
Es war der Aufreger am vergangenen Wochenende: Schiedsrichter Tobias Gottschalk hat die Partie der A-Klasse Viechtach zwischen dem SV Kollnburg und der SG Neukirchen/Elisabethszell rund 20 Minuten vor dem Ende beim Stand von 3:1 abgebrochen. Es soll teils wüste Beleidigungen seitens der Gästezuschauer gegeben haben, die den jungen Referee zu diesem Schritt bewogen haben. Wir haben bei den beiden beteiligten Vereinen nachgefragt, was da los war - und haben zwei unterschiedliche Sichtweisen zu hören bekommen...
Eigentlich wäre nichts Außergewöhnliches vorgefallen am vergangenen Sonntagnachmittag, so Simon Zißler, der Sportliche Leiter der SG Neukirchen/Elisabethszell: "Es war ein ganz normales Spiel, Kollnburg hat auch verdient mit 3:1 geführt." Allerdings hätten nicht nur die Gäste keinen guten Tag erwischt, auch der Referee verfolgte nicht immer eine klare Linie. So berichtet es jedenfalls Zißler: "Der sehr junge Schiedsrichter wirkte etwas nervös und traf auf beiden Seiten nicht immer die richtigen Entscheidungen, was seine ansonsten solide Leistung nicht schmälern soll." Auch das Auftreten der Heimmannschaft schmeckte dem Tabellenführer der A-Klasse Viechtach nicht, was auch bei den mitgereisten Anhängern für Unmut sorgte. "Die Kollnburger sind sehr hart eingestiegen. Wir haben mit Jonas Windmaißer und Alexander Buchinger zwei Verletzte zu beklagen", erklärt Zißler.
1:3 hinten, zwei Verletzte, die Laune war also nicht die beste im Lager der SG. Gänzlich gekippt sei dann die Stimmung nach einer Einwurf-Fehlentscheidung des Linienrichters. In den untersten Klassen übernehmen diesen Part jeweils ein Mitglied des Heim- bzw. des Gastvereins. In diesem Fall war`s eben ein Kollnburger. "Ja, unsere Leute haben daraufhin einige Sachen reingeschrien. Aber ich möchte betonen: Es gab weder Rangeleien noch Gewaltandrohungen noch sind Zuschauer auf den Platz gestürmt." Tobias Gottschalk hatte dennoch genug und brach die Partie ab. Für Simon Zißler eine nicht nachvollziehbare Entscheidung: "Das hätte in 100 Jahren nicht zu einem Spielabbruch führen dürfen. Zum Vergleich: Wenn ich mich da an unsere Derbys allein in der jüngeren Vergangenheit gegen den SV Hunderdorf erinnere, dann hätte kein einziges Spiel bis zum Schluss gespielt werden dürfen." Zißler betont abschließend: "Spieler und Verantwortliche beider Vereine standen anschließend noch zusammen, haben miteinander geratscht und ein Bier getrunken. Keiner konnte so wirklich verstehen, warum das Spiel nicht zu Ende gebracht wurde."
Ein wenig anders sehen naturgemäß die Kollnburger die Vorkommnisse. "In so einer Causa prallen immer zwei verschiedene Perspektiven bzw. Wahrnehmungen aufeinander", beginnt SV-Abteilungsleiter Michael Dietl und nimmt dann ausführlich Stellung: "Für den sehr jungen Schiedsrichter war das von Anfang an nicht einfach. Verbal ist auf ihn eine Menge eingeprasselt. Es ist verbrieft, dass einige äußerst unschöne Worte gefallen sind. Der Schiri wurde sichtlich immer unsicherer. Noch dazu lag die SG Neukirchen/Elisabethszell zur Pause überraschend 0:3 hinten, was so sicher keiner erwartet hatte und die Gemüter nicht unbedingt beruhigt hat. Nach einer Einwurf-Entscheidung wurde der Schiedsrichter wieder beschimpft, und es ist ihm zu viel geworden. Er hat unseren Ordnungsdienst gebeten, einen Zuschauer des Platzes zu verweisen. Währenddessen ging aber die Tirade unvermindert weiter und er hat daraufhin das Spiel abgebrochen."
Von einem Spielabbruch aus dem Nichts, wie es die Gäste empfunden haben, kann laut Dietl keine Rede sein: "Der Schiedsrichter hatte zuvor mehrere Male die Kapitäne zu sich zitiert und auf das Problem hingewiesen. Was man aber auch sagen muss: Zwischen den Spielern untereinander hat es keine Probleme gegeben."
Ob der Abbruch nun zwingend erforderlich war, das wollen die Kollnburger nicht final einordnen. Michael Dietl sagt aber zum Abschluss ein paar nachdenkliche Worte: "Vielleicht hat`s das mal gebraucht, um bei einigen das Bewusstsein zu schärfen. Wer auf den Fußballplatz geht, erwirbt mit dem Kauf einen Eintrittskarte keinen Freifahrtschein, andere wüst zu beleidigen. Wir sprechen ganz viel und gerne über Fairplay, der BFV appelliert zurecht, die Schiedsrichter mehr zu schützen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob der junge Schiedsrichter vom Sonntag noch Lust hat, recht viele Spiele zu pfeifen..."
Wie geht`s nun weiter? Das muss nun das Sportgericht entscheiden, das zunächst ausführliche Stellungnahmen von allen Seiten einholt. Ein Wiederholungsspiel ist möglich, aber die Kollnburger könnten auch die drei Punkte am grünen Tisch zugesprochen bekommen.
