F: Zobe
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Nick Mdoreuli: Futsal ist die letzte Chance auf Asyl

Dem Leistungsträger der Spvg. Steinhagen droht eine Abschiebung nach Georgien. Hoffnung auf seinen Verbleib macht ihm die Unterstützung durch den DFB, denn als Futsaler soll er bald für das Nationalteam auflaufen

Ob Profispieler bei der WM in Russland oder Amateurkicker im Altkreis Halle: Fußballer wollen gute Leistungen bringen. Möglichst immer. Für den Steinhagener Stürmer Nick Mdoreuli bedeuten Tore und Vorlagen indes weitaus mehr als Anerkennung oder gar Ruhm und Geld: Der 21-Jährige verbindet mit seinen sportlichen Auftritten die Hoffnung auf eine Zukunft in Deutschland.

Mdoreuli stammt aus dem georgischen Zchinwali, der Hauptstadt der abtrünnigen Region Südossetien. 2008 kam es dort zu einem militärischen Konflikt zwischen Georgien und Russland, der viele Opfer forderte. Bis heute lebten die Menschen in Armut und Furcht vor neuer Gewalt, sagt Mdoreuli: „Es ist noch immer gefährlich.“ Im Sommer 2014 verließ er als 17-Jähriger seine Heimat, kam nach Bielefeld – und möchte gern bleiben.

Doch Mdoreulis Zukunft ist ungewiss. Sein Antrag auf Asyl wurde abgelehnt, Georgien soll als sogenanntes sicheres Herkunftsland eingestuft werden. Mdoreuli klagte gegen die Ablehnung, das Verfahren läuft. Bisher erhielt er Aufenthaltsgenehmigungen für jeweils sechs Monate, die aktuelle läuft am 8. August aus. Ob sie erneut verlängert wird, ist unklar. Mdoreuli droht die Abschiebung.

„In Bielefeld und in Steinhagen sind meine Freunde“

Für ihn wäre das nicht weniger als ein Drama. Er, der seine Eltern früh verlor, fühlt sich längst in Deutschland heimisch. „In Bielefeld und bei der Spvg. Steinhagen sind meine Freunde“, sagt er. Mdoreuli integriert sich: Er spricht gut Deutsch, hat einen Realschulabschluss gemacht und überlegt, ob er das Fachabitur oder direkt eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement angehen soll. Auch sportlich hat er sich – dem Steinhagener Landesliga-Abstieg zum Trotz – positiv entwickelt. Als einziger seiner Mannschaft kam der Angreifer in sämtlichen 30 Punktspielen der abgelaufenen Saison zum Einsatz.

Für Aufsehen sorgt Mdoreuli aber vor allem, wenn er mit den Black Panthers Bielefeld in der Halle in der Futsalliga West aufläuft. In diesen Partien spielte er sich sogar in das Blickfeld von Futsal-Bundestrainer Marcel Loosveld und nahm kürzlich an Lehrgängen der Nationalmannschaft teil. Daraus ergibt sich für ihn nun eine neue Chance, seinen Traum vom Leben in Deutschland auf Dauer zu verwirklichen: Mdoreuli hofft, mit Unterstützung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) eingebürgert zu werden.
In einem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, wendet sich Bernd Barutta, Teamleiter Futsal, Beachsoccer und Ü-Fußball beim DFB, in der Causa Mdoreuli an das Bürgeramt Bielefeld. Er verweist darauf, dass der Steinhagener Fußballer Futsal-Bundestrainer Marcel Loosveld durch „seine sehr guten sportlichen Leistungen und sein positives Verhalten“ aufgefallen sei. Der DFB, schreibt er, „hat großes Interesse, Herrn Mdoreuli schnellstmöglich in der deutschen Futsal-Nationalmannschaft bei offiziellen Länderspielen einzusetzen“. Der Verband appelliert daher an die zuständige Behörde, ihr „Ermessen wohlwollend auszuüben und Herrn Mdoreuli baldigst einzubürgern“.

Mdoreuli sagt: „Für das Land spielen zu dürfen, das mir alles gegeben hat, wäre für mich eine große Ehre.“ Das Bürgeramt habe ihm allerdings kürzlich mitgeteilt, das Bundesinnenministerium sei zuständig. Der DFB werde sich nun dort an die zuständige Stelle wenden. Ob er tatsächlich eingebürgert wird, ist fraglich. Mdoreuli sagt, er sei Optimist und glaube deshalb fest daran. Kommt es so, könnte er vielleicht schon bald erstmals für die deutsche Futsal-Nationalmannschaft zum Einsatz kommen. Ihr nächstes Testspiel bestreitet die DFB-Auswahl Ende September. In Georgien.

Aufrufe: 015.6.2018, 14:00 Uhr
FuPa / KreutzerAutor

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