"Ich könnte noch immer vor Freude in die Höhe springen"

Lars Mescher, Bülent Ulutürk und Christian Olm leisten mit der U17 des BFC Preussen unglaubliche Arbeit. Neben den Einzug ins Pokalfinale ist die Mannschaft auch ungeschlagen im Ligaalltag. Dafür tun die drei auch viel, bieten individuelles Training an. Am Ende des Tages sind sie unglaublich stolz.

Ein Interview von Marcel Peters - https://www.facebook.com/AmateurberichterstattungMarcelPeters/ - regelmäßig Berichte über Berliner und Brandenburger Amateurfußballer oder Vereine. Gesprächspartner: Lars Mescher

Lars, herzlichen Glückwunsch zum Einzug ins Finale des Nike Youth Cups. Wie war die Gefühlslage unmittelbar nach dem Spiel, und wie ist sie jetzt, einige Tage später?

Herzlichen Dank erstmal, ich könnte noch immer vor Freude in die Höhe springen. So langsam realisiert man aber, die kleine Sensation, dass wir als jüngerer Jahrgang aus der Landesliga im Finale sind.

Als die Mission „Pokal“ gestartet ist, hättet ihr euch diesen Verlauf auch nur erahnen können?

Nein. Vor der Saison wussten wir nicht genau, wo wir stehen, da wir nicht genau abschätzen konnten, wie sich das eine Jahr Unterschied bemerkbar macht. Grade nach der 1. Runde gegen SC Borsigwalde, wo wir auch erst im Elfmeterschießen weiterkamen, haben wir einfach von Runde zu Runde gehofft und wollten einfach so weit es geht kommen.

Und dann steht man im Halbfinale einem Bundesligisten gegenüber. Wie war der Matchplan?

Wir haben uns den Gegner drei Mal zuvor angeschaut und hatten ein ganz gutes Gefühl, wie sie Fußball spielen. Sie wurden oft bei Standards gefährlich und pressen egal gegen wen ziemlich offensiv, zumindest für unser Verhältnisse. Ich glaube die Jungs hatten auch gut verstanden wie deren Spielstil war.

Wir wollten aber unseren Fußball weiterhin zelebrieren und nicht komplett verändern, mit gutem Umschaltspiel nach gewonnenen offensiven Zweikämpfen. Dies ist uns auch im Spiel ziemlich gut gelungen.

War das auch ein unvergessliches Erlebnis für die Mannschaft?

Bei ca. 300 Zuschauern und angenehmen Wetter war es das auf jeden Fall. Unsere Mannschaft hat ein kämpferisch und spielerisch Top-Halbfinalspiel hingelegt, ein offener Schlagabtausch von beiden Seiten. Nach 80 Minuten Powerplay ging es dann ins Elfmeterschießen.

Ein toller Team- und auch Vereinserfolg. Viele Jugendmannschaften waren anwesend und haben mit der Mannschaft gemeinsam gefeiert auf dem Platz.

Wäre so ein Erfolg auch zu Beginn der Saison möglich gewesen oder haben sich die Jungs fußballerisch während dem Saisonverlauf gesteuert gepaart mit dem gewachsenen Selbstvertrauen?

Wir haben viele Jungs mit großem Talent, ich glaube die wahre Stärke ist die gesamte Mannschaft. Jeder zieht jeden hoch. Im Laufe der Saison haben sich unsere Jungs sehr gesteigert, gerade bei der Kreativität und beim Verständnis gegen den Ball wurden wir viel besser.

Viele NLZ‘s sind mittlerweile auf unsere Spieler aufmerksam geworden, das macht uns sehr stolz. Vor der Saison meinten wirr, dass das der nächste Schritt für unsere Spieler sein muss. Vor der Saison wurden wir dafür belächelt, mit „Ja die Jungs haben Talent, aber für einen Bundesligisten reicht es nicht“. Nun weiß jeder, dass wir das auch ernst meinten. Am Ende werden wahrscheinlich drei bis vier Spieler diesen Schritt auch machen.

Also wird im Sommer eventuell in der Verbandsliga ein Neuanfang von Nöten sein?

Nein, in dem Jahrgang sind immer wieder Spieler (bisher sieben Jungs die Teil der Mannschaft waren) gewesen, die den Schritt in ein Nachwuchsleistungszentrum gegangen sind und immer wieder haben wir es geschafft eine schlagfertige Truppe auf die Beine zu bekommen. Wir haben einen Kern und talentierte 2004er in unseren Reihen, dazu eine U16 die um den Aufstieg in die Landesliga spielt. Außerdem dem ist der Zulauf bei uns von Testspieler qualitativ sehr gut, vermutlich auch weil wir diese Saison auch auf uns aufmerksam gemacht haben. Wir freuen uns, wenn die Jungs den Sprung schaffen und darauf arbeiten wir hin. Das ist unser übergeordnetes Ziel. Die Jungs bestmöglich zu entwickeln und ihnen bei ihrer Karriere weiterzuhelfen. Deshalb versuchen wir auch immer wieder individuell Training für die Jungs anzubieten. Wir sind mit der Zeit und können den Spielern viel anbieten bei uns. Wir arbeiten mit einem Trackingsystem, welcher beim Training, wie auch beim Spiel genutzt wird. Dies zeigt die Laufleistung. Außerdem nehmen wir unsere Spiele auf und die Jungs kriegen bestimmte Mitschnitte auf ihr Handy geschickt per App.

Wir versuchen natürlich durch schulische Nachhilfemaßnahmen und weiteres auch außerhalb des Platzes den Jungs zu helfen. Am Ende ist der Sport sehr wichtig, aber die Schule darf nicht auf der Strecke bleiben.

Klingt nach professionellen Bedingungen bei eurer Mannschaft. Ist der Plan die Mannschaft auch weiter nach oben zu bringen, um den Schritt zu einem NLZ möglichst klein zu halten?

Der ist es erstmal nicht, aber unser Plan war auch nicht ins Finale einzuziehen.

Zuerst sind wir stolz, dass wir nächste Saison im Großfeld in allen Altersklassen wieder in der höchsten Berliner Liga spielen. Diese gilt es insgesamt zu halten und dann schauen wir mal weiter. Außerdem sind wir hier weiterhin ein Verein, der ein zu Hause bieten soll und wenn es nicht reicht für die ganz Großen, dann hoffen wir, dass wir sie bei uns in den Herren sehen können.

Allgemein habt ihr großen Erfolg mit eurer Mannschaft…

Unser Ziel vorher war natürlich der Aufstieg in die Verbandsliga. Das wir bis jetzt alle Spiele gewinnen hätten wir auch nicht erwartet und uns nicht ausgerechnet. Eigentlich wollten wir im ersten Halbjahr den Grundstein legen und zweiten Halbjahr richtig angreifen.

Wir haben für die Entwicklung der Spieler immer gegen Mannschaften Testspiele organisiert, die uns herausfordern. Gegner waren z.B. der 1. FC Magdeburg, RW Essen, Energie Cottbus, SC Paderborn, Eintracht Braunschweig, Hertha BSC oder Holstein Kiel. Auch nächste Saison wollen wir gegen NLZ‘s spielen, diesmal aber mehr aus der 1. Bundesliga.

Die Spiele waren oft ausgeglichen, bis erfolgreich. In der Berliner Hallenmeisterschaft wurden wir 5. Platz, wie gesagt mit fast ausschließlich jüngerem Jahrgang. Dazu das Pokalfinale. Besser könnte es nicht laufen.

Im vergangen Jahr warst du bei Tennis Borussia tätig. Was hat dich im letzten Sommer überzeugt wieder zurück zu kehren und hast du mit diesem Schritt alles richtiggemacht?

Bei TeBe wären wir als Trainerteam getrennt worden, das war ein Punkt, der für einen Wechsel gesprochen hat. Wir haben das Potenzial in der Mannschaft beim BFC natürlich gesehen und das hat es sehr spannend gemacht. Das Gesamtpaket hat einfach gepasst. Zwar hätte ich auch bei Tennis Borussia bleiben können, aber der Vorstand hat sich richtig um uns bemüht. Wir haben alles richtiggemacht.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit deinen beiden Kollegen. Versteht/Ergänzt ihr euch nur auf dem Platz oder harmoniert es generell zwischen euch?

Mit Christian Olm habe ich gemeinsam angefangen Fußball zu spielen, ergo wir kennen uns schon seit Jahren und sind auch privat gute Freunde. Bülent ist auch außerhalb immer für einen da. Diese Freundschaft insgesamt hilft uns gemeinsam Sachen zu regeln und zu entscheiden. Keiner nimmt sich wichtiger. Trotzdem ist jeder unterschiedlich und die Mischung macht es aus. Christian ist der Ruhige, der Liebe und das gute Herz. Bülent ist der Erfahrene und Coole und ich bin der Übermotivierte und Fußballverrückte.

Wie sind die Aufgaben verteilt?

Jeder hat sein Aufgabengebiete, hier vertraut man komplett. Am Ende ergänzen wir uns sehr gut. Das Ganze wirkt sich dann auch positiv auf die Mannschaft.

Ist man am Ende auch einfach stolz, dass die Mannschaft so funktioniert, sich so entwickelt hat?

Wir sind übermächtig stolz, da wir zusammengewachsen sind wie eine Familie. Diese Saison nimmt uns keiner und wird allen im Kopf bleiben, auch wenn die Fahrt noch nicht zu Ende ist. Wir wollen in der Liga ohne Punktverlust bleiben und unser Bestes im Pokal geben und diesen Moment einfach genießen

1652 Aufrufe15.5.2019, 09:51 Uhr
Marcel PetersAutor

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