Die Corona-Pandemie bestimmt den Amateurfußball weiterhin: Der Bayerische Fußballverband passte seine Spielordnung erneut an.
Die Corona-Pandemie bestimmt den Amateurfußball weiterhin: Der Bayerische Fußballverband passte seine Spielordnung erneut an. – Foto: Michael Weber/Imago

BFV ändert Corona-Paragraph massiv: Basis außen vor - „Reden da gar nicht mit“

Spielordnung plötzlich angepasst

Der BFV hat die Spielordnung für Herren und Junioren maßgeblich angepasst. Die Basis sprach dabei nicht mit. Auch im eigenen Haus wurde es nicht an die große Glocke gehängt.

München - Bayerns Fußballer sehnen sich der neuen Saison entgegen. Nach Corona-Abbruch und -Zwangspause hoffen alle Amateursportler auf eine reibungslose Spielzeit 2021/22. Aber schon im Vorfeld deutet sich an, dass alles nicht ganz so einfach wird.

Der Bayerische Fußballverband hat die Spielordnung für Herren und Junioren Mitte Juli recht unvermittelt angepasst. Der Corona-Paragraph wurde einer maßgeblichen Änderung unterzogen.

Mannschaft „nicht spielfähig“? BFV regelt Quarantäne-Absagen neu

Was passiert, wenn Spiele wegen Corona-Problematik ausfallen könnten? Müssen Spielerinnen oder Spieler eines Teams in Quarantäne, gilt die Mannschaft nur als „spielfähig“, wenn trotz der Ausfälle ein Kader mit mindestens zwei Wechselspielern gestellt werden kann. Sind im Erwachsenenbereich also weniger als 13 Spielerinnen oder Spieler verfügbar, meldet der Verein das Team als „nicht spielfähig“ und die Partie bekommt den Status „Ausfall“. Werden Tests zum Nachweis der Spielfähigkeit nicht pünktlich eingereicht, wird es nicht neu angesetzt. Und die Begegnung umgehend als „Nichtantritt“ gewertet.

Saison 2021/22: Automatische Niederlagen drohen zuhauf - BFV-Änderung abseits der Kreise

Aber: Auch, wenn der Verein rechtzeitig reagiert, kann er den Schaden haben. Kommt es dazu, „dass ein Spiel nicht bis zum Jahresende nachgeholt werden kann, wird das Spiel mit drei Punkten und 2:0 Toren für den Gegner gewertet“, schreibt der BFV.

Die einschneidende Anpassung hat der BFV-Vorstand scheinbar schnell und leise beschlossen. Die Information findet sich in einer Veröffentlichung auf der Website. Außer im Kreis München, wurden die Vereine nicht über das Postfach in Kenntnis gesetzt. Die Hälfte der Einspruchsfrist ist bereits verstrichen und viele Vereins-Funktionäre scheinen noch gar nicht auf dem Schirm zu haben, wie viel sich da am 14. Juli überhaupt geändert hat.

Corona-Paragraph: BFV ändert Spielordnung massiv - „In das Postfach gehört das eigentlich rein“

„In das Postfach gehört das eigentlich rein“, moniert Ludwig Schmidt, Spielleiter im Kreis Donau/Isar, „man informiert grundsätzlich alle.“ Es scheint, als sei die Nachricht auch im eigenen Haus eher unscheinbar weitergegeben worden. Eine Mail an die Vereine ging vom Präsidium nicht raus. Natürlich haben die Vereine die Möglichkeit, sich selbst über die Website zu informieren und auch jeder Kreisspielleiter kann eine eigene Mail aufsetzen.

„Ich bin nicht hauptamtlich, das kann ich gar nicht leisten“, merkt Schmidt aber an. Und schlägt damit in die selbe Kerbe, wie seine Kollegen aus den anderen Kreisen. Anpassungen an der Spielordnungen werden recht regelmäßig vorgenommen. Häufig sind sie nicht maßgeblich. In diesem Fall sind die Folgen allerdings groß.

„Entscheidungen der Chefetage“: Eckl erklärt, warum die Kreise nicht mitreden

„Die Kreisebene redet da gar nicht mit“, erklärt Heinz Eckl aus dem Kreis Zugspitze. „Fakt ist, dass das Entscheidungen der Chefetage sind“, führt er aus, „der Corona-Paragraph wird immer wieder aktualisiert. Auf Kreisebene sind wir ehrenamtlich unterwegs, das geht gar nicht. Da sind wir nicht kompetent genug, dass rechtssicher zu machen.“ Auf hauptamtlicher Ebene beschäftigt der Verband dafür Juristen als Geschäftsführer.

Corona-Paragraph plötzlich angepasst: Kreis München reagiert sofort

Nur im Kreis München wurde eine entsprechende Mail an die Vereinsadressen geschickt. „Mir ist ganz wichtig, die Vereine zu informieren und maximale Transparenz zu gewähren“, sagt Münchens Kreisvorsitzender Frank Ludewig, „ich verstehe mich als Dienstleister der Vereine.“ Zwei der drei Spielgruppentagungen waren in München bereits abgehalten, als die Änderung vom BFV-Vorstand auf der Website bekannt gemacht wurde.

Ludewig hatte sich auf die letzte Sitzung vorbereitet und die Mitteillungen dabei auf der Homepage entdeckt. „Ich habe das dann auch sofort mit den Vereinen besprochen“, berichtet er, „das war für mich auch vollkommen neu.“ Den Link zur Verbandsmitteilung fügte Ludewig dann seiner Mail mit der Zusammenfassung der Spielgruppentagung an.

Zu wenig Infos vom BFV? Kreis Inn/Salzach verspricht mehr Kommunikation

„Das ist tatsächlich momentan so, dass die Änderungen auf der Website verkündet und nicht rausgeschickt werden“, sagt Michael Baumann, Kreisvorsitzender aus Inn/Salzach. Er verspricht: „Das möchten wir im Kreis künftig anders machen. Bei materiellen, entscheidenden Änderungen soll immer eine Mail an die Vereine gehen.“

Der Zeitpunkt der aktuellen Anpassung ist ebenfalls heikel. Normalerweise steht die Spielordnung zum 1. Juli. „Wichtige Änderungen passieren in der Regel vor den Spielgruppentagungen und werden dort dann vorgestellt“, erläutert Baumann. Heuer war das nicht überall möglich.

Aufrufe: 021.7.2021, 15:45 Uhr
Moritz BletzingerAutor

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