
Mommenheim. Sven Liebisch setzt vor Fußballspielen immer auf bestimmte Rituale. So wird der Trainer des TSV Mommenheim vor dem Bezirksliga-Duell gegen den SV Guntersblum (Sonntag, 15 Uhr / live im AZ-Stream) wieder alle Spieler in der gleichen Reihenfolge umarmen, seinen Glücksring an der Hand tragen und gestärkt von einer Pizza mit Peperoniwurst, Sahnesoße und Oliven sein, die er am Abend zuvor traditionell isst. "Jeder Italiener sagt mir bei der Kombination: Du spinnst", erzählt der 34-Jährige lachend, der noch mehr als sonst hofft, dass seine Abläufe zu einem Heimsieg führen.
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Denn in Mommenheim ist Kerb. "Und da ist der ganze Ort besonders verrückt auf dieses Spiel", sagt Liebisch, der mit seiner Mannschaft schon den Fassanstich im Ort besucht hat. Dazu kommt mit Guntersblum ein Gegner, für den der fußballverrückte Trainer selbst viele Jahre lang spielte, mit dem er legendäre Klassenerhalte feierte, wo er nur beim Gedanken daran die Gänsehaut auf seinem Arm vorzeigt, und wo er noch echte Freunde hat. Abwehrspieler Rouven Schiedhelm ist der Patenonkel seines ältesten Sohns. Und auch SVG-Trainer Marian Saar ist ein echter Kumpel, mit dem Liebisch einst in Gonsenheim spielte und mit dem er regelmäßig Videos austauscht, um sich bei den Gegner-Analysen zu helfen.
Klar ist: In dieser Woche gibt es keine Tipps. Nach dem Spiel wird aber angestoßen, verspricht Liebisch: "Ich habe für Guntersblum schon einen 150-Euro-Gutschein auf der Kerb hinterlegt. Ich hoffe, dass wir nach dem Duell richtig Party machen, egal, was auf dem Platz passiert." Guntersblum will wiederum der Party-Crasher auf dem Platz sein, weil es Punkte dringend braucht. In sechs Spielen setzte es – bis auf das 6:0 bei Schlusslicht RWO Alzey - bislang nur Niederlagen. Trainer Saar, in der vergangenen Saison noch spielender Co beim VfR Nierstein, ist mit den Leistungen aber gar nicht unzufrieden: "Leidenschaft und Einstellung sind gut, die Auftritte sind vielversprechend. Aber Fußball ist ein Ergebnissport. Die drei Punkte lesen sich blöd und tun weh. Es wird Zeit, dass wir den Bock umstoßen."
Vor allem individuelle Fehler kosteten Guntersblum mit seiner jungen Mannschaft, in der viele Eigengewächse spielen, eine bessere Ausbeute. Auf das Treffen mit seinem Kumpel Sven Liebisch freut sich der Trainer. "Wir wissen, wie wir Fußball spielen und ticken ähnlich. Beide Mannschaften wollen den Ball laufen lassen, ins letzte Drittel des Gegners eindringen und bei Ballverlust den Gegner schnell unter Druck setzen."
Im Kerbespiel fehlen beiden Teams aber auch einige Kräfte, die verletzt sind. Schwer wiegt beim TSV der Ausfall des regionalligaerfahrenen Can Karakus, der sich beim historischen Verbandspokal-Viertrundenspiel gegen Fortuna Billigheim-Ingenheim (1:2) einen Bruch der Augenhöhle zuzog. Inzwischen geht es dem Mittelfeldspieler aber schon wieder besser. In der Mannschaft sind bereits Bilder im Umlauf, auf denen sein grinsendes, ramponiertes Gesicht auf dem Körper eines Boxers zu sehen ist.
Man kann also schon wieder lachen in Mommenheim, wo man aufpassen möchte, dass Gegner Guntersblum den TSV nicht ausgerechnet zum Party-Wochenende in den sportlichen Keller zieht, was der Wunsch von Marian Saar ist. "Die AZ zeigt das Spiel live, es ist Kerb", sagt der Trainer schmunzelnd. "Eigentlich gibt es keinen besseren Zeitpunkt, als mit dem Siegen anzufangen."