Welches Talent sollte Adi Hütter besonders fördern?

Max Eberl will wieder mehr Talente bei Borussia Mönchengladbach einbauen. Wir halten Joe Scally und Famana Quizera für besonders geeignet.

Gelingt es Borussia Mönchengladbach, in der kommenden Saison ein wenig aus der Not geboren wieder einmal ein Talent bis in die Bundesliga durchzubringen? Ein paar Kandidaten gibt es schon, wir stellen wir zwei vor, denen das gelingen könnte.

Famana Quizera ist jetzt dran

Famana Quizera hat prominente und sachkundige Fans. Karlheinz Pflipsen und Raffael zum Beispiel, die beiden früheren Edel-Kicker bei Borussia, hätten den 19 Jahre alten Portugiesen gern schon längst in der Bundesliga gesehen. Sie finden sich in ihm auf gewisse Weise wieder: Wie sie es waren, ist er ein eleganter Spieler mit spielgestalterischen Fähigkeiten, Drang zum Tor und vor allem ganz viel Spielfreude.

In der vergangenen Saison galt Quizera als der wahrscheinlichste Kandidat für das Bundesliga-Debüt, doch da lief ihm Rocco Reitz in der Vorbereitung zunächst den Rang ab und danach bei ihm selbst einiges schief: Wie in der Saison zuvor zog er sich im Dezember eine Schulterverletzung zu und fiel drei Monate aus. Und dann fehlte ihm zuweilen die Ernsthaftigkeit bei seinen Auftritten, er wirkte allürig. Wohl auch, weil er mit sich und der Welt unzufrieden war.

Gerade für Quizera, den Feinfühligen, könnte Adi Hütter mit seiner Erfahrung der Trainer sein, der ihn auf die richtige Spur setzt. Quizera, seit 2018 Borusse, ist einer vom Typ Unterschiedsspieler, einer, der an guten Tagen ein Spiel allein rocken kann. Doch braucht er auch das Vertrauen des Trainers, den Zuspruch, er muss ein wenig gestreichelt werden. Vielleicht kommt ihm entgegen, dass es in dieser Saison keine Dreifachbelastung gibt, dass mehr trainiert werden kann, dass Hütter mehr Zeit haben wird, sich auch mal um ihn zu kümmern.

Quizera ist jedenfalls dran, so viel ist sicher. Und einer, der Spielfreude versprüht auf dem Platz, würde Borussia nach der spielerisch eher krampfigen vergangenen Saison gut tun. Ihn mal an der Seite Lars Stindls in einer Doppelzehn in der Bundesliga zu sehen, das wäre spannend. Natürlich: Quizera muss diszipliniert sein und auch seriös für das Team arbeiten. Doch braucht er auch seine Freiheiten, muss seinen Spieltrieb ausleben dürfen.

Manche Spieler brauchen eher die große Bühne, um sich voll zu entfalten, sie wachsen an ihren Aufgaben. Die Bundesliga könnte Quizera pushen. Es ist das wohl größte Potenzial, das in der Gladbacher Akademie schlummert. Für Hütter ist es eine reizvolle Aufgabe, es herauszukitzeln. In Frankfurt hat er Quizeras Landsmann André Silva richtig gut hingekriegt, Hütter hat offenbar ein Gespür für die portugiesische Fußballer-Seele. Es könnte also passen mit dem Trainer und dem Begabten und dann auch mit Quizera und der Bundesliga.

Joe Scally oben lernen lassen

Als Borussias Sportdirektor Max Eberl jüngst im Mitgliedermagazin „Fohlen­echo“ jene Talente aufzählte, die in der kommenden Spielzeit ihre Chance bekommen, sich im Profikader zu zeigen, da fehlte der Name Joe Scally.

Doch steht die Entwicklung des US-Amerikaners, der im Januar kurz nach seinem 18. Geburtstag von New York an den Niederrhein gewechselt ist, ohnehin im Fokus. Schließlich hat sich Gladbach da ein Top-Talent 1,8 Millionen Euro kosten lassen, das bereits im Alter von 15 Jahren sein Debüt bei den Profis feierte.

15-mal kam Scally in der vergangenen Regionalliga-Rückrunde für Borussias U23 zum Einsatz, stets stand er dabei in der Startelf und wusste Trainer Heiko Vogel schon zu überzeugen. Auch wenn der Rechtsverteidiger, dem zuletzt auch der erste Pflichtspieltreffer für Gladbach glückte, weiter in der U23 reifen soll, heißt das nicht, dass Borussias künftiger Profitrainer, Adi Hütter, nicht schon mal ein Auge auf Scally werfen kann.

Zumal es auf der Rechtsverteidigerposition hinter Stammkraft Stefan Lainer eine gewisse Vakanz gibt. Natürlich können Spieler wie Jordan Beyer, Tony Jantschke oder gar Nico Elvedi auf der Seite einspringen, eingeplant sind sie aber in der Innenverteidigung. Und ob Valentino Lazaro, vergangene Saison von Inter Mailand ausgeliehen und des Öfteren als Außenverteidiger eingesetzt, eventuell fest verpflichtet wird, steht noch nicht fest.

Insofern könnte Scally jene Rolle einnehmen, die auf der linken Abwehrseite Andreas Poulsen nun zugetraut wird. Der junge Däne erhält die Chance, sich hinter Linksverteidiger Ramy Bensebaini als Nummer zwei zu etablieren. Aufgrund der erheblichen Pandemie-Einbußen ist es Gladbach nicht möglich, nun auf jeder Position hochwertigen Ersatz zu kaufen. Davon kann auch Scally profitieren.

Im Wissen, erfahrene Vertreter im Kader zu haben, sollte Stefan Lainer einmal ausfallen, kann sich Hütter in Ruhe der Entwicklung Scallys widmen. Dieser könnte im täglichen Training von Lainer lernen, was nötig ist, um den komplexen Job des Rechtsverteidigers auf höchstem Niveau auszuführen.

Das Rüstzeug wie taktisches Geschick und Robustheit bringt Scally trotz seiner Jugend mit, nun gilt es für Hütter, das Talent für höhere Aufgaben fit zu machen. Die nötige Geduld und das Einfühlungsvermögen dazu bringt der erfahrene Coach dafür mit.

Aufrufe: 09.6.2021, 12:00 Uhr
RP / Thomas Grulke und Karsten KellermannAutor

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