
Der BFC Preussen erlebt derzeit eines der erfolgreichsten und spannendsten Kapitel seiner langen Geschichte. Vor wenigen Jahren noch in der Landesliga, spielt der Verein heute in der Regionalliga Nordost – und steht vor einer Richtungsentscheidung. Während sportlich vieles gelingt, bleiben viele Fragen offen. Zum Beispiel die nach dem millionenschweren Stadionprojekt „Preussen 3.0“ oder dem möglichen Privatkauf (Pierre Seiffert) des Viki-Trainingsgeländes am Wildspitzweg gemeinsam mit Elias Nerlich. Unabhängig davon: Väter des Erfolgs sind das Trainerteam um Daniel Volbert und Thorben Marx, allen voran Präsident Uwe Utz und der sportliche Leiter Pierre Seiffert. Letzterer spricht im Interview mit FuPa Berlin (siehe unten).

Ein Traditionsverein auf der Überholspur
Wer in diesen Tagen über den Sportplatz an der Malteserstraße läuft, spürt die Mischung aus Euphorie und Nachdenklichkeit. Der BFC Preussen, 1894 gegründet, steht mitten in einem Umbruch – sportlich, wirtschaftlich und strukturell.
Vor kurzem noch in der Landesliga, gelingt 2022 über die Relegation gegen Stern Britz der Sprung in die Berlin-Liga. Seitdem geht es rasant nach oben: Berliner Meister 2023, Aufstieg in die Oberliga 2024, und nur ein Jahr später erreicht der Verein die Regionalliga Nordost. Dort steht Preussen aktuell mit 19 Punkten auf Rang acht. Der Durchmarsch wirkt wie ein Märchen – gekrönt vom legendären „Wembley-Tor“ gegen Mahlsdorf in der Nachspielzeit.
Doch der steile Aufstieg hat seinen Preis. Der Verein investiert viel Geld in erfahrene, fertige Spieler, um sportliche Stabilität zu sichern. Nachwuchsspieler schaffen es selten in die erste Mannschaft. Nur Niko Frank setzt sich bisher dauerhaft durch. Die U23 kämpft in der Landesliga ums Überleben.
Was ist mit dem Stadionprojekt ?
Parallel zu den sportlichen Erfolgen plant der Verein ein Projekt, das in Berlin Maßstäbe setzen soll: „Preussen 3.0“ – ein kompletter Umbau des Vereinsgeländes zu einer modernen Sportarena mit Stadion, Hotel, und Sportangeboten. Mindestens 70 Millionen Euro waren vorgesehen, auch EU-Fördergelder ein Thema.
Wurde anfangs medial viel darüber berichtet, ist es aktuell etwas leiser geworden. In einem Interview mit FuPa Berlin vor Monaten sprach Pierre Seiffert (im Interview ganz unten) von Änderungen am Grundkonzept. Dabei bleibt das Gelände ein entscheidender Wettbewerbsvorteil: Es gehört dem Verein selbst. Durch Verpachtungen, etwa an ein Fitnesscenter, fließen regelmäßig Einnahmen.

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Sportlich präsentiert sich der Verein stabil. Trainer Daniel Volbert und Ex-Profi Thorben Marx führen die Mannschaft mit klarer Linie und Leidenschaft. Das Team spielt taktisch diszipliniert, kämpferisch und geschlossen. Doch die Frage bleibt: Wo will Preussen langfristig hin? In die Dritte Liga? Oder soll die Regionalliga das Ziel sein?
Pierre Seiffert, sportlicher Leiter und Schlüsselfigur des Projekts, bleibt im Gespräch mit FuPa Berlin gelassen. Er spricht über Ambitionen, Nachwuchsförderung – und über die dritte Kraft.
Könnt ihr nach dem Sieg gegen Zwickau schon für die nächste Regionalliga-Saison planen?
Nein, die Liga ist sehr stark, und man weiß nie, ob Aue absteigt oder der Erste noch Relegation spielen muss. Ich bin erst bei 36 Punkten sicher, glaube ich!
Wie steht es um die A-Lizenzen bei Volli und Thorben? Dürfen beide in der Rückrunde auf der Bank sitzen?
Beide beginnen im Januar mit den Lehrgängen und sind selbstverständlich auf der Bank.
Der Bauzaun steht für die Regionalliga, aber Flutlichtanlage und mobile Tribüne fehlen noch. Wann müsst ihr ins Viki-Stadion umziehen?
Gar nicht. Wir haben zwei Jahre Zeit, und das schaffen wir.
Wann startet der Umbau des Stadions – also das große 80-Millionen-Projekt?
Da bin ich der falsche Ansprechpartner.
Ist neues Personal für die Rückrunde geplant?
Man soll nie „nie“ sagen in diesem schnelllebigen Geschäft. Wir sind mit dem Kader absolut zufrieden.
Niko Frank ist der einzige junge Spieler aus dem BFC-Nachwuchs, der sich in der Regionalliga durchsetzt. Ist der eigene Jugendweg damit gescheitert?
Der Junge arbeitet sehr hart und lernt extrem schnell. Da sieht man, dass man es auch ohne NLZ schaffen kann, wenn man dran glaubt und hart arbeitet.
Können solche Erfolge – von der Landesliga bis in die Regionalliga – nur mit teuren, fertigen Spielern gelingen?
In der Landesliga konnten wir noch A-Jugend-Spieler einsetzen. In der Berlin-Liga lief das erste Jahr nicht so gut, und im zweiten Jahr haben wir auf Qualität und Erfahrung gesetzt. In der Oberliga hatten wir einen sehr breiten Kader, das war am Ende entscheidend für den Aufstieg. Jetzt haben wir eine gute Mischung aus jung und alt.
Wo liegt der Mehrwert für einen Verein wie Preussen? Hohe Zuschauerzahlen sind es ja nicht.
Ich glaube, dass Preussen langsam bekannter wird und dadurch für Sponsoren interessanter ist. Die Zuschauerzahlen sind nicht nur unser Problem. Berlin bietet viele spannende Sportarten, und wir müssen uns mit Leistung und guten Spielen das Publikum verdienen. Das versuchen wir.
Ist der Weg in den Profifußball – als „dritte Kraft“ hinter Hertha und Union – ein Ziel?
„Dritte Kraft“ ist ein abgedroschener Begriff. Viele Vereine wollen in die Dritte Liga, aber wir müssen erst über so etwas nachdenken, wenn sich die Stadionsituation verändert. Wir wollen nur bei uns im Stadion spielen.
Ist das Viki-Trainingsgelände (Kauf) am Wildspitzweg (dein gemeinsames privates Projekt mit Elias Nerlich) noch ein Thema?
Zu diesen Spekulationen äußere ich mich nicht.
Wo siehst du das Team am Ende der Saison?
Ich wünsche mir einen Platz im Tabellenmittelfeld, um frühzeitig planen zu können.
Die zweite Mannschaft steckt in Schwierigkeiten. Viele junge Spieler verlassen den Verein. Warum fällt es Preussen schwer, Talente zu halten?
Unsere zweite Mannschaft hat einen kompletten Umbruch hinter sich, das haben viele nicht mitbekommen. Es ist fast ein neues Team, und sie wird nicht mehr so von der Ersten unterstützt, weil der Kader dort zu klein ist. Ich halte nichts von Spekulationen. Ultimatum? Das gibt es bei uns nicht. Unsere Trainer bekommen immer Zeit – in sechs Jahren gab es keine Entlassung. Natürlich wollen wir unsere Jugendspieler halten und an den Verein binden, aber viele geben sich keine Zeit. Sie glauben, A-Jugend-Regionalliga ist wie Männerfußball – das ist falsch. Dazu kommen Berater und Eltern. Das ist schwer, für fast alle Vereine.

News, Infos, Transfers vom Regionallig-Nordost Ligisten BFC Preussen hier
__________________________________________________________________________________________________
Die Mission von FuPa.net: Wir sind das Mitmachportal VON Amateurfußballern FÜR Amateurfußballer.
Jetzt anmelden & Vereinsverwalter werden: https://www.fupa.net/auth/login