Waldalgesheims Michael Widera (Mitte) zieht ab, der Binger Marcel Radschuweit (rechts) kann es nicht verhindern.	Foto: Edgar Daudistel
Waldalgesheims Michael Widera (Mitte) zieht ab, der Binger Marcel Radschuweit (rechts) kann es nicht verhindern. Foto: Edgar Daudistel

Alemannia-Plan geht voll auf

Waldalgesheim erweist sich beim 2:0 im Oberliga-Derby gegen Hassia Bingen als das bessere Team

WALDALGESHEIM. Das Feld für ein großes Derby war bereitet. Dass es das nicht wurde, lag vor allem an der Passivität von Hassia Bingen im ersten Abschnitt. Vor der Pause spielten vor 333 Zuschauern an der Waldalgesheimer Waldstraße nur die Hausherren, die absolut verdient auf 2:0 stellten. „So wie wir in der ersten Halbzeit, so kannst du nicht auftreten, dann gewinnst du in der Oberliga kein Spiel“, analysierte Hassia-Trainer Thomas Eberhardt, der sichtlich um Kontrolle rang. Gegenüber Aydin Ay freute sich, dass die Alemannen „im Reifeprozess wieder einen Schritt nach vorne gemacht haben“.

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Die Voraussetzungen waren ähnlich. Die Alemannia musste auf Serdal Günes (Muskelfaserriss im Oberschenkel) und kurzfristig auf Nik Rosenbaum (Knieprobleme) verzichte. Dafür kehrte Konstantin Gänz nach überstandener Verletzung zurück in die erste Elf. Julius Haas, der am Freitag erstmals nach seinem Studienaufenthalt in Spanien mittrainiert hatte, nahm auf der Bank Platz. Bei der Hassia kehrte Pascal Haag wieder zurück in den Kader, dafür musste Ersatztorwart Kay Schotte mit einem Bänderriss in der Schulter passen.

Zehn Minuten dauerte es, bis die Alemannia auf Betriebstemperatur kam. Fast hätte dabei Nils Gräff dem eigenen Torwart einen Assist geschenkt. Pasquale Patrias langen Schlag nahm der Stürmer mit, vergab aber völlig frei vor Hassia-Schlussmann Fabian Haas (12.). Eine Minute später ein Gemeinschaftswerk von Linus Wimmer und Gräff. Diesmal vergab der Edeltechniker im Alemannia-Mittelfeld mit einem zu schwachen Abschluss, den der Hassia-Keeper mühelos aufnehmen konnte. Aller guten Dinge waren drei. Gräff kurvte auf der linken Außenbahn mit seiner Schnelligkeit um Marcel Radschuweit und traf aus spitzem Winkel ins kurze Eck zum 1:0 (21.). Mit der nächsten gelungenen Offensivaktion erhöhten die Alemannen. Wimmer war diesmal auf der rechten Seite bis zur Außenlinie durchgebrochen. Seine Rückgabe leitete Michael Widera weiter, und Oliver Schmitt schlenzte das Spielgerät überlegt aus 16 Metern ins rechte Eck (36.).

Präsenter, konsequenter, schneller in den Zweikämpfen und defensiv mit einer funktionierenden Dreierkette, dazu mit drei defensiven Mittelfeldspielern, die sich für keinen Weg zu schade waren. Eine komplette Halbzeit lang schaffte es die Alemannia, die Hassia vom eigenen Tor wegzuhalten. Kurz vor dem Wechsel sah Hassia-Mittelfeldspieler Baris Yakut nach wiederholtem Foulspiel die Ampelkarte. Es war das Ende einer gebrauchten Halbzeit für die Binger.

Eberhardt wechselte, brachte Patrick Haag und Ilker Yüksel für Yanick Haag und Derrick Amoako. Zehn Minuten lang sah es so aus, als ob die Hassia die Partie in Unterzahl drehen könnte, zumal die Ay-Truppe jetzt tiefer stand. Yüksel kam nach Haag-Vorarbeit zum ersten Torschuss, mit dem Patria allerdings keine Mühe hatte (49.). Was folgte, waren vor allem vergebene Konterchancen der Hausherren, die es gerade vor dem Hassia-Tor zu kompliziert machten, statt den direkten Weg zu suchen. Oder wie Widera nach schnellem Spielzug über Wimmer und Gräff (69.) oder Manneck frei vor Fabian Haas (80.) vergaben. Ein Tor lag für die Binger dennoch in der Luft. Pierre Merkel köpfte eine Haag-Ecke aber knapp am Winkel vorbei (79.).

Lag es an der Einstellung, weshalb die Hassia im zweiten Abschnitt in Unterzahl besser zurechtkam, die erste Hälfte dagegen regelrecht abgeschenkt wurde? „Das mache ich intern“, so Eberhardt, der keine Erklärung abgeben wollte, am liebsten wie im Vorjahr beim 3:1-Erfolg der Hassia ganz geschwiegen hätte, sich auch zum nächsten Zusammentreffen beider Teams am kommenden Mittwoch am Hessenhaus im Südwestpokal nicht äußern wollte. Aydin Ay war nach einem „schwierigen Spiel“ erwartungsgemäß besser gelaunt. Sein Plan, mit frühem Pressing ins Spiel zu kommen und die eigene Offensive zu befeuern, war perfekt aufgegangen.



Oliver Wimmers (Präsident Hassia Bingen): „Wir haben verdient verloren- Das muss man ganz klar sagen. Die erste Halbzeit war abgeschenkt, die Gelb-Rote Karte völlig unnötig. Aber am Mittwoch geht es bei uns im Stadion weiter.“

Dr. Lutz Kiefer (Mannschaftsarzt Hassia): „Wir haben mit zehn Mann besser gespielt als mit elf, in der zweiten Halbzeit ein paar Probleme mit den Abschlüssen gehabt. Die Alemannia war spielerisch klar besser. Und das 1:0 ins kurze Eck darf so nie fallen.“

Pierre Merkel (Hassia-Stürmer mit Alemannia-Vergangenheit): „Wir haben in der ersten Halbzeit kaum Fußball gespielt, nur lange Bälle geschlagen. Dabei war ich vorne viel zu oft auf mich allein gestellt. Mit der Einwechslung von Patrick Haag ging dann viel mehr. Am Mittwoch im Pokal steht die Anzeigetafel wieder auf Null. Dann werden wir ein anderes Spiel sehen.“

Linus Wimmer (Alemannia): „Es war mein erstes Derby, also auch mein erster Derbysieg. Das Spiel haben wir verdient gewonnen, den Kampf von Beginn an gut angenommen. Mit dem ersten Tor sind wir sicherer geworden und haben uns freigespielt. In der zweiten Halbzeit hat dann vor allem vorne ein bisschen die Kraft gefehlt.“

Tim Thron (Sportlicher Leiter Alemannia): „Wir hatten das Spiel in den meisten Phasen gut im Griff, haben die Ordnung gehalten und der Hassia vor der Pause gar keine, danach nur wenige Chancen ermöglicht. Der richtige Derbycharakter hat aber irgendwie gefehlt.“

Reinhard Schenk (Präsident Alemannia): „Etwas Besseres konnte uns nicht passieren. Das erste der beiden Derbys haben wir gewonnen. Wie das zweite am Mittwoch ausgeht, werden wir sehen. Es ist lange her, dass wir gegen die Hassia drei Punkte eingefahren haben.“

Jürgen Wilhelm (Ikone Hassia Bingen): „Die Alemannia hat hochverdient gewonnen, die Hassia kam überhaupt nicht in Tritt, die Mannschaft funktioniert einfach noch nicht. Waldalgesheim hatte viel mehr Chancen, hätte höher gewinnen können, vielleicht sogar müssen. Von der Hassia bin ich enttäuscht. Das war spielerisch viel zu wenig.“

Antonio Serratore (verletzter Hassia-Kapitän mit Alemannia-Vergangenheit): „Wenn du nicht in die Zweikämpfe kommst, kannst du auch kein Spiel gewinnen. Wir waren einfach nie zwingend. An dem verdienten Sieg für die Alemannia gibt es nix zu deuteln.“

Can Özer (verletzter Alemannia-Kapitän): „Wir haben verdient gewonnen, hatten außerdem noch viele hundertprozentige Torchancen, die wir nicht gemacht haben. In der ersten Halbzeit waren wir spielerisch deutlich besser, dann hat bei uns die Kraft ein bisschen nachgelassen.“

Stimmen zum Spiel

SV Alemannia Waldalgesheim: Patria – K- Gänz (56. Braun), F. Haas, Pauer – Manneck, Schmitt (51. J. Haas), Siegert – Bilotta (71. P. Gänz), Wimmer – Gräff (76. Teodonno), Widera.

Hassia Bingen: Fabian Haas – Hohns (73. Esmaieli), Radschuweit, Roumeliotis, Neal – Y. Haag (46. P. Haag), Yakut, Neumann, Amoako (46. Yüksel) – Mukamba (64. Seo), Merkel.

Schiedsrichter: Alexander Mroß (Niederfell).

Zuschauer: 333.

Tore: 1:0 Gräff (21.) 2:0 Schmitt (36.).

Gelb-Rote Karten: – / Yakut (45.+1).

Waldalgesheim – Hassia Bingen 2:0 (2:0)

Aufrufe: 03.10.2021, 18:00 Uhr
Jochen WernerAutor

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