
Er steht irgendwie sinnbildlich für den SV Grainet in der aktuellen Phase. Dass Niklas Bösl Talent hat, ist bekannt. Zudem ist der 23-Jährige eines von vielen Kadermitgliedern, das aus der eigenen Schmiede stammt - und nun den nächsten Schritt hin zum Führungsspieler und absoluten Leistungsträger gemacht hat. Mit seinem Freunden kann der Hinterebener nun Großes schaffen - die Bezirksliga-Meisterschaft und somit den Landesliga-Aufsteig. Niklas Bösl dazu im FuPa-Interview...
Landesliga-Spieler Niklas Bösl – wie hört sich das für Dich an?
Natürlich super! Aber erst so richtig gut wird’s, wenn man noch "…beim SV Grainet" hinzufügt. Denn dass man sich mit seinen Freunden in dieser geilen Mannschaft und in diesem tollen Verein Landesligaspieler nennen könnte, ist eigentlich das traumhafte daran!
Noch zwei Spiele, noch zwei Siege – und dann ist der SV Grainet Meister und somit Landesligist. Wie nah ist dieser Traum aus Deiner Sicht? Was spricht dagegen, dass der SVG am Ende der Bezirksliga-Saison auf Rang 1 steht?
Das alles fühlt sich gerade irgendwie alles ein bisschen unwirklich an... Damit, dass wir die Meisterschaft nun in der eigenen Hand haben, hat nach dem Winter wirklich keiner auch nur ansatzweise gerechnet. Aber unterm Strich ist der Traum jetzt nur noch 180 Minuten, in denen wir einfach nochmal Vollgas geben und an unsere Stärke glauben müssen, entfernt. Da wir in erster Linie selbst für unseren Erfolg verantwortlich sind, spricht grundsätzlich nichts dagegen. Aber wie jeder weiß, hat der Fußball seine eigenen Regeln und man kann schnell auch mal Spiele verlieren, in denen man eigentlich richtig gut spielt. Außerdem haben wir noch zwei sehr starke Mannschaften mit herausragenden Einzelspielern vor der Brust, die jeden Gegner in dieser Liga schlagen können. Uns muss bewusst sein, dass wir keinen Meter nachlassen dürfen, denn - Stand jetzt - haben wir noch gar nichts gewonnen!
Neun Siege in neun Spielen im Jahr 2026 sprechen eine eindeutige Sprache. Was war im Winter am Glasbach los, das für diese erfolgreiche Grundlage gesorgt hat? War vielleicht der Sieg beim FRG-Hallencup ausschlaggebend?
Klar, den Landkreispokal wieder nach Grainet zurückzuholen, war natürlich ein Riesending und hat definitiv Lust auf mehr gemacht. Generell denke ich aber, dass wir den Grundstein für die Siege dann in der Vorbereitung gelegt haben, in der alle super mitgezogen haben – was sich jetzt einfach auszahlt. Dass wir die beiden Ligaspiele nach dem Winter dann gleich so deutlich gewinnen konnten, hat natürlich einen Flow entfacht, der auch unsere Fans angesteckt hat – diesen gilt es jetzt einfach so lange wie möglich mitzunehmen.
Zuletzt wollten über 1.000 Leute Euer Duell mit dem TSV Mauth sehen. Was macht eine derartige Atmosphäre, verbunden mit entsprechendem Druck, mit Dir?
Vor so einer Kulisse aufzulaufen, war richtig genial – für solche Spiele spielt man Fußball. Eigentlich bin ich aber vor jedem Spiel immer ziemlich angespannt, und die aktuelle Tabellensituation tut natürlich ihr Übriges dazu. Da mache ich mir selbst zurzeit schon Druck. Wenn dann angepfiffen wird, ist die Nervosität aber komplett weg – und so eine Atmosphäre pusht einen natürlich enorm.
Das Bayerwald-Derby war nicht unbedingt ein fußballerischer Leckerbissen. Siehst Du das ähnlich?
(Schmunzelt) Das war ein hartes Stück Arbeit und definitiv kein schönes Spiel. Und das hat mehrere Gründe. Zum einen muss man anerkennen, dass Mauth super gekämpft hat, was es für uns einfach schwierig gemacht hat, guten Fußball zu spielen. Zum anderen ist unser Platz derzeit in einem sehr schlechten Zustand, was es noch schwerer macht, ein sauberes Spiel aufzuziehen. Von Vereinsseite aus bekommen wir gar keinen Druck, aber natürlich weiß man selbst als Fußballer um die Wichtigkeit dieser letzten Spiele – das kommt dann bestimmt auch ein wenig dazu, dass es nicht immer so leicht vom Fuß geht.

Drei Tore hast Du in den vergangenen drei Spielen erzielt, allesamt sehr wichtige Treffer. Ist das Zufall? Oder ist die sog. Crunch-Time genau Dein Ding?
Manchmal hat man eben solche Phasen, in denen es einfach gut läuft – und dann funktioniert vieles, was sonst nicht funktioniert. Ich bin natürlich froh, dass es mir gerade in den wichtigen Spielen ganz gut gelungen ist und dass ich der Mannschaft mit den Toren helfen konnte. Und ich hoffe natürlich sehr, dass es jetzt vielleicht noch zwei Spiele so weitergeht …
Die Mannschaft ist über Jahre gewachsen, mit unter anderem Jonas Blöchl oder Julian Sammer spielst Du seit einer Ewigkeit zusammen. Unbestritten ist auch Euer Talent. An welcher Stellschraube wurde gedreht, sodass ihr nun „Männer“ und Leistungsträgers seids, die Historisches erreichen können mit dem SVG?
Mit Julian spiele ich tatsächlich schon seit der F-Jugend zusammen und mit Jonas auch schon seit der D-Jugend. Beides sind einfach wahnsinnig gute Fußballer, die es auch schon längst höherklassig probieren hätten können. Ich denke, das ist ein ganz normaler Prozess, dass man über die Jahre einfach an Erfahrung gewinnt und in der Mannschaft mehr Verantwortung übernimmt. Außerdem hatten wir die vergangenen Jahre mit Jürgen Eder und Hannes Gastinger zwei brutal gute Trainer, unter denen wir uns fußballerisch super weiterentwickeln konnten.
Nächster Gegner ist Garham, das nur noch um die „Goldene Ananas“ spielt. Eine gmahde Wies für Euch?
Wenn einer aus der Mannschaft mit der Einstellung nach Garham fährt, dass das eine „gmahde Wies“ ist, dann soll er bitte seine Fußballschuhe zu Hause lassen! Garham ist eine super Mannschaft, bei der wir wieder 110 Prozent abrufen müssen, um zu gewinnen. Wir können mit breiter Brust dorthin fahren, müssen aber alles geben.
Dein Tipp: Wie enden die beiden letzten SVS-Spiele der Saison?
Mir ist seit gefühlt 30 Wetten kein Erfolg mehr gelungen, darum lasse ich das mit dem Tipp hier lieber (lacht) Aber ich bin überzeugt: Wenn wir unsere Leistung bringen und wieder so starke Unterstützung von unseren super Fans bekommen, können wir auch die letzten Spiele gewinnen!
Vielen Dank für das Gespräch - und alles Gute für den Endspurt!