2026-03-13T07:45:35.464Z

Allgemeines

BW Mintard behält nach Acht-Tore-Achterbahnfahrt die Nerven

Das Topspiel der Landesliga, Gruppe 2, hielt, was es versprach – und noch ein bisschen mehr. Zwischen DJK BW Mintard und VfB Bottrop entwickelte sich vor rund 200 Zuschauern ein wilder Schlagabtausch mit allem, was das Fußballherz begehrt: Tore, Wendungen und reichlich Gesprächsstoff. Am Ende setzte sich Mintard mit 5:3 (1:0) durch und zog damit punktgleich mit dem direkten Konkurrenten.

von Markus Becker · Heute, 20:32 Uhr · 0 Leser
Mintard zieht mit Bottrop nach Punkten gleich.
Mintard zieht mit Bottrop nach Punkten gleich. – Foto: Markus Becker

Die Gelb-Rote Karte nach einer vermeintlichen Schwalbe von Lasse Dittner stellte den Spielverlauf im Topspiel zwischen der DJK BW Mintard und dem VfB Bottrop komplett auf den Kopf. Zunächst deutete sich ein Debakel für den VfB an, der sich in der Schlussphase in Unterzahl aber wieder ins Spiel kämpfte. Mintard berappelte sich aber noch rechtzeitig und brachte drei wichtige Punkte ins Ziel.

Steinmetz vergibt vom Punkt

Zunächst begegneten sich beide Teams auf Augenhöhe. Tempo und Intensität wurden dem Rahmen des Topspiels gerecht, auch wenn die klareren Chancen zunächst auf Seiten der Gäste lagen. Enes Bilgin setzte einen Dropkick nur knapp am Tor vorbei (19.), ehe er wenig später im Strafraum zu Fall kam. Schiedsrichter Jan Goretzki zeigte auf den Punkt – doch Raphael Steinmetz scheiterte mit einem zu zentralen Elfmeter an Leon Ossmann (26.). Der Keeper der Gastgeber blieb auch im direkten Anschluss hellwach und rettete per Fußabwehr (27.).

Mit Fortschreiten der ersten Hälfte erspielte sich Mintard dann wieder mehr Vorteile - und stach bei der besten Möglichkeit eiskalt zu. Lukas Mühlenfeld legte eine flache Hereingabe gegen die Laufrichtung von Keeper Dacy Orock ins Tor (40.).

Platzverweis und sieben Tore: Turbulenter zweiter Durchgang

Nach der Pause nahm das Spiel dann endgültig Fahrt auf. Lasse Dittner ging mit Tempo im Strafraum zu Boden, doch statt Strafstoß gab es die Ampelkarte (48.). In Überzahl nutzte Mintard die sich bietenden Räume konsequent: Serkan Güzel staubte zum 2:0 ab (51.), Leon Eschen erhöhte nach einer Ecke (56.), ehe Lucas Simos einen weiteren Standard sogar direkt verwandelte (60.). Mit vier Toren Vorsprung und in Überzahl hatte Mintard immer noch nicht nicht genug und betonte lautstark, nicht nachlassen zu wollen. Doch statt eines Kantersieges drehte sich der Spielverlauf völlig überraschend.

Serkan Güzel war sehr aktiv über den Spielverlauf.
Serkan Güzel war sehr aktiv über den Spielverlauf. – Foto: Markus Becker

Beim Stand von 4:0 und mit einem Mann mehr schien alles auf einen klaren Heimsieg hinauszulaufen. Doch Bottrop zeigte Moral – und wie. Nach einem Durcheinander im Strafraum verkürzte Bjarne Neumann, ehe Steinmetz mit einem verwandelten Foulelfmeter (70.) und einem weiteren Treffer nach starkem Angriff (72.) plötzlich wieder Hoffnung aufkeimen ließ.

Das Spiel drohte endgültig zu kippen, doch Mintard fing sich rechtzeitig. Die Gastgeber stabilisierten sich und ließen keine weiteren Großchancen mehr zu. Ein Eigentor von Labinot Kryeziu sorgte schließlich für die Entscheidung (83.).

Hoffmann wünscht sich "Fingerspitzengefühl" des Schiedsrichters, bei Guglielmi überwiegt der Stolz

Diesen absurden Spielverlauf musste Bottrops Coach Marco Hoffmann erst einmal einordnen: "In der ersten Halbzeit war es sehr ausgeglichen. Da sind wir drei, vier Mal nach vorne gekommen, wo wir auch hätten in Führung gehen können. Stattdessen gehen wir wieder mit einem Rückstand in die Halbzeit."

Hoffmann haderte aber in erster Linie mit der Gelb-Roten Karte für Lasse Dittner kurz nach Wiederanpfiff: "Ich habe mit Lasse schon gesprochen. Er sagt: ganz klarer Kontakt, klares Foulspiel, klarer Elfmeter. Ich sage auch: Der Lasse lässt sich nicht fallen", beteuert der Übungsleiter, der sich in den entscheidenden Momenten etwas mehr "Fingerspitzengefühl" des Unparteiischen gewünscht hätte.

Nach Spielende formierte sich der VfB in einem großen Kreis.
Nach Spielende formierte sich der VfB in einem großen Kreis. – Foto: Markus Becker

So stand trotz großen Kampfgeists im zweiten Durchgang die nächste Pleite zu Buche. Mit fünf Niederlagen aus sieben Spielen in der Rückrunde ist weiterhin der Wurm drin in Bottrop. "Ich sage, dass das Kartenhaus nicht völlig einbricht, obwohl das jetzt einige erwartet hätten", schätze Hoffman die Lage ein. Der Chefcoach nimmt immerhin die Comeback-Qualitäten seiner Mannschaft als Hoffnungsschimmer mit. "Dieses Wiederkommen ist das Einzige was ich aus der Rückrunde mitnehme. Davor zieh ich maximal den Hut."

Auf der anderen Seite konnte Marco Guglielmi, Trainer der Mintarder, ein deutlich zufriedeneres Resümee ziehen. "Ich bin sehr stolz auf unsere Mannschaft", sagt er im Gespräch mit FuPa Niederrhein. Dass der fast schon sicher geglaubte Sieg zum Ende hin aber noch einmal in Gefahr geriet, ist in dieser Saison für ihn keine gänzlich neue Erfahrung. "Im Moment und allgemein in der Liga sind solche Spiele nie entschieden. Wir haben auch gegen den Mülheimer FC mit einem Mann mehr mit 4:1 geführt (Endstand 4:4), wir haben auch gegen Scherpenberg mit 3:1 geführt (Endstand 3:5)."

Guglielmi weiter: "Solange wir die Spiele gewinnen, soll mir das eigentlich egal sein. Andererseits muss man das als Trainer schon nüchtern betrachten werden, dass wir zu viele Gegentore kassieren."

Für beide Teams geht es jetzt in jedem Fall in die heiße Phase um die Aufstiegsplätze, wobei das Momentum - gerade nach einer solch turbulenten Partie - eher den Mintardern als Bottrop zugute kommen sollte.