Felix von Ass ist treuer Anhänger "seines" Klubs. Schon seit 2007 ist er regelmäßig bei den Heimspielen der TuS Güldenstern Stade dabei. Das Fernbleiben vieler Zuschauer versteht er nicht.
Felix von Ass ist treuer Anhänger "seines" Klubs. Schon seit 2007 ist er regelmäßig bei den Heimspielen der TuS Güldenstern Stade dabei. Das Fernbleiben vieler Zuschauer versteht er nicht.

Glotze statt Tribüne

Fußballvereine beklagen mangelndes Zuschauerinteresse

Der Fußball lebt von seinen Zuschauern und Fans. Allein die Bundesliga lockt jede Woche fast 400 000 Menschen in die Stadien. Doch in den unteren Spielklassen zeichnet sich ein negativer Trend ab. Immer weniger Zuschauer besuchen die Spiele der Amateurklubs. Beispiel: Zum Oberligaspiel zwischen dem Niendorfer TSV und dem Buxtehuder SV kamen nur 30 Zuschauer – kein Einzelfall im Amateurfußball.
Zu den Heimspielen des Buxtehuder SV kommen im Schnitt 200 Zuschauer. Darunter oftmals auch viele Fans der Gastmannschaften. Der Rückgang der Zuschauer sei ein Trend, der schon seit Jahren besteht, meint der Trainer René Klawon. „Die Bundesligaübertragungen sind für die Menschen einfach attraktiver als der Amateurfußball“, sagt er.

Freitags bis montags zeigt der Pay-TV-Sender „Sky“ die Spiele der ersten und zweiten Bundesliga, dazu kommen noch die Zusammenfassungen in der Sportschau und im Sportstudio in den Öffentlich-Rechtlichen.
Auch der Bezirksligist VfL Stade beklagt das Überangebot an Fußballübertragungen. Der einstige Drittligist kann heute lediglich einen Schnitt von 100 Zuschauern vorweisen. Nur zu den Derbys kommen noch viele Zuschauer. Der VfL versucht aber, den Zuschauern mit kleinen Aktionen wie Verlosungen und Spielen in der Halbzeitpause zusätzliche Anreize zu bieten. Laut Abteilungsleiter Horst Wiebusch wird das auch gut angenommen.
Einen ähnlich niedrigen Zuschauerschnitt hat ein anderer Stader Verein: Landesligist Güldenstern. Präsident Thomas Trabant hatte sich nach dem Aufstieg eigentlich eine Steigerung der Zuschauerzahlen erhofft, doch die blieb aus. „Wir müssen aber auch selbstkritisch sein“, so Trabant, „wir spielen zurzeit einfach nicht den besten Fußball und da ist es schwer, für die Zuschauer attraktiv zu sein.“
Bezirksligist ASC Estebrügge hingegen kann sich nicht beklagen. Etwa 175 Zuschauer kämen im Schnitt zu den Spielen, bei Derbys und Spitzenspielen seien es mehr, so Vorstandsmitglied Alfred Behnke. Doch auch er gesteht ein, dass viele Menschen sich lieber den Profifußball im Fernsehen anschauen, als selbst am Spielfeldrand mitzufiebern. Ein Vorteil des ASC sei jedoch, dass viele Spieler aus der Region kämen und die Zuschauer dadurch einen „richtigen Bezug“ zu ihrem Team hätten. Spieler und Fans kennen sich persönlich.
Dass sich auch der Faktor Erfolg dazugesellt, zeigt Oberliga-Spitzenreiter SV Drochtersen/Assel. Dieser führt auch bei den Zuschauerzahlen in der Region. Fast 400 Zuschauer verfolgen im Schnitt die Spiele im Kehdinger Stadion, Tendenz steigend. Trotzdem wolle man auch weiterhin mehr Menschen aus der ganzen Region in das Stadion locken. „Wir wollen die Zuschauer mit erfolgreichem und attraktiven Fußball begeistern“, sagt Vereinspräsident Rigo Gooßen. In der Vergangenheit versuchte der Verein, mit verschiedenen Aktionen und Vergünstigungen mehr Zuschauer zu mobilisieren.
Attraktivität und Erfolg, da stimmen alle Verantwortlichen überein, seien der Schlüssel, um den Amateurfußball wieder interessant zu machen.
Christoph Stedel, Sprecher der bundesweiten Initiative „Glotze aus, Stadion an!“ kritisiert die Vereine: Sie würden nicht aktiv genug auf potenzielle Zuschauer zugehen. „Ein Plakat oder Spielplan beim Bäcker um die Ecke reichen als Werbung nicht aus“, sagt Stedel. Die Fan-Initiative bemängelt, dass viele Fußball nur noch in der „Glotze“ verfolgen und vergessen, was es heißt, selbst Spiele zu besuchen und zu erleben. Das Gefühl bei Bratwurst und Bier dem Verein aus der Nachbarschaft zuzuschauen, sei durch keine Fernsehübertragung zu ersetzen, heißt es.

Aufrufe: 2.4.2015, 11:04 Uhr
David PetersAutor

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