2026-04-20T12:45:22.080Z

Allgemeines

Bundesliga-Schiri pfeift Münchner Kreisklasse

„War schön, nicht vor 50.000 zu pfeifen“

von Michel Guddat · Heute, 16:21 Uhr · 0 Leser
Hatte sichtlich Spaß an der Arbeit: Florian Exner im Einsatz in der Kreisklasse München 4.
Hatte sichtlich Spaß an der Arbeit: Florian Exner im Einsatz in der Kreisklasse München 4. – Foto: Sascha Hecken

Er pfeift dort, wo Millionen zuschauen: Doch an einem gewöhnlichen Samstag taucht Bundesliga-Schiedsrichter Dr. Florian Exner plötzlich in der Münchner Kreisklasse auf.

Frankfurt, München, Bremen – klingt nach den üblichen Wochenendeinsätzen von Bundesliga-Schiedsrichter Dr. Florian Exner. Eintracht Frankfurt gegen den 1. FC Köln, das brisante Nordderby Werder Bremen gegen den Hamburger SV. Und dazwischen? Ist da noch München. Jedoch nicht die Allianz Arena, nicht der große Rasen. Sondern TSV 1860 München IV gegen die SpVgg Thalkirchen, Kreisklasse München 4. Und mittendrin: Florian Exner. Derselbe Exner?

„Es war ein bisschen Zufall“, erzählte Exner auf Nachfrage von Fussball Vorort/FuPa Oberbayern. „Die Frau eines sehr engen Freundes, der selbst Schiedsrichter war und bei der Gastmannschaft spielt, hat in München Geburtstag gefeiert. Weil ich vom DFB ausnahmsweise selbst spielfrei hatte, kam spontan die witzige Idee von ihm.“ Gesagt, getan. Kurzfristig wurden noch zwei junge Assistenten organisiert – und fertig war die wohl ungewöhnlichste Schiedsrichterbesetzung der laufenden Kreisklassen-Saison.

Bundesliga-Schiedsrichter Dr. Florian Exner pfeift Münchner Kreisklasse: „Super angenehm“

„Es war super angenehm“, sagte Exner. „Klar, es war nicht der ganz große Druck für mich. Es war auch mal schön, nicht vor 50.000 zu pfeifen und zu wissen: Jede Entscheidung wird jetzt analysiert.“ Einmal musste der 35-Jährige sogar auf den Punkt zeigen: „Es war ein Handelfmeter. Aber der war relativ klar.“

Du hast einen Konter, und plötzlich ist gefühlt der Schiedsrichter der Schnellste auf dem Platz.

Thalkirchen-Coach Leo Fleischer über das athletische Level von Exner.

Thalkirchen gewann das Spiel mit 3:1 und wahrte damit die Aufstiegschance (48 Punkte, Platz zwei). Angesprochen auf den Schiedsrichter zeigte sich Trainer Leo Fleischer und seine Mannschaft besonders von einer Sache beeindruckt: Das athletische Level von Exner „habe ich im Amateurbereich noch nie gesehen“, schwärmte Fleischer gegenüber Fussball Vorort/FuPa Oberbayern. „Du hast einen Konter, und plötzlich ist gefühlt der Schiedsrichter der Schnellste auf dem Platz.“

Während so mancher Schiedsrichter in den unteren Ligen den Mittelkreis als Heimat betrachtet, war Exner gefühlt überall. „Souverän, transparent, kommunikativ, auf dem Boden geblieben, überhaupt kein Selbstdarsteller – genau wie man sich das wünschen würde.“

Auch Sinisa Zurovac, Trainer der Löwen, bemerkte einen Unterschied im Verhalten seiner Spieler, die „sehr viel Respekt und Vertrauen in die Entscheidungen des Schiedsrichters“ an den Tag legten. Er selbst konnte sich uneingeschränkt auf das Spiel konzentrieren und zeigte sich im Nachgang „sehr glücklich über das schöne und positive Erlebnis.“

Ohne Funk, ohne Videobeweis, die reine Tatsachenentscheidung – für Exner selbst keine große Umstellung. „Ich pfeife relativ viel Oberliga und Regionalliga in NRW und bin schon noch daran gewöhnt“, sagte er. „Und ich bin ein Schiedsrichter, der versucht, die Feldentscheidung so zu treffen, als wäre kein Videobeweis da – möglichst richtig natürlich.“

Hatte sichtlich Spaß an der Arbeit: Florian Exner im Einsatz in der Kreisklasse München 4.
Hatte sichtlich Spaß an der Arbeit: Florian Exner im Einsatz in der Kreisklasse München 4. – Foto: Sascha Hecken

Dass ihm dies im Kreisklassen-Duell gelang, zeigte sich im Fazit von Thalkirchen-Coach Fleischer: „Wenn es kein Bundesliga-Schiedsrichter gewesen wäre, würden wir gar nicht über den Schiedsrichter sprechen. Und das ist so mit das größte Kompliment.“

Und Exner? Der steckte seine Pfeife in die Tasche, verabschiedete sich und machte sich auf den Weg. Zurück in die Welt der Kameras, des Funks im Ohr und der 50.000 grölenden Fußballfans. Von der Kreisklasse in die Bundesliga. Von Haidhausen zum Nordderby nach Bremen. Zwei Welten, ein Sport. (mg)