
Der FC Murnau siegt 3:0 gegen Traunstein und verkürzt auf zwei Punkte. Wasserburg patzt kurz vor Schluss in Kastl mit einem 1:1-Unentschieden.
Mittlerweile ist es egal, wie alles ausgeht. Murnaus Fußballer haben sich in Ekstase gekickt, in einen frühlingshaften Fiebertraum, von dem Martin Wagner hofft, dass er einfach nicht mehr endet. „Was ist das bitte für eine coole Rolle“, fragte der Trainer am Samstagabend, nachdem sich in der Landesliga mal wieder die Ereignisse überholt hatten.
Bei der Halbzeitansprache bekam er freilich nicht mit, was die Zuschauer an ihren Handys und wenig später auch der Stadionsprecher ansagte: Wasserburg, über Monate souverän an der Spitze, kassierte eine Minute vor Schluss in Kastl das 1:1. Während Murnau seinen Pflichttermin mit einer kleinen Fußballshow abhakte. Zu Relegationsplatz zwei sind es nurmehr zwei Punkte – bei noch drei ausstehenden Partien. Und wenn die Wasserburger nicht narrisch aufpassen, werden sie im Schlussspurt doch wirklich noch von der grünen Welle geschluckt, die sich Woche für Woche noch höher auftürmt. „Die Lockerheit tut uns gut. Ich werde alles daran setzen, dass wir nicht zu sehr auf die Tabelle schauen“, stellt Wagner klar.
Sie jagen von Rekord zu Rekord. Mit dem 3:0 über Traunstein knackten sie die Ausbeute des Vorjahres, zementierten bereits jetzt die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte, verteidigten ihren Heimnimbus. „Umso mehr Spaß macht es, dass es jetzt noch um die Relegation geht“, schwärmt der Coach. Traunstein war nicht mehr als ein Drachenhäppchen. Die Gäste, verhaftet im Abstiegskampf, probierten es unkonventionell, zumindest verglichen mit früher, als sie für Offensivpower standen. Mit Fünferkette und massivem Rückzug in die eigene Hälfte versuchten sie, den Schaden einzudämmen. Gegen eine frühere Murnauer Version wäre das womöglich effektiv gewesen, aber nicht gegen die jetzige.
„Von der ersten Sekunde an gezeigt, dass wir nichts hergeben, so dominant gespielt“, notierte Wagner. In erster Linie erfreute er sich am Kurzpassspiel seiner Mannen, wo sie das doch seit Monaten exzessiv üben. So habe man den Gegner „von der ersten bis zur letzten Minute hinterherlaufen lassen“. Diese Überlegenheit tauschten die Murnauer recht bald in Tore ein. Nach einer halben Stunde stand’s schon 2:0. Erst ein Tiefenlauf von Maximilian Nebl samt Querpass für Michael Moser, dann ein Wumms von Tizian Schatto aus 20 Metern flach neben den Pfosten. „Wenn er aufs Tor schießt, wird’s gefährlich. Das war schon beim Aufwärmen so“, lobt Wagner.
Zur Halbzeit wechselten die Gäste ihre Verteidigung, griffen zur Viererkette, setzten ein paar Wirkungstreffer. Aber Gefahr kam nicht auf. Wagner wusste auch, wieso. Christoph Greinwald, was bei einem Offensiv-Spektakel nicht das Naheliegendste sein mag, war der Mann des Tages. Unter anderem packte er Traunstein-Top-Stürmer Julian Höllen in den Eisschrank. Er kam zu keinem nennenswerten Abschluss. „Der hat mir fast ein bissl leid getan“, sagt Wagner. Dafür sahen die 350 Zuschauer ein seltenes Kunststück auf der anderen Seite. Sanel Dacic, seit Wochen in blendender Verfassung, gelang als kleinstem Spieler auf dem Feld ein Kopfballtor. „Endlich mal belohnt er sich für das, was er die ganze Zeit betreibt.“
Zum zweiten Mal in dieser Woche ging’s hinterher in der Vereinsgaststätte rund. Der Derbysieg wirkte nach. „Wir waren beflügelt.“ Jetzt ist nur noch die Frage, wann und wo seine Drachen wieder zur Landung ansetzen.