
Er hat in Singapur, im Libanon und in Thailand gespielt, früh den Weg an die Seitenlinie eingeschlagen und stand im Mai 2025 als Interimstrainer beim SSV Jahn Regensburg in der 2. Bundesliga an der Linie. Im FuPa-Interview spricht der gebürtige Berliner Munier Raychouni über prägende Trainer, den Spielertyp mit Zukunft – und warum Berlin für ihn immer besonders bleiben wird
Der Fußball prägt die Laufbahn von Munier Raychouni von Beginn an. Aufgewachsen in Berlin-Neukölln, führt ihn sein Weg als Spieler vom Amateurfußball der Hauptstadt in die höchsten Ligen Singapurs, des Libanons und nach Thailand. Nach einer Verletzung beendet er 2017 seine aktive Karriere beim CFC Hertha 06 (Oberliga) und schlägt den Trainerweg ein. Seine erste Cheftrainerstation übernimmt Raychouni ebenfalls in der Oberliga bei Hertha 06. Es folgen Stationen als Co-Trainer beim Berliner AK 07 in der Regionalliga Nordost unter Dirk Kunert sowie beim FC Carl Zeiss Jena. Dann übernimmt er im Nachwuchsleistungszentrum als Trainer die U19 in der Nachwuchsliga. Seit November 2024 ist Raychouni Co-Trainer beim SSV Jahn Regensburg. Der Klub steigt am Saisonende aus der 2. Bundesliga ab und tritt aktuell in der 3. Liga an. In der Schlussphase der Zweitliga-Saison übernimmt Raychouni für zwei Partien interimsmäßig die Verantwortung an der Seitenlinie. Aktuell arbeitet er im Trainerteam unter Cheftrainer Michael Wimmer.
Interview: FuPa Berlin im Gespräch mit Munier Raychouni
FuPa Berlin:
Wenn du völlig unabhängig von Fußball und Beruf entscheiden könntest – wo würdest du leben: Jena, Regensburg oder Berlin?
Munier Raychouni:
Ich bin in Berlin geboren und in Neukölln aufgewachsen. Gott hat mein Schicksal so gefügt, dass mich mein Weg als Spieler in verschiedene Länder und als Trainer in verschiedene Städte geführt hat – aktuell nach Regensburg. Dadurch habe ich gelernt, mich schnell einzuleben.
In Jena haben wir uns als Familie sehr wohlgefühlt, und das tun wir auch jetzt in Regensburg. Unsere Kinder sind in diesen Städten geboren. Trotzdem ist Berlin für mich etwas Besonderes. Dort sind meine Wurzeln. Wenn ich ganz unabhängig entscheide, würden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit in Berlin leben.
FuPa Berlin:
Deine erste Cheftrainerstation war bei Hertha 06 in der Oberliga. Erinnerst du dich noch daran – vielleicht sogar an eine besondere Geschichte?
Raychouni:
Natürlich erinnere ich mich gut an diese Zeit. Es war eine sehr prägende Phase, in der ich wertvolle Erfahrungen sammeln durfte. Vor allem habe ich viele gute Menschen kennengelernt – das bleibt.

FuPa Berlin:
Wird es deinen Taktikkanal auf YouTube noch einmal geben?
Raychouni:
Gar nicht mehr. Meine beruflichen und familiären Verpflichtungen lassen es seit langer Zeit nicht zu, Videos zu erstellen und zu bearbeiten. Der Kanal entstand in meiner Anfangsphase als Trainer.
FuPa Berlin:
Du hast viele talentierte Jugendspieler trainiert. Welcher Spielertyp schafft es ganz nach oben?
Raychouni:
Die Frage ist schwer zu beantworten, weil unterschiedliche Spielideen Raum für unterschiedliche Charaktere und Spielerprofile geben. Was aus meiner Erfahrung jedoch entscheidend ist, ist Resilienz. Ein Spieler muss Rückschläge aushalten, aus ihnen lernen und weitermachen.
Viele haben Selbstvertrauen, solange es gut läuft – aber die entscheidende Frage ist, wer auch an schlechten Tagen Leistung bringt. Neben physischen und technischen Fähigkeiten spielt der Charakter eine zentrale Rolle. Sir Alex Ferguson hat sinngemäß gesagt: Harte Arbeit schlägt Talent, wenn Talent nicht hart genug arbeitet. Dem kann ich viel abgewinnen.
FuPa Berlin:
Du warst bei Jahn Regensburg kurzfristig Interimstrainer. Lag es an der fehlenden Fußballlehrerlizenz, dass du nicht Cheftrainer wurdest?
Raychouni:
In der vergangenen Saison betraf dies in der 2. Bundesliga drei Spiele, wobei das Spiel gegen den HSV aufgrund der Rotsperre des Cheftrainers zustande kam. In der laufenden Saison waren es bislang zwei Spiele, bedingt durch Erkrankung sowie eine weitere Rotsperre.
Diese Einsätze sind für mich wertvolle und lehrreiche Erfahrungswerte, ergänzend zu meinen bisherigen Aufgaben als Co-Trainer. Selbstverständlich unterstütze ich jederzeit den Cheftrainer sowie das gesamte Trainerteam nach besten Kräften.
Über andere Themen oder Perspektiven haben wir nie gesprochen, weil es dafür keinen Anlass gab.

FuPa Berlin:
Als Trainertalent hättest du die UEFA-Pro-Lizenz doch schon lange haben können, oder?
Raychouni:
Die Bewertung meiner Arbeit überlasse ich anderen. Für die UEFA-Pro-Lizenz gibt es klare Regularien. Letztes Jahr durfte ich mich erstmals bewerben und wurde auch zum Assessment eingeladen, habe jedoch keinen Platz für den nächsten Kurs erhalten.
Gott wollte es so. Solange ich die Voraussetzungen erfülle, werde ich mich weiterhin bewerben und geduldig bleiben.
FuPa Berlin:
Als Berliner hast du den Spreefußball sicher im Blick. Wer wird langfristig die dritte Kraft in der Stadt?
Raychouni:
Der Fußball ist sehr schnelllebig. Wir sehen immer wieder, wie schnell sich Kräfteverhältnisse durch Auf- und Abstiege verändern.
Eine Prognose fällt mir schwer, auch weil ich zu weit weg vom aktuellen Tagesgeschehen in Berlin bin, um mir ein qualitatives Urteil zu erlauben. Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn in unserer Herzensstadt Berlin noch mehr Vereine den Sprung in den Profifußball schaffen würden. In dieser Stadt gibt es viele gute Spieler und ebenso viele gute Trainer.
FuPa Berlin:
Du hast unter vielen Trainern gearbeitet. Von wem hast du am meisten gelernt?
Raychouni:
Von jedem Trainer konnte ich etwas lernen. Jeder setzt andere Schwerpunkte – im Training, in der Analyse oder im Spiel. Genau das macht die Arbeit als Co-Trainer so interessant.
Wenn man offen bleibt, kann man von jedem Menschen etwas mitnehmen.

FuPa Berlin:
Welcher talentierte Spieler, den du trainiert hast, hat dich besonders beeindruckt?
Raychouni:
Ich habe noch nicht die lange Erfahrung vieler anderer Trainer. Mein Eindruck ist jedoch, dass besonders die talentierten Spieler imponieren, die bodenständig bleiben, täglich besser werden wollen und ihren Erfolg bewusst mit Training und Fleiß vorbereiten. Auch hier spielen mentale Aspekte eine große Rolle.
FuPa Berlin:
Aufgrund deiner Vita wirst du manchmal als „Laptop-Trainer“ bezeichnet. Nervt dich das?
Raychouni:
Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Ich bin der Überzeugung, dass ein Spieler das gewünschte Verhalten am besten verinnerlicht, wenn er es direkt auf dem Platz trainiert und erlebt. Videoanalysen sehe ich dabei als sinnvolle Unterstützung, nicht als Ersatz für die Arbeit auf dem Rasen.
In Jena bei der U19 war unser Trainerteam sehr überschaubar. Wir haben sehr intensiv auf dem Platz gearbeitet und gezielt versucht, Mannschaft, Gruppen und jeden Spieler individuell weiterzuentwickeln, um uns bestmöglich auf die Spiele in der Nachwuchsliga gegen die Top-NLZs vorzubereiten.
Konfuzius sagte: „Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können.“
FuPa Berlin:
Du hast Sportwissenschaften studiert. Hilft dir das konkret im Traineralltag?
Raychouni:
Ja, besonders meine Auseinandersetzung mit Psychologie, Leadership, Führung und Sprache hilft mir im täglichen Umgang mit Spielern – etwa in der Ansprache, in Einzelgesprächen oder im Umgang mit Drucksituationen.
FuPa Berlin:
Gab es zuletzt konkrete Angebote aus höherklassigen Vereinen aus der Region?
Raychouni:
Aus Berlin konkret nicht.
FuPa Berlin:
Zum Abschluss: Dein bevorzugtes Spielsystem – und warum?
Raychouni:
Jedes System hat seine Stärken und Schwächen. Auch innerhalb der Systeme gibt es unterschiedliche Ausführungen in den verschiedenen Spielphasen. Entscheidend ist, dass es zu den Stärken der Mannschaft passt.
Es geht weniger um ein fixes System als um die Spielphilosophie – darum, wofür der Trainer, die Mannschaft oder der Verein stehen will.
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