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BSG Stahl Brandenburg: "Darauf können sie zu Recht stolz sein"

Überraschender Tabellenzweiter: Der sportliche Leiter Andreas Koch spricht im FuPa-Teamcheck über den taktischen Wandel der BSG Stahl Brandenburg in der Brandenburgliga und die Jagd auf Spitzenreiter MSV Neuruppin.

von red · 17.02.2026, 11:00 Uhr · 0 Leser
– Foto: Imago Images/Verein

Eigentlich wollte man in Brandenburgs höchster Spielklasse nur ankommen, doch die BSG Stahl Brandenburg hat die Rolle des höflichen Neulings längst abgelegt. Als Tabellenzweiter überwintert der Aufsteiger und hat sich zum schärfsten Verfolger des MSV Neuruppin gemausert. Es ist die Geschichte einer radikalen Neuerfindung: Vom Ballbesitz-Stolz der Landesliga hin zu einer hocheffizienten Umschaltmaschine. Der sportliche Leiter Andreas Koch spricht im FuPa-Teamcheck unter anderem über die Jagd auf die Spitze.

FuPa: Als Aufsteiger auf Platz 2 zu überwintern, ist ein Statement – wie stolz blicken Sie auf diese erste Saisonhälfte zurück, in der Sie sich direkt als erste Verfolger von Neuruppin etabliert haben?

Andreas Koch: Natürlich konnte selbst der größte Optimist unter uns vor Saisonbeginn nicht ahnen, dass wir als Aufsteiger in der Lage sind, das Niveau der Brandenburgliga mitzubestimmen. Wir waren allerdings überzeugt davon, dass wir in Brandenburgs höchster Spielklasse durchaus mithalten können. Wir mussten unseren Spielstil, den wir über Jahre in der Landesliga entwickelt haben, komplett umstellen. Vom Ballbesitzfußball zu einer Mannschaft, die erstmal kompakt steht und dann zielstrebig und schnell nach vorn spielt. Dass es den Spielern und den Trainern in kurzer Zeit gelungen ist, diesen Turnaround erfolgreich umzusetzen - ja darauf können sie zu Recht stolz sein.

FuPa: Mit 33 Toren stellen Sie eine der gefährlichsten Offensivreihen der Liga. Gab es in der Hinrunde einen speziellen Moment oder einen Sieg, an dem Ihnen klar wurde, dass Stahl Brandenburg ganz oben mitspielen kann?

Andreas Koch: Als wir nach zwei Spieltagen 6 Punkte hatten, ist bei uns im Verein niemand durch die Decke gegangen und träumte bereits vom Durchmarsch. Es war klar, dass wir auch mal Rückschläge verkraften müssen. Bei unserem Sieg in Frankfurt spielten wir aber nach einer sportlichen Durststrecke wie eine Spitzenmannschaft und lieferten mit vier Siegen in Folge einen „goldenen Oktober“. Von da an hatten wir uns oben endgültig festgesetzt, aber auch deshalb, weil die Konkurrenz unsere schlechte Phase bis Mitte November nicht für sich ausnutzen konnte.

FuPa: Trotz der Euphorie gab es auch fünf Niederlagen. Welche Lehren haben Sie aus den Spielen gezogen, in denen es nicht für Punkte gereicht hat, um in der Rückrunde noch abgeklärter aufzutreten?

Andreas Koch: Es gab wirklich viele unterschiedliche Gründe, weshalb wir in einigen Spielen den Kürzeren gezogen haben. Unerklärliche individuelle Fehler sorgten beispielsweise in Ahrensfelde für lange Gesichter bei uns, fehlende Cleverness in Sachen Zweikampfführung und körperlicher Härte sehe ich ursächlich für die Niederlage in Altlüdersdorf. Es geht in dieser Liga um Kleinigkeiten, das war für uns ein Lernprozess. Beispielsweise haben wir in Blankenfelde und zu Hause gegen den Ligaprimus aus Neuruppin vorne zu viel liegen gelassen und werden dann durch die individuelle Klasse einzelner gegnerischer Spieler abgestraft. Daran werden wir nicht zerbrechen, die Jungs sind lernfähig und heiß darauf, die eine oder andere Rechnung in dieser Hinsicht in der Rückrunde zu begleichen.

FuPa: Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Verlauf der Vorbereitung und hat die Mannschaft die Winterpause genutzt, um die Akkus für den Aufstiegskampf voll aufzuladen?

Andreas Koch: Die Spieler kamen gut ausgeruht und motiviert zum Trainingsauftakt, die Vorfreude auf die Rückrunde war spürbar. Wir haben ja in diesem Jahr seit längerer Zeit mal wieder einen Winter, der die Vorbereitung natürlich massiv beeinflusst hat. Vorteilhaft ist es aber, dass wir erstmals bei uns einen eigenen Kunstrasenplatz nutzen können. Wir konnten deshalb die meisten Einheiten mit dem Ball gestalten, nur die vorher vereinbarten Testspiele vielen witterungsbedingt des Öfteren aus.

FuPa: In der Vorbereitung gab es bereits einige Testspiele, welche sportlichen Erkenntnisse konnten Sie aus diesen Vergleichen ziehen?

Andreas Koch: ⁠Im Winter ist einfach Flexibilität gefragt, wenn ein Spiel ausfällt, geht oft kurzfristig eine andere Tür auf und der nächste Verein bittet um ein Testspiel. So sind wir beispielsweise gegen den Regionalligisten vom HFC mit nur wenig Trainingseinheiten ins Spiel gegangen und haben trotz der letztlich deutlichen Niederlage ein gutes Spiel gemacht. Solche Spiele können wir genauso richtig einordnen wie der kürzlich mit 7:0 klar gewonnene Test gegen Lok Stendal aus der Oberliga. Wir versuchen, uns ständig zu verbessern, vor allem in Sachen cleverer Zweikampfführung und Zielstrebigkeit mit wenigen Kontakten in Richtung gegnerischem Tor.

FuPa: Um den Rhythmus für den scharfen Start zu finden: Welche Testspiele sind für die kommenden Tage noch konkret geplant, bevor es am 28. Februar wieder ernst wird?

Andreas Koch: Aktuell ist bisher erstmal nur noch ein Vorbereitungsspiel am kommenden Mittwoch gegen Rathenows Oberligateam geplant. Aber wie gesagt, wir sind offen für einen weiteren Test.

FuPa: Welche Zu- oder Abgänge gab es in der Winterpause und sind noch weitere personelle Veränderungen geplant?

Andreas Koch: Da wir grundsätzlich mit der Hinrunde und unserem vorhandenen Personal sehr zufrieden waren und sich kein weiterer Spieler langfristig verletzt hat, haben wir nur wenig Bewegung im Kader gehabt. Silva Magahaels hat uns in Richtung Petershagen/Eggersdorf verlassen. Dafür haben wir mit Jonas Günther, der in den letzten 1 1/2 Jahren neben einem Studium in den USA in einer College Mannschaft gespielt hat, einen Rückkehrer zu verzeichnen. Zudem setzen wir weiter auf den eigenen Nachwuchs, haben beispielsweise mit Moritz Droste einen weiteren Juniorenspieler in den Trainingsbetrieb integriert.

FuPa: Am Samstag, 28. Februar, um 15 Uhr starten Sie mit einem Heimspiel gegen den SV Germania 90 Schöneiche in die Rückrunde – wie wichtig wäre ein Sieg gegen das Tabellenvorletzten, um direkt ein Signal an die Konkurrenz aus Neuruppin zu senden?

Andreas Koch: Der Auftakt gegen Schöneiche sieht vom Papier her leichter aus, als es werden wird. Der Ex-Oberligist hat in der Hinrunde aus welchen Gründen auch immer einfach nur selten überzeugen können. Aber diese Mannschaft hat so viel Potenzial und viele Spieler mit höherklassiger Erfahrung. Zudem wird der neue Trainer Kevin Hetzel alles daran setzen, mit einem guten Saisonstart zur Aufholjagd zu blasen. Also, bei uns sind alle Sinne geschärft, um den Auftakt zur Rückrunde nicht in den Sand zu setzen.

FuPa: Nur eine Woche später folgt das Spiel beim Ludwigsfelder FC. Wie sehr spürt man im Umfeld und im Verein bereits das Kribbeln angesichts der Chance, den Durchmarsch in die Oberliga tatsächlich wahrzumachen?

Andreas Koch: Der 2. Spieltag hält für uns einen weiteren dicken Brocken bereit. Wir haben das Hinspiel gegen Ludwigsfelde zwar klar mit 5:0 gewonnen und dennoch hätten wir nach 20 Minuten auch 0:2 hinten liegen können. Wir sind gewarnt und freuen uns auf dieses Spiel in einem schmucken kleinen Stadion. Wir sind in der Hinrunde gut damit gefahren, von Spiel zu Spiel zu denken. Bei uns im Verein arbeiten wir deshalb auch Schritt für Schritt daran, uns weiterzuentwickeln und die Basis für eine höhere Liga zu schaffen. Aber jetzt spielen wir erstmal in der Brandenburgliga und niemand erwartet schon in diesem Jahr von den Jungs einen weiteren Aufstieg.

FuPa: Mit derzeit noch offiziell sieben Punkten Rückstand auf den MSV Neuruppin: Was muss in der Rückrunde passieren, damit Stahl Brandenburg am Ende ganz oben steht und den Aufstieg feiern darf?

Andreas Koch: Aktuell haben wir 4 Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter, das Spiel von Neuruppin gegen Ahrensfelde wurde neu angesetzt und das Ergebnis annulliert. Wir bleiben demütig und wissen auch, dass wir von den Punktabzügen, welche die Konkurrenz wegen der Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls teilweise hart getroffen haben, profitieren konnten. Es wird für uns sehr anspruchsvoll, die sehr gute Bilanz der Hinrunde zu bestätigen. Aber wenn Neuruppin etwas liegen lässt, wollen wir da sein. Wir wollen jedem Gegner einen starken Fight liefern und werden alles reinhauen, um das Rennen um die Meisterschaft offen zu halten.