Richard Sedlmaier (li.) ist ein umtriebiger Funktionär
Richard Sedlmaier (li.) ist ein umtriebiger Funktionär – Foto: Norbert Herrmann

»Paragraph 93 die am wenigsten schlechte Lösung«

Bezirks-Spielleiter Richard Sedlmaier hat eine klare Meinung zu einer möglichen Saison-Wertung und deutet für die kommende Spielzeit Veränderungen im Spielmodus an

Richard Sedlmaier ist ein Mensch, bei dem sich seit Jahrzehnten (fast) alles um das runde Leder dreht. Als Spieler, Trainer und Abteilungsleiter hat der Ihrlersteiner sämtliche Facetten des Amateurfußballs mitgemacht und ist seit 2014 niederbayerischer Bezirks-Spielleiter. Seiner großen Leidenschaft kann der 70-Jährige seit Monaten nur bedingt nachgehen, denn der Amateurfußball steht seit einem halben Jahr komplett still. Wann der Spielbetrieb wieder ins Rollen kommt, kann niemand seriös vorhersagen.

"Man merkt in einer solchen Zeit erst, wie einem der Fußball fehlt", seufzt der frühere Rektor einer Abensberger Schule. Doch Richard Sedlmaier wäre nicht Richard Sedlmaier, wenn er sich nicht schon mit der kommenden Saison beschäftigen würde. "Natürlich mache ich mir viele Gedanken und schmiede Pläne. Aber in der Corona-Zeit ist leider nichts planbar, das haben uns die letzten Wochen und Monate gelehrt", klagt der Pensionist, der aber dennoch nicht komplett schwarz sieht: "Irgendwann wird es weitergehen und darauf fiebert die ganze Amateur-Fußballfamilie hin."

Die Hoffnung auf eine Saisonfortsetzung ist beim Bezirks-Spielleiter erloschen: "Die Zahlen gehen leider nicht nach unten, daher hat sich das Thema eigentlich erledigt. Es geht nur mehr darum, dass die Verbandsspitze den Abbruch bestmöglich vorbereitet und abwickelt." Etwas kritisch sieht der niederbayerische Spitzenfunktionär, dass es zwei (Wertungs-)Modelle geben soll, über welche die Klubs ein Meinungsbild abgeben. "Meine Meinung ist, dass der Paragraph 93 die am wenigsten schlechte Lösung ist. Grundsätzlich ist es doch so, dass für fast alle Vereine der eigene Tabellenstand so ein Meinungsbild maßgebend beeinflusst. Daher kann man darüber streiten, ob es einen Alternativvorschlag braucht oder nicht. Der BFV-Vorstand wird sich aber darüber intensiv Gedanken machen und ich bin letztendlich selbst sehr gespannt, wie die Alternative zum Paragraph 93 aussehen könnte."


»Ein großes Problem wird zudem sein, dass wir weder heute, noch in vier Wochen und vermutlich auch noch nicht im Juni definitiv sagen werden können, wann die neue Saison überhaupt genau losgehen kann.«


Mit der Kritik am niederbayerischen Spielmodell – sowohl auf Bezirks- als auch auf Kreisebene wurde im vergangenen Sommer nach dem Re-Start mit dem Ligapokal gestartet – kann Sedlmaier umgehen: "Auch damals hatten die Vereine eine lange Pause hinter sich und im Vorfeld waren viele Verantwortliche – und auch ich – dafür, dass wir deshalb zunächst mit dem Ligapokal beginnen. Es war nicht abzusehen, dass der Spielbetrieb im Herbst früher als geplant beendet werden musste und im Frühjahr gar nichts geht. Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer und natürlich wäre es jetzt besser, wenn die Vereine mehr Punktspiele absolviert hätten. Wie bereits oft gesagt wurde, wird eine Tabelle mit jedem ausgetragenen Spiel gerechter."

Über detaillierte Planspiele für die kommende Saison will sich Sedlmaier noch nicht groß äußern: "Aktuell ist ja noch nicht mal der Abbruch offiziell verkündet. Wenn dieser zu erwartende Fall eintritt, müssen wir abwarten, wie dann die notwendige Entscheidung ausfällt und welche Ligastärken wir überhaupt bekommen werden. Ein großes Problem wird zudem sein, dass wir weder heute, noch in vier Wochen und vermutlich auch noch nicht im Juni definitiv sagen werden können, wann die neue Saison überhaupt genau losgehen kann."

In einem FuPa-Interview mahnte BFV-Präsident Dr. Rainer Koch bereits an, dass die Spielzeit 2021/2022 vermutlich erneut eine Reihe von terminlicher Herausforderungen bringen wird. Koch warnte zudem vor überfüllten Ligen. In ein ähnliches Horn bläst Richard Sedlmaier: "Neben der terminlichen Ungewissheit, muss auch die Frage erlaubt sein, ob es überhaupt sinnvoll ist, eine Saison mit 30. Spieltagen – wie es in einer normalen Bezirksliga-Spielzeit der Fall ist – durchdrücken zu wollen. Den Vereinen muss man nach der mega-langen Pause eine angemessene Vorbereitungszeit geben. Ich würde es auch nicht als gut befinden, wenn es dann in der Saison-Anfangsphase gleich mehrere englische Wochen geben würde. Die Vereine müssen vor allem auch ihr Vereinsleben wieder in Schwung bringen können, das sehe ich als extrem wichtig an. Wir brauchen daher einen flexiblen Spielmodus, der vielleicht auch anders aussehen wird, als wir ihn bisher gewohnt sind. Aber das ist Zukunftsmusik. Derzeit wäre es schon eine tolle Sache, wenn unsere vielen Aktiven – allen voran die Kinder und Jugendlichen – überhaupt wieder trainieren dürfen."

2495 Aufrufe20.4.2021, 10:30 Uhr
Thomas SeidlAutor

Verlinkte Inhalte