
Ein Versicherungsmitarbeiter aus Dachau soll gemeinsam mit Sportlern fingierte Sportunfälle abgerechnet haben – in über 30 Fällen. Die Justiz ermittelt. Nun wurde ein Betrugsfall verhandelt – ohne den Angeklagten.
Dachau – Ein Mitarbeiter einer Versicherungsagentur in Dachau hat „im größeren Stil“, so Richter Stefan Lorenz, „Sportunfälle, die es nicht gegeben hat“, abgerechnet. Dazu paktierte der Mitarbeiter mit Sportlern. Die überwiesenen Gelder aus den „Schadensfällen“ – jeweils zwischen 3000 und 5000 Euro – teilten sich der Mitarbeiter und die „verunglückten“ Sportler. Die Gaunereien brachten die Ermittler mächtig ins Schwitzen.
Gut 30 Fälle sind aktenkundig. 25 Sportler gerieten in den Fokus der Staatsanwaltschaft. Einige Verfahren sind mittlerweile eingestellt worden, weil sich der Verdacht nicht erhärtete. Sechs bis acht werden wohl am Ende vor dem Dachauer Amtsgericht verhandelt. Eine Hauptverhandlung ging dort schon jetzt über die Bühne. Die Tat datiert vom November 2018. Das beweist, wie lange die Beweissicherung dauerte.
In besagter Hauptversammlung kam ans Licht, wie die Schurken vorgingen. Der 29-jährige Angeklagte stammt aus Augsburg und kickte zusammen mit dem Versicherungs-Mitarbeiter in einem örtlichen Klub. Wie alle anderen Beschuldigten schloss er bei seinem Klubkameraden eine Unfallversicherung ab. Er selbst ließ sich dann während einer Fußballpartie einfach zu Boden fallen und mimte, eine Ellenbogenverletzung erlitten zu haben.
Den „Sportunfall“ meldete der Schauspieler seiner Versicherung mittels eines laut Anklage „total gefälschten Attests“ – und kassierte 3000 Euro. Irgendwann „merkte die Versicherung, hoppala, da stimmt was nicht“, so Richter Lorenz. Die Assekuranz beauftragte wegen der Häufigkeit der „Sportunfälle“ einen Rechtsanwalt, der zwei Dinge tat: Er stellte Nachforschungen an und erstattete Strafanzeige.
Trotz einer „Anordnung des persönlichen Erscheinens vor Gericht“, so Lorenz, zog der Angeklagte ein sonniges Urlaubs-Plätzchen der harten Anklagebank vor, er blieb einfach seinem Prozess fern. Im Saal nahm lediglich sein Anwalt Marco Müller Platz. Der Jurist hatte im Auftrag seines Mandanten Einspruch gegen den Strafbefehl des Amtsgerichts eingelegt. Darin sollte der Angeklagte wegen mittäterschaftlichen Betrugs eine Geldstrafe in Höhe von 2400 Euro zahlen.
In der Hauptverhandlung bat der Verteidiger Richter und Staatsanwalt zu einem Rechtsgespräch. Gegen ein Geständnis sollte die Strafe gemildert werden. Das klappte nur teilweise. Zwar wurde das Verfahren gegen den 29-Jährigen, der nicht vorbestraft ist, eingestellt. Allerdings gegen eine Geldauflage in Höhe von 2400 Euro.
Übrigens: Das Verfahren gegen den Drahtzieher der Betrügereien aus der Dachauer Versicherungsagentur ruht derzeit. Der Mann verbüßt gerade eine mehrjährige Haftstrafe.