
Die Hoffnung auf eine Überraschung lebt im Lager des FC Bitburg. Am Mittwoch ab 19.30 Uhr will die Mannschaft von Trainer Fabian Ewertz gegen den klassenhöheren Oberligisten Rot-Weiss Koblenz ins Halbfinale um den Rheinlandpokal einziehen. Gespielt wird auf dem Kunstrasenplatz im Stadion Ost – der Naturrasen ist nach der Winterperiode noch nicht bespielbar und voraussichtlich noch bis Ende des Monats gesperrt.
In der Rolle des Außenseiters fühlen sich die Bierstädter offenbar wohl. Das macht Angreifer Simon Floß deutlich: „Rot-Weiss spielt eine Klasse höher. Aber wir wissen, was wir können. Gerade in einem Heimspiel ist alles möglich. Wir haben einen super Teamgeist und können mit dieser Truppe viel bewegen. Momentan passt es einfach.“
Wie Bitburgs Trainer die Chance einschätzt
Trainer Fabian Ewertz erwartet ein „50:50-Spiel, in dem wir uns definitiv etwas ausrechnen, weil wir gut im Flow sind“. Mit Maximilian Koch steht ihm nach abgesessener Rotsperre eine zusätzliche Option zur Verfügung.
Unterschiedlicher hätte die Gemütslage zuletzt kaum sein können: Während der FCB am Freitag in einem flotten, gutklassigen Rheinlandliga-Duell die SG 2000 Mülheim-Kärlich mit 3:2 niederrang und anschließend die Freude groß war, herrschte bei Rot-Weiss nach dem ersten 2026er Pflichtspiel Ernüchterung. Das Nachholspiel gegen den FC Emmelshausen-Karbach ging am Samstag mit 1:2 verloren. Das Trainerteam um Fatih Cift, Salvatore Nizza und Enrico Adams saß noch lange nach Abpfiff auf der Bank des Oberwerther Kunstrasenplatzes – „mit gesenkten Köpfen, enttäuschter Miene und bei klarer Analyse“, wie die Rhein-Zeitung berichtete.
Durch einen Gegentreffer kurz vor Schluss stand Rot-Weiss mit leeren Händen da, obwohl die Koblenzer ab der 35. Minute in Überzahl spielten. „Wir hatten die Mehrzahl an Chancen, hätten gegen einen guten Gegner mindestens einen Punkt mitnehmen müssen“, sagt Cift gegenüber dem TV.
Das Pokalmatch in Bitburg biete einerseits die Chance, die Niederlage schnell aus den Köpfen zu bekommen. Andererseits sei es „ein Spiel bei einem Underdog, den ich gar nicht als Underdog sehe. Da sind wir voll gefordert, obwohl die Oberliga eigentlich unsere volle Konzentration erfordert“.
Rot-Weiss-Trainer ist gut informiert
Den FCB hatte Cift in der Woche zuvor beim 2:5 in Ahrweiler beobachtet, zudem Informationen aus dem jüngsten Duell mit Mülheim-Kärlich eingeholt. Auch aus der gemeinsamen Oberliga-Saison 2023/24 kennt er die Bitburger noch gut (1:1 im Stadion Oberwerth, 0:2 im Stadion Ost). „Die große Kunst ist es, die Theorie in die Praxis umzusetzen und die Infos auch auf dem Platz zu verwerten“, meint Cift mit einem Lächeln.
In seinem Kader steht ein auch in der Region bekanntes Gesicht: Der aus Sehlem (Kreis Bernkastel-Wittlich) stammende Phil Thieltges, der unter anderem bei Eintracht Trier, der SV 07 Elversberg und ab 2022 beim 1. FC Köln ausgebildet wurde, und seit Ende August für die Rot-Weißen spielt. „In der Hinrunde hat er schwer reingefunden, dann aber in der Vorbereitung eine Duftmarke hinterlassen“, sieht sein Trainer den zuletzt auch von Beginn an eingesetzten zentralen Mittelfeldspieler auf einem guten Weg.
Während sich die Bitburger im gesicherten Tabellenmittelfeld der Rheinlandliga bewegen, richtet sich der Blick bei Rot-Weiss als Oberliga-Elftem auf die nur zwei Punkte entfernte Abstiegszone.
Einer, der beide Teams kennt, ist Mülheim-Kärlichs Trainer Nenad Lazarevic. Der Auftritt der Bitburger gegen seine Mannschaft nötigte dem SG-Coach Respekt ab: „Wenn sie so spielen wie gegen uns, können sie jeden in der Rheinlandliga schlagen und sicher auch einen Oberligisten ärgern.“ Lazarevic schätzt vor allem die Intensität, mit der die Koblenzer zu Werke gehen, und erwartet am Mittwoch „ein Spiel auf hohem Niveau, in dem Kleinigkeiten entscheiden werden“.
Nach einer verschlafenen Anfangsphase beeindruckte Bitburg am Freitag mit hohem Anlaufverhalten, klugen Seitenverlagerungen und schnellen Ballpassagen. Als die starken Gäste im zweiten Durchgang aufkamen, schlug Kevin Fuchs im entscheidenden Moment zurück und erzielte den 3:2-Siegtreffer. Mehr Entschlossenheit scheint indes vor allem bei gegnerischen Standardsituationen nötig.
„In einem Viertelfinale steht man nicht alle Tage. Zwischen Rot-Weiss und uns liegt nur eine Liga. Das muss im Pokal nicht viel bedeuten“, sagt Joshua Bierbrauer, der gegen Mülheim-Kärlich als Doppeltorschütze überzeugte.
Vor knapp drei Jahren standen sich die Bitburger und Rot-Weiß schon einmal im Pokal gegenüber – damals sogar im Halbfinale. Der FCB war auf dem Sprung Richtung Oberliga, die Koblenzer kämpften letztlich erfolglos gegen den Abstieg aus der Regionalliga. Bierbrauer zählt zu den zahlreichen Bitburgern, die damals bereits dabei waren – und er war bei einem Pressschlag in der sechsten Minute der Nachspielzeit am 2:2-Ausgleich beteiligt. In der Verlängerung gingen den Hausherren die Kräfte aus, am Ende mussten sie sich mit 2:5 geschlagen geben.
Ein denkwürdiger Pokal-Abend im April 2023
1341 Zuschauer sorgten am 12. April 2023 für eine stolze Kulisse im Stadion Ost. Die Euphorie war seinerzeit auch durch die Siegesserie in der Rheinlandliga riesig. Diesmal werden allenfalls „300 plus x“ erwartet, so Vorsitzender Dietmar Neises und Geschäftsführer Arthur Schütz.
Sollte zudem Oberligist TuS Koblenz beim Bitburger Ligakonkurrenten Ahrweiler BC die Oberhand behalten (siehe Info), könnte es im Halbfinale am 1. April wieder vierstellig werden. „Ein Weiterkommen wäre für den gesamten Verein eine tolle Sache“, betont Neises. Zwei Siege würden dann noch fehlen, um den Triumph von 1988 zu wiederholen, als der FC Bitburg zum bislang einzigen Mal den Rheinlandpokal gewann.
INFO
Wer im Rheinlandpokal auf wen trifft
Die Wege ins Endspiel stehen seit Mitte Oktober fest. In der Erlebniswelt der Bitburger Brauerei – seit vielen Jahren Titelsponsor des Herren-Pokalwettbewerbs im Rheinland – wurden die Achtelfinalpaarungen und weiteren möglichen Konstellationen gelost. Im Viertelfinale kommt es nun am Mittwoch neben der Partie zwischen dem FC Bitburg und Rot-Weiss Koblenz zu den Begegnungen zwischen Bezirksliga-Ost-Tabellenführer SG 06 Betzdorf und Oberligist FC Emmelshausen-Karbach sowie zwischen Rheinlandligist Ahrweiler BC und Oberligist TuS Koblenz (alle 19.30 Uhr). Weil sie am gestrigen Dienstag das Regionalliga-Nachholspiel beim SGV Freiberg bestritt (und mit 0:1 verlor), tritt Eintracht Trier erst am Mittwoch, 11. März, 19 Uhr, beim Oberligisten FV Engers 07 an.
Im Halbfinale (am 1. April) kommt es zu folgenden Begegnungen: Ahrweiler BC / TuS Koblenz – FC Rot-Weiss Koblenz / FC Bitburg und Eintracht Trier / FV Engers – SG Betzdorf /FC Emmelshausen Karbach. Das Endspiel findet am Samstag, 23. Mai, im Rahmen des Finaltags der Amateure statt. Der Endspielort steht noch nicht fest. Der Rheinlandpokalsieger qualifiziert sich für die erste Hauptrunde um den DFB-Pokal.