
Nach dem Abstieg aus der Oberliga hat sich Calcio Leinfelden-Echterdingen in der Verbandsliga Württemberg stabilisiert. Trainer Francesco Di Frisco spricht über einen radikalen Umbruch, verschenkte Führungen und den Anspruch, sich dauerhaft zu etablieren.
Calcio Leinfelden-Echterdingen ist nach einer schwierigen Vorsaison aus der Oberliga abgestiegen und hat sich in der Verbandsliga Württemberg neu sortiert. Zur Winterpause steht das Team mit 25 Punkten aus 18 Spielen auf dem achten Tabellenplatz. Die Bilanz lautet acht Siege, ein Unentschieden und neun Niederlagen bei einem Torverhältnis von 23:35. Für Trainer Francesco Di Frisco ist diese Platzierung vor allem vor dem Hintergrund der vergangenen Monate einzuordnen.
„Die größte Herausforderung war ganz klar der enorme Umbruch im Sommer“, sagt Di Frisco. Die Zahlen verdeutlichen die Dimension: „Wir haben 21 Spieler verloren und 21 neue Spieler verpflichtet.“ Aus dieser Konstellation eine funktionierende Mannschaft zu formen, sei ein Prozess gewesen, der Zeit brauche: „Daraus eine Einheit zu formen und gleichzeitig eine klare Spielidee zu entwickeln, braucht Zeit.“
Hinzu kam ein sportliches Muster, das sich durch mehrere Spiele zog. „Zusätzlich hatten wir in mehreren Spielen das Problem, dass wir Führungen zu einfach aus der Hand gegeben haben“, erklärt der Trainer und nennt konkrete Gegner: TSV Oberensingen, FC Holzhausen und die Sportfreunde Schwäbisch Hall. In diesen Partien sei Calcio lange überlegen gewesen: „In diesen Partien waren wir über mehr als 50 Minuten die klar bessere und dominante Mannschaft“, ehe ab etwa der 60. Minute die Kontrolle verloren ging.
Warum Calcio trotz spielerischer Phasenstärke nur im Mittelfeld steht, erklärt Di Frisco mit einem eindrücklichen Vergleich. „Mit etwas mehr Zielstrebigkeit und Konsequenz hätten wir aus diesen Spielen drei bis vier Punkte mehr holen können“, sagt er. Besonders aufschlussreich sei ein Detail gewesen, das Kapitän Jovan Djermanovic bei der Weihnachtsfeier präsentierte: „Dort wären wir klar auf Platz 1 gewesen“, wenn nur die ersten Halbzeiten gezählt hätten. Die zweite Hälfte erzähle jedoch eine andere Geschichte: „Die Tabelle der zweiten Halbzeiten hätte uns hingegen auf Platz 16 gezeigt.“ Für den Trainer fasst dieser Gegensatz die Hinrunde präzise zusammen.
Trotz aller Schwankungen fällt das Gesamturteil positiv aus. „Ich bin insgesamt sehr zufrieden“, betont Di Frisco. Dabei verweist er nicht nur auf den Umbruch, sondern auch auf das Umfeld: „Wenn man den großen Umbruch und die vielen negativen Geräusche rund um den Verein berücksichtigt, macht mich das Erreichte sehr stolz.“ Das Zusammenspiel von Trainerteam, Mannschaft und Vereinsführung bewertet er klar: „Was das Trainerteam gemeinsam mit der Mannschaft und der Vereinsführung aufgebaut hat, ist absolut positiv.“
Das Verbesserungspotenzial ist für den Coach eindeutig definiert. „Ganz klar darin, dass wir über 90 Minuten das abrufen, was die Mannschaft in vielen Spielen in der ersten Halbzeit gezeigt hat“, sagt Di Frisco. Genau daran soll gearbeitet werden: „Das muss unser Anspruch sein und genau daran werden wir in der Vorbereitung intensiv arbeiten.“
Kurzfristig geht es um Stabilität, langfristig um Struktur. „Wir wollen die Mannschaft weiter formen und möglichst früh einen festen Kern entwickeln“, erklärt Di Frisco. Dieser Kern soll die Basis für die kommenden Jahre bilden: „Damit der Verein und die Mannschaft in den nächsten zwei Jahren wieder die Grundlage haben, um oben anzugreifen und perspektivisch um die oberen zwei Plätze mitzuspielen.“
Für die laufende Saison formuliert der Trainer ein klares Ziel: „Unser klares Ziel ist es, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben.“ Dass der Weg dorthin anspruchsvoll bleibt, ist ihm bewusst: „Auch wenn das kein einfacher Weg wird. Wir glauben fest an diese Mannschaft.“
Die Wintervorbereitung beginnt am 15. Januar, das erste Testspiel steht bereits am 18. Januar an – Gegner ist Normannia Gmünd. Im Kader sind aktuell keine Änderungen vorgesehen: „Aktuell sind keine Verpflichtungen geplant“, stellt Di Frisco klar.
Abschließend ordnet der Trainer auch die Konkurrenz ein. Besonders angetan zeigte er sich von einem Team: „Für mich war der FC Esslingen die beste Mannschaft der Liga – sowohl mit dem Ball als auch gegen den Ball.“ Sein Fazit: „Eine sehr junge Mannschaft, die richtig Spaß gemacht hat.“
In einer Verbandsliga, die zur Winterpause von Young Boys Reutlingen (45 Punkte) angeführt wird und in der vier Mannschaften absteigen, hat Calcio Leinfelden-Echterdingen nach dem Oberliga-Abstieg wieder Boden unter den Füßen. Der nächste Schritt heißt nun: Konstanz über 90 Minuten.