trainer auch performen, sonst braucht man gar keine Lizenzen machen. Ich möchte schon höher hinaus, aber ich bin eben auch noch ein junger Trainer. Der Sprung vom Spieler zum Trainer – das ist schon etwas ganz anderes. Als Spieler machst du dir keine Gedanken, ziehst die Schuhe an und trainierst. Als Trainer machst du dir ständig Gedanken: über den Gegner, das eigene Team, die Belastung, das Training an sich, die Spiele… Irgendwann kommt das alles mit der Erfahrung.

Wer hat Sie als Trainer geprägt?

Dorda Ich habe bei Heracles Almelo in den Niederlanden unter Peter Bosz gespielt, der ja auch in Deutschland ein Begriff ist (als Trainer von Borussia Dortmund und Bayer 04 Leverkusen, Anm. d. Red.). Das war ein unglaublicher Trainer. Er hatte sehr viel Wissen, Ruhe und Feingefühl. Ich konnte von ihm viel lernen, was wichtig ist im Fußball, aber auch menschlich. Ballbesitz war natürlich sein Metier, für ihn war es extrem wichtig, dass seine Mannschaft immer den Ball hatte. Ich hoffe, dass ich das bei uns auch reinkriege.

Was haben Sie von Peter Bosz besonders mitgenommen?

Dorda Er hat immer offene Gespräche geführt und die Spieler gepusht, immer versucht, die Idee, die er hatte, zu vermitteln und die Spieler so mitzunehmen. Man muss ein Gespür dafür haben, ob die Jungs gewisse Dinge auch wollen – man kann nicht etwas in sie reinpeitschen.

Sie kommen selber gerade von einem Gespräch mit einem Spieler. War es schwierig?

Dorda Nein. Ich hatte mit Tim Klefisch ein sehr gutes Gespräch und habe ihm seine Rolle im Mittelfeld bei uns erklärt. Er ist ein sehr wichtiger Spieler für mich – auf der Position und weil er ein sehr intelligenter Spieler ist. Ich versuche, mich mit so vielen Spielern wie möglich auszutauschen.

Klefisch gehört neben Kapitän Sven Kreyer und seinem Stellvertreter Emre Demircan ebenso wie Phil Spillmann und Gianluca Silberbach zum Mannschaftsrat. Zufrieden mit dessen Zusammensetzung?

Dorda Die Jungs haben den Mannschaftsrat ja selber gewählt, dann müssen sie auch damit leben (lacht). Ich finde, es ist ein sehr reifer Mannschaftsrat – bis auf Sven und Tim sind alle schon länger im Verein. Sie alle haben das Vertrauen der Jungs bekommen, was ich voll unterschreibe, und dann habe ich daraus den ersten und zweiten Kapitän gewählt. Emre zum Beispiel ist ein fantastischer Fußballer, aber noch lange nicht fertig in seiner Entwicklung. Deswegen habe ich ihm jetzt als zweitem Kapitän noch mehr Verantwortung übertragen.

Was macht ein Team aus?

Dorda Eine homogene Mannschaft braucht man immer – dass alle miteinander können, ist sehr wichtig. Jeder ist eigen, hat aber auch seine eigenen Qualitäten. Ich war auch kein Roberto Carlos, aber auch nicht so ganz schlecht. Der Sechser ist der Taktgeber und schon auch das Herzstück einer Mannschaft zusammen mit den Achtern und den Innenverteidigern – dann hat man ein Grundgerüst für die Stabilität.

Worauf haben Sie bei der Kader-Zusammenstellung mit Ihrem Sportlichen Leiter Frank Zilles Wert gelegt?

Dorda Wir wollten die Qualität weiter hochhalten, und das haben wir meiner Meinung nach geschafft, unter anderem mit den Spielern aus der Regionalliga, die schon gezeigt haben, dass sie problemlos auch eine Liga höher spielen können. Im Endeffekt sind es aber alles Jungs, die arbeiten gehen und das als Nebenjob machen, die aber auch Ziele und fraglos dafür die Qualität haben. Das muss man aber auch in Zählbares ummünzen. Das wichtigste dafür ist Konstanz über einen langen Zeitraum, keine Achterbahnfahrt. Wenn wir das schaffen, können wir von einer gelungenen Saison sprechen.

Jetzt haben wir schon zweimal von Zielen gehört. Welche sind es denn?

Dorda Wenn du zu hohe Ziele hast, fällt es dir auf die Füße. Ich bin auf jeden Fall ambitioniert, die Mannschaft und ich haben hohe Ziele – was daraus wird, wird man sehen. Ich glaube nicht, dass wir als Favorit in die Saison gehen, aber wenn wir alles reinwerfen, soll es möglichst besser werden als letztes Jahr. In Zahlen: besser als Platz sieben. Positiv zu überraschen muss unser Ziel sein.

Georg Amend führte das Gespräch.