2026-06-03T09:07:03.210Z

Analyse

Brauchen die 1.Herren ein neues Ligen-System ?

Die 3.Division schrumpft auf neun Vereine, manche Clubs aus Ligen mit 16 Teams stoßen an ihre Grenzen

von Paul Krier · 29.06.2024, 09:05 Uhr · 0 Leser
Kleine Vereine wie z.B. Munsbach stoßen in einer Liga mit 16 Teams an ihre Grenzen
Kleine Vereine wie z.B. Munsbach stoßen in einer Liga mit 16 Teams an ihre Grenzen – Foto: paul@lsn.sarl (Archiv)

Keine Pause mehr“ - so fasste es Munsbachs einstiger Trainer und jetzige im Vorstand für den Sport Verantwortliche Thomas Muller kurz und knapp zusammen, als FuPa ihn letztens darauf ansprach, wie die Zwischensaison aussehen würde. Einer der kleinen Vereine aus der 1.Division ächzt, da auch den ehrenamtlichen Helfern kaum noch Zeit zur Erholung bleibt. Der Fußball auf Amateurniveau scheint mancherorts zu einem Hamsterrad zu mutieren.

Dreißig Ligaspiele und „nur“ zwei Pokalspiele standen für Munsbach regulär auf dem Spielplan. Der 2.Bezirk der 1.Division begann vor einem knappen Jahr am 20.August - mitten in den Sommerferien - und bis zur zweimonatigen Winterpause, die am 9.Dezember 2023 begann, spielte Munsbach 15 Ligaspiele. Das sind knapp 16 Wochen in denen man 17 Mal antrat.

In der Rückrunde verteilten sich – ein Nachholspiel inbegriffen – 16 Spieltermine auf 14 Wochen. Rechnet man die Winter-Transferperiode bis Ende Januar zur Arbeitszeit eines Sportdirektors hinzu und bedenkt man, dass das nationale Transferfenster im Sommer bis zum 15.Juli und das internationale gar bis zum 1.September dauert – was per se eigentlich schon eine Diskriminierung bereits in Luxemburg lizenzierter Spieler darstellt – so scheint es für kleine Amateurvereine kaum noch Perioden zu geben, in denen man Hobby Hobby sein lassen und abschalten kann.

Reserven wieder zurück in die Meisterschaft der 1.Herren?

„Selbst ist der Mann“ dachte sich der Munsbacher mit dem klangvollen Namen und ließ FuPa ein Dokument mit seinen Gedanken zu einer eventuellen Neueinteilung der Ligen zukommen. In diesem würde er die beiden oberen Klassen, die BGL Ligue und Ehrenpromotion, nicht anrühren. In den unteren Klassen würde Muller aber U23-Teams in die reguläre Meisterschaft integrieren.

Die oft genannte Pyramide in einem Ligen-System soll laut seiner Vorstellung erst ab einer 6.Spielklasse gelten. Darüber würden fünf eingleisige Ligen ohne Bezirkseinteilungen spielen. Die unteren Klassen würden dann mit U23-Teams aufgefüllt werden und regionalen Charakter bekommen, so Mullers Idee, die er aber eher als Denkanstoß denn als in Stein gemeißelt ansieht. Wenn solche 2.Mannschaften wieder in der „normalen“ Meisterschaft mitwirken würden, könne man laut Muller die Spieltage von Freitags bis Sonntag strecken.

Neben Mullers Vorschlag gibt es auch andere Ansätze, wie z.B. viel kleinere Ligen in einem klassischen Pyramidensystem, um das Spielniveau zu heben. Ein Beispiel wären die französischen „régionales“, die nur aus zwölf Teams bestehen und 22 Spiele bestreiten. Im Moment leiden die mittleren und kleineren Clubs teilweise unter dem aufgeblähten Spielplan, vom Zuschauerrückgang ganz zu schweigen. Im aktuellen System werden mehr bzw. öfter Ehrenamtler und Schiedsrichter gebraucht, die Spielerkader sind größer und entsprechend oft teurer.

3.Division: die vergessene Welt?

Und am unteren Ende dieser aktuellen Hierarchie krebsen ab der Spielzeit 2024-2025 nur noch neun Teams herum und fühlen sich vergessen und vernachlässigt. Dies erklärten uns unabhängig voneinander Verantwortliche aus Aspelt und Bourscheid. Dabei wissen diese zum Zeitpunkt des redaktionellen Abschlusses dieses Artikels (28.6.2024, 11:00 Uhr) nicht einmal, wie viele Spiele ihre Mannschaft in der neuen Saison absolvieren muss. Die FLF würde mal wieder über ein Referendum nachdenken, hieß es FuPa gegenüber aus Bourscheid.

„Es ist wirklich sehr schlimm, wie sie uns zeigen, dass die 3.Division ihnen so lang wie breit ist“ erklärte der Aspelter Vorsitzende Mike Reiffers dazu gegenüber FuPa. Laut seinen Informationen soll das Thema am letzten Montag immerhin im Verwaltungsrat der FLF auf der Tagesordnung gestanden haben. Da man sich aktuell in der Transferperiode befinde, würde die Planungssicherheit fehlen. Stückwerk anstatt ein Generalplan wird wohl angewandt, auch da die großen Clubs, vor allem aus der BGL Ligue, über mehr Stimmen Verfügung als die Mehrzahl der in der FLF zusammengeschlossen Vereine. Änderungen von größerem Umfang umzusetzen wird auf einem demokratischen Weg schwer. Dass dies aber durchaus gelingen kann, bewies der Frauen-Fußball in den vergangenen Jahren, in welchem man sich auf ein neues Ligen-System einigen konnte.

Immer weniger Vereine

Die Zahl der Vereine ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten stetig gesunken. Während der zwanzigjährigen Amtszeit von Präsident Paul Philipp waren zuletzt zwei Vereine um ein Haar komplett verschwunden (Ehnen und Dalheim), erstgenannter Club ist im Frühjahr mit Wormeldingen fusioniert, Dalheim scheint vorerst die Kurve bekommen zu haben. Kürzlich ist der Name Egalité Weimerskirch ausradiert worden, 2011 verschwanden die Iska Boys Simmern, dies nachdem ein Anschluss an den FC Koerich nicht lange hielt. Es gibt aber noch weitere Wackelkandidaten, man denke z.B. an den Absturz der US Esch.*

Durch Fusionen gibt es seit 2004 alleine zehn Fußballvereine weniger, was rund zehn Prozent der aktuellen Gesamtzahl ausmacht.* Vor allem in der Hauptstadt ist der Trend beängstigend, sind dort in diesem Zeitraum fünf Clubs über den Weg eines Zusammenschlusses abhandengekommen und dies in einer Stadt, deren Einwohnerzahl sich von 2001 von damals rund 76.000 auf heute rund 125.000 sprunghaft erhöht hat**. Die Herausforderungen werden nicht nur dort für Vereine und ihren ehrenamtlichen Helfer nicht kleiner, sondern alleine aufgrund der demokratischen Entwicklung größer.

Es bedarf nicht nur unserer Meinung nach auf allen Ebenen, von der BGL Ligue bis zur kleinsten Bambini-Mannschaft, eines Umdenkens. Der Fußball an sich muss wieder in den Mittelpunkt rücken, das kann Grundschullehrer Muller gut einschätzen. Dennoch blickt er der neuen Spielzeit optimistisch entgegen: „Ich freue mich aber trotzdem auf die neue Saison im 2.Bezirk der 1.Division, da das Land bzw. die Regionen wieder etwas aufgewertet werden. Wir können nach Echternach, Consdorf und auch in die Gemeine Sanem fahren, in der drei Vereine spielen“ schloss er das Thema mit Beispielen ab.

* Quelle: fussball-lux.lu

** Quelle: Wikipedia