
Kein Jubeln nach einem Tor und ein leeres Fußballfeld. Dieses Szenario droht nun dem ESV München. Beim größten Sportverein der Stadt gibt es in der Fußballabteilung einen großen Bruch. Die Trainer sprechen seit der neuen Abteilungswahl von einer „tiefgreifenden Störung des Vertrauenverhältnisses“. Das ist einem Schreiben zu entnehmen. Darin geben sie auch bekannt: Sie legen ihre Arbeit mit sofortiger Wirkung nieder.
Vor allem die jungen Trainer fühlen sich von der neuen Abteilungsleitung ungerecht behandelt. Darunter sind auch Michael Loroff und Theodor Hinrichs. Sie trainieren die Jugendlichen aktuell. Der Konflikt sei durch die Wahl der Jugendleitung im Dezember entstanden. Zunächst hatte sich niemand zusätzlich aufstellen lassen. Erst am Tag der Mitgliederversammlung hätte es plötzlich zwei neue Kandidaten gegeben.
Bei der Abstimmung kam es dann zum Zwist. „Die neuen Kandidaten riefen genau zur Wahl andere Mitglieder herein, die dann ihre Stimme abgaben“, erzählen die beiden Jugendtrainer. Was sie besonders ärgert: Diese waren nur noch bis Ende des Jahres Mitglieder beim ESV und nicht mehr am aktiven Vereinsleben beteiligt. Der Verein erklärt, dass letzteres ganz normal sei. „Alle, die zum Zeitpunkt der Wahl ordentliche Mitglieder und mindestens 16 Jahre alt sind, dürfen wählen. Das gilt unabhängig davon, ob bereits eine Kündigung zum Jahresende vorliegt oder nicht.“ Die Trainer wünschen sich jetzt eine neue Wahl, an der nur aktuelle Mitglieder teilnehmen können. Loroff stellt zudem klar: „Es geht nicht um die Personen an sich, sondern um die Art und Weise.“ Für sie sei eine solche Wahl moralisch nicht vertretbar.
Sie kritisieren aber noch weitere Punkte: „Zudem durften die Trainer nicht mitwählen, da sie kein Stimmrecht haben.“ Das liege daran, dass viele von ihnen keine ordentlichen Mitglieder, sondern 5-Euro Mitgliedschafts-Trainer seien. Zur Wahl sind nur ordentliche Mitglieder zugelassen. „Dass eine weitreichende Richtungsentscheidung ohne die Einbeziehung derer getroffen wurde, die die tägliche Arbeit leisten, wird von den Betroffenen als gezielter Coup wahrgenommen.“
Zunächst versuchten die Trainer mit der Vereinsleitung eine Lösung zu finden. Denn sie stellten nach der Wahl fest, dass sich die Stimmung innerhalb der Abteilung „in kürzester Zeit fundamental gewandelt“ hatte. Zuvor sahen sie den Verein als „unsere zweite Heimat“, sagt Hinrichs. Loroff erzählt: „Früher war es ein konstruktives Miteinander, jetzt gibt es kein vereinschaftliches Zusammenleben mehr“. Für sie ist die interne Atmosphäre ein weiterer Grund Neuwahlen abzuhalten.
Um das Problem zu lösen, setzten sich die Trainer für ein gemeinsames Arbeitsgremium ein. Dafür hätten sie eine mündliche Zusage bekommen. Die Vereinsleitung nimmt auch hierzu Stellung: „Es gibt keine mündlichen Zusagen, allerdings haben sich die Teile der Trainerschaft vorzeitige Neuwahlen gewünscht und dies auch in einem Leitungsgremium kundgetan.“ Die Voraussetzungen dafür seien aber nicht erfüllt. Mittlerweile sind die Fronten verhärtet. „Zurzeit sind alle Gespräche eingestellt“, erklären die beiden Jugendtrainer. Viele Trainer sind nun in einen Streik eingetreten.

Die beteiligten Trainer kündigten in dem Schreiben an, erst wieder zu arbeiten, wenn es Neuwahlen gibt. Diesem Vorsatz schlossen sich nun ein großer Teil an. „Wir finden es schade, dass unsere Jungs jetzt wegen sowas nicht auf dem Platz stehen können, aber wir sehen keinen anderen Weg mehr“. Die meisten Spieler stehen hinter der Entscheidung ihrer Trainer. Manche Mitglieder überlegen sogar, den Verein ganz zu verlassen. Die Vereinsführung nehme die Vorgänge ernst und ihr Ziel sei es, wieder ein Miteinander zu schaffen.