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Allgemeines
– Foto: Jörn Kutschmann

Klassenerhalt für Westend?

Der SC Westend schlägt die Kickers 1900 deutlich und macht damit einen Riesenschritt Richtung Klassenerhalt

SC Westend 1901 – BSC Kickers 1900 4:0

27. Spieltag Kreisliga A Staffel 3 Berlin Saison 2021/2022

Sonntag, 15.05.2022 12:30 Uhr

Stadion Jungfernheide

Ca. 50 Zuschauer

Die letzte Sportstunde vor den Sommerferien des Schuljahres 2002. Ich werde nach dem Sommer die Schule wechseln. Die Gründe hierfür sind längst nicht mehr von Interesse aber, wenn die Quersumme aus vier Hauptfächern nun mal 20 ist, sollte man einfach über einen Neustart nachdenken. Aber was das neue Schuljahr bringen wird, ist heute erst mal nebensächlich. Unsere Klasse spielt Fußball gegen die Parallelklasse. Weil wir das Spiel so authentisch wie möglich halten wollen, spielen wirklich 11 gegen 11. Dadurch müssen aus jeder Klasse ein paar Jungs auf die Bank. Als einer von ihnen wartete ich auf meinen Einsatz bei diesem Spiel. Zehn Minuten vor dem Ende kam ich rein. Es stand 1:1 und jede Mannschaft wollte sich mit einem Sieg in den Sommer verabschieden. Zumal die Mädchen aus beiden Klassen mit ihrer Sportstunde bereits durch waren und zuguckten.

Ich orientierte mich zuerst in die Abwehr. Durch meine Körpergröße war die erste Intention, Bälle hinten rauszuköpfen. Und mein Plan ging auf. Zwar konnte ich nicht mit meinem Schädel retten, aber als mein Keeper umspielt war und der Ball in Richtung Torlinie geschossen wurde, hastete ich hinterher und kratze das Ding mit einer astreinen Grätsche von der Linie.

Kurze Zeit später bekam meine Klasse einen Freistoß zugesprochen. Meine Mitspieler drängten mich, mit nach vorne zu gehen. Ich tat wie, mir befohlen wurde. Doch anstatt, dass der Schütze versuchte, mir eine Flanke zu offerieren, schoss er direkt aufs Tor. Der eigentlich schwache Schuss wurde vom Torwart aber nur nach vorne abgeklatscht. War ich erst noch sauer, wieder nicht mit einem Kopfball glänzen zu können, registrierte ich, dass ich nun goldrichtig stand. Blitzschnell machte ich einen großen Schritt nach vorne und drückte den Ball über die Line. Der Torwart der anderen Klasse hechtete zwar zur Rettung, konnte aber nur noch mein Bein erwischen und es unter sich begraben. Dass ich deswegen umfiel bekam ich im Siegessrausch gar nicht mehr mit. Denn kurz danach war Schluss und mein letztes Spiel für die 9a war zugleich mein Bestes.

Warum gebe ich so mit längst vergangenen Ruhmestaten an? Weil mein Weg mich heute an den Ort dieses Geschehens zurückführte. Zwar fand das angepeilte Spiel des SC Westend auf dem Hauptplatz der Sportanlage im Jungfernheidepark statt und meine beiden Heldentaten auf dem Plastik überzogenen Nebenplatz, aber auf dem Kunstrasen steigen einfach zu selten Kicks und ich wollte nicht noch länger warten, um endlich der Welt von meiner Rettungstat und meinem Tor zu berichten.

Aber auch zu der Tartanbahn, die um den Hauptplatz verläuft gibt es was zu erzählen. Hier stiegen nämlich immer die Bundesjugendspiele meiner Schule und es hält sich hartnäckig das Gerücht, ein Schüler hätte mal beim 100-Meter-Lauf fast einen Tadel erhalten, weil er nach 50 Metern eine Raucherpause einlegte…

Ich war heute nicht allein hier. Mein guter Freund und Hobby-Journalist-Kollege Dennis alias der Hauptstadtbolzer begleitete mich. Als wir das Stadion Jungfernheide betraten liefen noch die letzten Minuten des Spiels der zweiten Mannschaft und wir nutzten diesen Zeitpuffer, um uns ein schattiges Plätzchen zu suchen.

Der Begriff Stadion ist vielleicht etwas überkandidelt für diese Anlage. Sie verfügt neben dem Haupt- und Nebenplatz noch über ein Stück Wiese, auf der z.B. die Ü32 ihre Spiele absolviert.

Es gibt hier auch keine Tribünen oder dergleichen. Nur einen Handlauf und eine Tartanbahn, die den Rasenplatz umgeben. Trotzdem ist dieser Platz mitten im Park irgendwie nett.

Das Spiel begann etwas verspätetet, was aber nicht an einem fehlenden Schiri lag. Heute sollte es einen bundesweiten Streik der Spielleiter geben, um auf Gewalt gegen die Unparteiischen aufmerksam zu machen. Hier war aber ein Mann mit Pfeife zugegen. Allerdings hatte das Spiel der zweiten Mannschaft einige Minuten länger gedauert und so den Anstoß der ersten verzögert. Dennis und ich waren sehr froh darüber, dass hier ein Schiri vor Ort war, und wir waren uns absolut einig, dass man den Referees einfach den nötigen Respekt entgegenbringen muss. Denn ohne sie gäbe es keine Fußballspiele.

Sportlich war es heute für beide Teams ein wichtiges Duell. Während der SC Westend sich mit einem Sieg von den Abstiegsrängen befreien könnte, hatten die Kickers es in der Hand, ihren heutigen Kontrahenten wieder zu sich hinunter zu ziehen.

Die Hausherren erspielten sich von Beginn an ein Chancenplus und diverse Möglichkeiten hätten wir gerne auf Fotos festgehalten. Allerdings lief vor uns der einzige Linienrichter der Kreisliga, der seinen Job ernst nimmt, auf und ab und damit immer wieder vor die Linse. Trotzdem sahen wir das 1:0 für Westend nach 26 Minuten durch einen schönen Flachschuss.

In der Halbzeit kauften wir uns dann ein Kaltgetränk an einem Überseecontainer. Dieser stand neben dem Sozialtrakt des Stadions Jungfernheide und war bestens eingerichtet, um aus ihm Snacks und Getränke zu verkaufen. Eine coole Idee und nicht alltäglich.

Kurz nachdem das Spiel wieder angepfiffen war, verwandelte der SC einen Strafstoß zum 2:0. Der Kickers Keeper versuchte zwar durch Rumhampeln den Schützen aus dem Konzept zu bringen, aber mehr, als dass er dafür den gelben Karton sah, hatte er nicht davon.

Zehn Minuten später erhöhten die Gastgeber auf 3:0 und mit der Schlussminute das 4:0. Damit dürfte der Klassenerhalt für Westend so gut wie sicher sein, während die Kickers wohl den Weg nach unten antreten müssen.

Flinken Fußes verließen wir den Sportplatz. Wir mussten uns beeilen, denn durch den etwas verspäteten Anstoß hier mussten wir einen 15 Minuten Weg in 10 Minuten hinbekommen.

Aufrufe: 016.5.2022, 21:10 Uhr
Jörn KutschmannAutor