
Der VfR Warbeyen steht in der 2. Bundesliga der Frauen kurz vor dem Abstieg – und ausgerechnet an diesem Sonntag könnte sich das Schicksal endgültig entscheiden. Seit vielen Monaten schwirrt das Abstiegsgespenst schon durch Warbeyen, doch nun droht die bittere Gewissheit: Bleibt der VfR am Sonntag ab 14 Uhr im Heimspiel gegen den Vorletzten VfL Wolfsburg II ohne Sieg, wäre der Abstieg nicht mehr zu verhindern. Die Frage ist nur, ob das Team den Absturz noch bremsen kann – oder ob sich das Unvermeidliche schon an diesem Wochenende entscheidet.
Selbst ein Sieg würde den Abstieg nur vertagen. Zwar könnte der VfR Warbeyen den Rückstand von aktuell 17 Punkten – im Erfolgsfall wären es möglicherweise noch 14 – an den verbleibenden fünf Spieltagen theoretisch aufholen. Doch weil Eintracht Frankfurt II am 10. Mai noch im direkten Duell auf Turbine Potsdam trifft, wird der Abstand zu den Nicht-Abstiegsplätzen unabhängig vom Ausgang dieser Partie mindestens um einen Zähler wachsen. Damit ließe sich der Rückstand – vorausgesetzt Frankfurt und Potsdam holen sonst keine Punkte mehr – allenfalls noch über das Torverhältnis aufholen. Und dort ist der VfR Warbeyen mit einer Differenz von minus 58 längst ein hoffnungsloser Fall.
Dass man sich mit solchen Rechenspielen längst im Reich des Unmöglichen bewegt, weiß auch Thomas Gerstner. Der neue Trainer des VfR Warbeyen formuliert seine Perspektive vor seinem dritten Einsatz an der Seitenlinie dennoch diplomatisch: „Wenn wir Fantasten sind, ist der Klassenerhalt noch möglich. Aber ich komme ja ins Irrenhaus, wenn ich allein sage, wir gewinnen jetzt sechs Mal in Folge. Es geht jetzt nur noch von Spiel zu Spiel. Wir wollen uns weiter verbessern und noch ein paar Punkte holen“, sagt Gerstner.
Anders dürfte die Gemütslage im Lager des VfL Wolfsburg II aussehen. Die U20-Auswahl der Wölfe trennen sechs Spieltage vor Saisonende „nur“ sieben Punkte vom rettenden Ufer. Vor zwei Wochen bat der bisherige Trainer Daniel Kraus um die Auflösung seines Vertrags, um seinen neuen Posten als Sportlicher Leiter beim Bundesligisten SGS Essen frühzeitig anzutreten. Andreas Arr-You, Torwartkoordinator im Wolfsburger Nachwuchsbereich, übernimmt bis zum Saisonende interimsweise.
Die jüngsten Ergebnisse geben wenig Anlass zur Hoffnung, dass die Wolfsburger U20 die Wende noch schaffen kann – zumal sie auf Schützenhilfe der Konkurrenz angewiesen wäre. Zuletzt kassierte das Team zwei deutliche Niederlagen: ein 0:5 bei Borussia Mönchengladbach und ein 0:3 gegen den FC Ingolstadt. Das Hinspiel gegen den VfR Warbeyen gewann der VfL noch mit 6:0. Ein Auswärtssieg in Kleve ist nun Pflicht – alles andere käme einer Vorentscheidung im Abstiegskampf gleich.
So befinden sich Thomas Gerstner und der VfR Warbeyen in der Lage, möglicherweise noch einmal das Zünglein an der Waage zu sein. Ein Hoffnungsschimmer: „Wolfsburg hat sich nach dem Trainerwechsel noch nicht richtig stabil präsentiert. Das müssen wir ausnutzen. Wir wollen diesen Gegner schlagen“, sagt der Warbeyener Trainer.
Dafür müsse seine Mannschaft allerdings deutlich zulegen. Beim 1:2 bei Borussia Mönchengladbach vor rund einer Woche habe sein Team noch zu viele einfache Fehler gemacht. „Wir müssen kompakter werden und auf allen Positionen besser gegen den Ball verschieben. Ich habe bereits Ansätze gesehen, aber Ansätze allein reichen nicht“, sagt Thomas Gerstner.