
Die im vergangenen Jahr eingeführte Spielklassenreform bringt vielen Mannschaften mehr Derbys als früher und beschert ihnen damit auch kürzere Anfahrtswege als zuvor. Verlierer gab und gibt es nur wenige. Bei der SG Südeifel-Irrel sind sie jedoch noch nicht glücklich mit dem neuen System. Ging es in der vergangenen B-Liga-Saison oftmals in den Prümer Raum und sogar in die Vulkaneifel, waren dabei Anfahrtswege von 50 oder mehr Kilometern keine Seltenheit.
Auch in der neuen Saison hat es das mit einer speziellen Software gesteuerte Programm nicht gut mit der seit Mitte 2020 aus den Vereinen SV Bollendorf, FSV Ernzen, SV Ferschweiler, DJK Prüm-Enz (Holsthum) und VfR Irrel bestehenden Spielgemeinschaft gemeint: Die meisten Duelle in der Kreisliga B11 führen das Team des im zweiten Jahr amtierenden Luxemburger Trainers Jean-Paul Bossi nun nach Trier oder gar in den Saar-Obermosel-Raum. Erneut sind sie die Kilometerfresser. „Gerade haben wir uns an die Mannschaften gewöhnt, da müssen wir uns wieder umstellen und betreten Neuland. Wir jammern aber nicht. Schließlich ist es andererseits ja auch interessant, bislang unbekannte Teams kennenzulernen“, sagt der 67-jährige Coach, der auf viel Erfahrung als Trainer und eine erfolgreiche Laufbahn als Aktiver zurückblicken kann: In den Siebzigern erlebte er als linker Verteidiger seine beste Zeit als Spieler, indem er mit Progrès Niederkorn je zwei Mal die Meisterschaft und den Landespokal holte. 1978 war es Bossi selbst, der den Club aus dem Differdinger Stadtteil zum bislang einzigen Double in der Vereinsgeschichte schoss. Zehn Mal spielte er im Europapokal, unter anderem auch am 13. September 1978. Im Landesmeister-Cup trat er mit Progrès bei Real Madrid an. 70.000 Zuschauer sahen im Santiago-Bernabéu-Stadion damals das 5:0 der „Königlichen“. „Unser Team bestand damals fast nur aus Niederkorner Jungs“, erinnert sich der mittlerweile in Roth an der Our lebende Bossi. Selbst in den untersten Klassen des Großherzogtums sei das Geld mittlerweile indes allzu dominant. Wie es (auch) bei der SG Südeifel abläuft, gefällt ihm da viel besser: „Hier bekommt keiner was. Die Kameradschaft ist sehr gut, und nach dem Training und dem Spiel setzen wir uns zusammen und trinken erst mal eine Kiste Stubbi.“ Im Training legt Bossi viel Wert auf Spielformen in kleineren Gruppen: „Beim Sechs-gegen-sechs etwa geht es um viel Handlungsschnelligkeit. Elf-gegen-elf lasse ich kaum spielen. Da sind dann oft ein paar dabei, die nicht so zum Zug kommen.“
Bis in den September hinein habe man noch mit einigen urlaubsbedingten Ausfällen zu kämpfen. „Unser Kader ist aber breit und das Niveau ausgeglichen“, so Bossi. Nach dem 4:1-Startsieg bei der SG Sauertal-Ralingen geht es nun am Sonntag ab 14.30 Uhr in Ernzen gegen die SG Saartal-Schoden II. Was die Südeifeler gegen die Bezirksligareserve erwartet, wissen sie noch nicht genau. Viel hänge von seiner Mannschaft ab, betont der Coach: „An guten Tagen können wir wohl auch in der B11 gegen jeden gewinnen und an schlechten gegen so ziemlich jeden verlieren ...“