
SV Askania Coepenick – Hertha BSC Ama Zwee 3:1
7.Spieltag Kreisliga A Berlin Staffel 1 Saison 2025/2026
Sonntag, 19.10.2025 13:00 Uhr
FEZ KR „Schranke“
80 Zuschauer
Vor ein paar Monaten telefonierte ich mit einem alten Kumpel.
Wir quatschten über eine bevorstehende Fußball-Tour, und beim Verabschieden fragte er mich, ob ich auch das Finale der Frauen-EM gucken würde. Ich war davon ausgegangen, dass das Finale – wie eigentlich alle Spiele dieses Turniers – um 21 Uhr angepfiffen werden würde.
Aber der Ball rollte bereits seit 18 Uhr.
Ärgerlich, aber in diesem Moment natürlich nicht mehr zu ändern.
Also wurde fix die Glotze angeschmissen, obwohl die Sprotte noch vor dem Fernseher auf dem Boden mit seinen Autos spielte. Irritiert blickte er auf die Damen aus England und Spanien, die darum rangen, die Nummer eins im europäischen Fußball zu werden.
Meine Frau und ich erklärten ihm, dass Nationen sich in Wettbewerben um Welt- und Europameistertitel duellierten. Ich glaube, er hat das nicht so wirklich verstanden und wollte am folgenden Abend Hertha im TV sehen … braver Junge.
Weil natürlich gerade nichts im Free-TV verfügbar war, machte ich ihm schnell eines meiner Ama-Zwee-Videos an (https://www.youtube.com/@HerthaAmaZwee/videos
Lasst gefälligst mal ein Like da.
Über den Bildschirm flimmerte derweil ein Gegentor, und der Junior fragte nach, ob Hertha getroffen hätte. „Nein, Sohnemann, der Gegner hat ein Tor geschossen“, klärte ich ihn auf.
Mit vor Empörung weit aufgerissenen Augen antwortete er: „Aber Papi, ich will, dass Hertha gewinnt!“ – „Ich auch, mein Sohn. Ich auch …“, seufzte ich.
Und heute hätte ich wirklich einen Sieg als Balsam auf die Seele gebrauchen können: Die FuWo hatte ihren Betrieb eingestellt und somit meine journalistische Laufbahn erstmal auf Eis gelegt, mein Urlaub war vorbei, und die Profis der alten Dame hatten sich in Bochum verhauen lassen. Außerdem ging es ins FEZ zu Askania Coepenick. Näher kommt man einem Derby mit den Ama Zwee ja eigentlich nicht. Union und TeBe haben keine unteren Teams mehr, und man könnte in der Kreisliga natürlich jeden Berliner Verein als Derbygegner ansehen. Aber mit Teams aus Köpenick geht das halt am besten.
Die Fahrt bis fast an die Alte Försterei verlief ganz entspannt, und ich fand direkt vor dem FEZ einen Parkplatz.
Das Freizeit- und Erholungszentrum in Köpenick kann echt was.
Es verfügt über eine kleine Parkeisenbahn sowie ein schönes, kleines Stadion. Angrenzend liegen die Kunstrasenplätze „Waldseite“ und „Schranke“. Beheimatet auf diesem Areal ist der SV Askania Coepenick, obwohl das Stadion im FEZ von Unions U19 genutzt wird.
Interessant ist auch der Name des heutigen Ama-Zwee-Gegners:
Zum einen nutzen sie die alte Schreibweise von Köpenick, zum anderen ist der Name Askania auch nicht alltäglich. Der Verein ist ein Fusionsverein von 2012 und geht aus dem FC Karlshorst und der SG Oberspree hervor. Weil Letztere eine über hundertjährige Geschichte haben, wird der Name des Bezirks im neuen Verein in der alten Schreibweise geführt.
Das ganze Askania-Ding geht wohl auf die Askanier zurück, die 1157 die Slawen aus Köpenick vertrieben. Warum man sich nun nach einem Volkstamm nennt, der andere vertreibt, ist mir nicht ganz klar – zumal der SV ein gemeinnütziger Verein ist. Aber vielleicht interpretiere ich da zu viel hinein.
Was mich im Vorfeld wieder unsagbar nervte, war, dass auf Askanias Social-Media-Kanälen vom „Derby zwischen Köpenick und Charlottenburg“ zu lesen war.
Hertha BSC ist ein Stadtverein mit Wurzeln im Wedding. Wenn man ihn auf den Spielort (Charlottenburg) reduziert, müsste man bei internationalen Auftritten von Union ja auch von den Charlottenburgern sprechen. Aber das nur mal als Denkanstoß.
Die Ama Zwee und die Askania-Kicker betraten den Platz an der Schranke direkt, nachdem die zweite Mannschaft der Köpenicker die Jungs von Eiche Köpenick mit 4:0 weggeputzt hatte.
Die erste Halbzeit war taktisch geprägt – viele Zweikämpfe im Mittelfeld und wenig Chancen.
Die zwingenderen hatten die Herthaner, aber der Keeper im Askania-Kasten war sehr reaktionsstark.
In der Pause gab es dann einen leckeren Kaffee und einen selbstgemachten Brownie von einigen Askania-Muttis, die vor dem Platz einen kleinen Verkaufsstand hatten.
So lieb ich Kreisliga.
Im zweiten Durchgang gab es dann auch Tore. Das erste wurde von Kalle eingeleitet, der den Ball sehenswert zu Justin brachte. Der sah in der Mitte Destiny, und der musste nur noch einschieben.
Kalle, der die Fahne nicht nur auf dem Trikot, sondern auch auf und in der Brust trägt, freute sich so über diesen Treffer, dass er dem Ama-Zwee-Fotografen, der direkt neben dem Tor stand, um den Hals fiel.
Gerne mehr davon.
Danach hatten die Herthaner die Gastgeber eigentlich am Wickel. Aber Fußball ist manchmal so fies, und so nutzte Askania zwei Stellungsfehler und zwei Sonntagsschüsse, um das Spiel zu drehen.
Besonders ärgerlich war, dass der Schiri (vom SSV Köpenick-Oberspree) den Ama Zwee zwei wirklich gute Vorteilssituationen wegpfiff.
Das passiert natürlich in der Kreisliga – genauso wie völlig absurde Abseitspfiffe –, hinterlässt aber einen bitteren Nachgeschmack, wenn der Unparteiische von einem Verein kommt, der quasi im Vorgarten der Eisernen liegt.
Wenigstens leben die Kollegen von Askania nicht diesen blinden Hass, den einige zwischen Hertha und Union aufbauschen. Und so führte ich noch ein nettes Gespräch mit einem Askania-Akteur und konnte meiner Sammlung einen neuen Schal zuführen.
Zu der bitteren Niederlage kam noch ein kilometerlanger Stau auf der A100.
Als der Verkehr dann endlich wieder lief, ging es über Charlottenburg nach Hause.
Dort wurde der Nachwuchs noch ein bisschen bespaßt, indem wir im Hinterhof Fußball spielten. Juchzend verkündete der Sohnemann: „Papi, ich bin Hertha, und ich will, dass Hertha gewinnt!“ Ich ließ ihn an mir vorbeisausen und den Ball ins Tor schießen und murmelte vor mich hin: „Ich auch, mein Sohn, ich auch.“
Ha Ho He Amateure Zwee
Der Kutten König