
In der Kreisliga München 1 sorgte ein Spielabbruch für Aufsehen. Das Urteil des Sportgerichts verärgerte besonders eine Seite.
TSV Moosach gegen den FC Türk Sport Garching – was zunächst wie ein gewöhnliches Kreisliga-Duell wirkt, sorgt im Nachgang für erhebliche Aufmerksamkeit. Die Partie wurde nach 55 Minuten beim Stand von 1:1 abgebrochen. Nun liegt das Urteil des Sportgerichts vor. Doch was war passiert?
Der abstiegsbedrohte TSV Moosach erzielte nach einem Freistoß den Ausgleich zum 1:1. Unmittelbar danach eskalierte die Situation. Die Gäste aus Garching reklamierten vehement gegen die Entscheidung, woraufhin der Schiedsrichter einen Spieler mit Gelb-Rot vom Platz stellte – bereits der siebte Platzverweis der Saison.
In der aufgeheizten Atmosphäre soll es zu heftigen, diskriminierenden Äußerungen der Gäste in Richtung des Unparteiischen gekommen sein. Daraufhin sah der Schiedsrichter keine Grundlage mehr für eine geordnete Fortsetzung der Partie und schickte beide Mannschaften in die Kabine. Nach Aussagen des TSV Moosach musste der Schiedsrichter selbst unter Begleitschutz in die Kabine geführt werden.
Rund zwei Wochen später folgte nun das Urteil des Sportgerichts: Die Begegnung zwischen Moosach und Türk Sport Garching soll neu angesetzt werden. Das Sportgericht begründete dies damit, dass der Schiedsrichter nicht bedroht oder gar gefährdet worden sei und ein Spielabbruch daher nicht gerechtfertigt gewesen sei. Eine Entscheidung, die bei Moosach auf großes Unverständnis stoßen dürfte, während bei Spitzenreiter Garching Erleichterung herrscht.
„Wir hatten die Hoffnung, dass das Spiel neu angesetzt wird. So ist es jetzt auch gekommen“, sagte Garching-Trainer Fatih Topcu auf Nachfrage gegenüber Fussball Vorort/FuPa Oberbayern. Für seine Mannschaft wäre ein Punktverlust ein Rückschlag im Aufstiegsrennen gewesen. Den Spielabbruch selbst hielt Topcu nach eigener Aussage nicht für zwingend notwendig: „Wenn wir wirklich etwas gegen den Schiedsrichter gemacht hätten, wäre ich der Erste, der sagt: ,Okay, wir sind schuld.‘ Aber an diesem Tag war es nicht so.“
Besonders geärgert habe ihn im Nachhinein die öffentliche Darstellung der Geschehnisse. „Es wurden Sachen an die Öffentlichkeit getragen, die einfach nicht stimmen. Das hat mich gestört“, sagte der Trainer. Moosachs Trainer Florian Hanemann vertrat eine andere Sichtweise. Aus seiner Perspektive sei der Spielabbruch „hundertprozentig die richtige Entscheidung“ gewesen.
Auf Anfrage erklärte der TSV Moosach, Einspruch gegen das Urteil eingelegt zu haben. Weiter äußern wollte sich der Verein zu der Thematik bis zur Entscheidung nicht. Da die abstiegsbedrohten Gastgeber beim Stand von 1:1 noch rund 35 Minuten in Überzahl gespielt hätten, dürfte der Verein weiterhin auf eine Wertung zu seinen Gunsten hoffen.
Jetzt spielen wir noch mal, vielleicht gewinnt Moosach die Partie. Im Fußball kann alles passieren.
Türk Sport Garching-Trainer Fatih Topcu
„Natürlich kann ich sie verstehen“, sagte Topcu, ergänzte jedoch: „Wir hatten noch 35 Minuten zu spielen, es stand 1:1 und sie hatten nur einen Torschuss.“ Er betonte damit die Ungewissheit des möglichen Ausgangs: „Jetzt spielen wir noch mal, vielleicht gewinnt Moosach die Partie. Im Fußball kann alles passieren.“
Ob das Spiel tatsächlich neu ausgetragen wird, ist derzeit noch offen. Zunächst bleibt abzuwarten, wie über den Einspruch des TSV Moosach entschieden wird. Sicher ist nur: Das letzte Kapitel dieser Geschichte ist noch nicht geschrieben – und einen wirklichen Gewinner gibt es schon jetzt nicht.