2026-04-29T13:32:52.058Z

Interview

Bodenheims Streker: »Schwierigste Kaderplanung meines Lebens«

Beim Tabellenletzten VfB Bodenheim schwinden die Chancen auf den Klassenerhalt in der Verbandsliga +++ Gibt es noch Hoffnung und wie geht’s weiter? Trainer Marco Streker gibt Antworten

von Torben Schröder · Heute, 18:00 Uhr · 0 Leser
Hat beim VfB Bodenheim für eineinhalb Jahre unterschrieben und „zieht die auch durch“: Coach Marco Streker 	Foto: Kristina Schäfer
Hat beim VfB Bodenheim für eineinhalb Jahre unterschrieben und „zieht die auch durch“: Coach Marco Streker Foto: Kristina Schäfer

Bodenheim. In der Winterpause übernahm Marco Streker den Trainer-Posten beim VfB Bodenheim. Als Tabellenletzter schwinden die Chancen auf den Klassenerhalt in der Verbandsliga dahin. Gibt es noch Hoffnung oder war es ein Himmelfahrtskommando und wie geht es weiter? Streker gibt Antworten.

Dieser Text wird euch kostenlos zur Verfügung gestellt von der Allgemeinen Zeitung und Wormser Zeitung.

Herr Streker, klappt der Ligaverbleib noch?

Wenn wir alle realistisch sind, ist die Situation so, wie sie im Winter mit zehn Punkten aus 17 Spielen schon war. Wenn dann nur noch drei Punkte dazu kommen – egal unter welchen Umständen –, dann hast du keine Chance mehr, in der Liga zu bleiben.

Was gibt trotzdem Hoffnung?

Wir versuchen in den letzten vier Spielen so viele Punkte wie möglich zu holen und Steinbach und Morlautern, gegen die wir beide noch spielen, zu überholen. Zumindest wollen wir nicht als Letzter absteigen. Die personelle Situation ist ein bisschen besser, wobei das in dieser Saison Anfang der Woche ja nichts heißt.

Vor- oder Drittletzter, das hielte unter glücklichen Umständen zumindest einen Rettungs-Chance offen. Aber dafür bräuchte es Siege. Ein Dreier, acht Niederlagen – welche Gründe sehen Sie für Ihre Bilanz?

Wenn alle fit und alle da sind, sind wir konkurrenzfähig und können aus jedem Spiel ein 50:50-Spiel machen. Aber annähernd in dieser Konstellation waren wir nur gegen Hüffelsheim, wo wir gut waren, in Kandel, wo wir gewonnen haben, und jetzt gegen Kreuznach, wo wir mehr als einen Punkt verdient gehabt hätten. Ansonsten waren wir personell nicht konkurrenzfähig, so realistisch muss man sein.

Was unterscheidet Ihre Bodenheimer Amtszeit bisher eigentlich von einem Himmelfahrtskommando?

In den Gesprächen mit dem Verein im Winter war schnell klar, dass ein anderer Geist entstehen, eine neue Gruppe gefunden und ein totaler Umbruch im Sommer passieren muss. Das Vereinsleben ist ein Stück weit flöten gegangen, und Vereine wie Bodenheim leben davon. Die einzelnen Jungs sind alle tolle Charaktere, aber es passt einfach nicht zusammen. Einige Spieler passen nicht zum Verein, andere passen nicht zueinander.

Woran machen Sie das fest?

Das Konstrukt ist im Sommer falsch zusammengestellt worden. Da hat man versucht, den Verlust von Bodenheimer Geschichte mit Namen mit großer Vergangenheit zu kompensieren. Jetzt wollen wir wieder Vereinsleben schaffen, mit einer guten Mischung aus Bodenheimern, erfahrenen Jungs, Toptalenten und jungen Spielern, die noch ein paar Schritte brauchen.

Was muss und wird sich strukturell tun, damit der VfB einer erfolgreicheren Zukunft entgegen geht?

Die erste Mannschaft ist das Gesicht des Vereins und muss die Werte, für die Bodenheim steht, vertreten: Identifikation und Entwicklung.

20 Zusagen für die neue Saison gibt es, darunter die Führungsspieler Faßnacht, Meyenburg, Ziewers, Kramer und Kammerer, der neue Co-Spielertrainer Patrick Huth sowie sechs 18- bis 20-jährige Zugänge. Wie ist Ihnen das trotz der sportlichen Lage gelungen?

Es ist die schwierigste Kaderplanung meines Lebens. In Pfeddersheim musste auch aufgeräumt werden, aber da bestehen andere finanzielle Möglichkeiten und eine andere Infrastruktur. In einem totalen Umbruch, bei vielen Abgängen von auf dem Papier tollen Spielern und in einem Verein, der Negativschlagzeilen schreibt, ist es schwer, Spieler zu überzeugen. Das erfordert viel mehr Treffen, Telefonate und Geduld, unfassbar viele junge Burschen im Probetraining, ein sportliches Konzept und Versprechen an die Jungs. Das, gepaart mit einem tollen spielenden Cotrainer und dem, was der Verein bieten kann – eigener Platz, tolle Kabinen, eigentlich auch tolles Vereinsleben – ermöglicht einen spannenden Kader.

Ist es auch ein Verbandsliga-Kader?

Vom Potenzial her würde ich sagen: Ja. Ich bin ein Fan feinmotorischer, fußballspezifischer Dinge, wie sie im NLZ, bei Schott oder Gonsenheim entstehen. Ich behaupte, dass wir in den Passformen sogar besser sein werden. Uns fällt eine unheimliche Erfahrung weg. Aber man kann vieles ersetzen, auch mit der besonderen Gier eines 18-Jährigen, der um seine Siegprämie ackert.

Sollte der VfB beim Abstieg die direkte Rückkehr anstreben?

Auf gar keinen Fall, das ist auch klar kommuniziert. Du kannst keinen solchen Umbruch hinlegen und dann direkt wieder hoch wollen. Die Jungs brauchen Zeit. Es geht nur darum, frühzeitig die Klasse zu halten. Das heißt nicht, dass wir nicht maximal ambitioniert sind.

Sie bleiben definitiv?

Ja. Ich habe für eineinhalb Jahren unterschrieben, und die ziehe ich auch durch – egal was es an anderen Möglichkeiten geben sollte.

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Das Interview führte Torben Schröder.