
Ihre ausgesprochen gute Laune hatten die Gastgeber trotz der erwarteten Niederlage nicht verloren: Noch lange nach Abpfiff des Erstrundenspiels um den Verbandspokal waren die Spieler des Euskirchener A-Ligisten SV Frauenberg auf dem im Tal gelegenen heimeligen Sportplatz „In den Weiden“ im Partymodus, wurde zu der entsprechenden Musik auch fleißig getanzt. Was sicherlich auch mit dem Ergebnis zu tun hatte. Denn gegen den drei Klassen höher spielenden Mittelrheinligisten FC Wegberg-Beeck hatte der SV das Ergebnis mit 0:3 in sehr erträglichen Grenzen gehalten. „Wir haben alles gegeben, wollten uns nicht abschlachten lassen. Und das ist uns auch gelungen. Darüber hinaus haben wir auch immer wieder versucht, Nadelstiche zu setzen, auch wenn das heute zugegebener Maßen schon sehr schwierig war“, bilanzierte gleichfalls gut gelaunt Frauenbergs Coach Marcel Timm.
Für den unverdrossen kämpfenden Außenseiter hatte auch Beecks Coach Danny Fäuster ein Lob übrig: „Kompliment an den SV für seine ganz große Leidenschaft. Die Jungs haben wirklich alles auf dem Platz gelassen. Und da wir in der ersten Halbzeit unsere Chancen nicht genutzt haben, wurde es ein typisches Pokalspiel. Je länger es 0:0 stand, desto vielbeiniger wurde auch Frauenbergs Abwehr.“
Dass der haushohe Favorit aber völlig verdient eine Runde weiterkam, daran konnten keine Zweifel bestehen. Zu überlegen hatte der FC das Spiel gestaltet – mit einem Ballbesitz von gefühlt 80 Prozent. Tim Seidenfaden, der Beecks Tor hütete, hatte jedenfalls einen sehr geruhsamen Frühabend gegen den SV, bei dem der 37-jährige Oldie und mittelrheinligaerfahrene Sebastian Kaiser den Stoßstürmer gab.
Beeck drängte zwar von Anfang an auf die Führung. Die besten Chancen dazu hatten Nico Czichi mit einem Kullerball an den Innenpfosten (23.) sowie Mehmet Yilmaz, der an Keeper Dominik Schöpfer scheiterte (41.). Darüber hinaus beeindruckte Freudenbergs Schlussmann mit zwar nicht unbedingt platzierten, dafür aber sehr weiten Abschlägen sowie einem bemerkenswerten Stimmorgan – die Mitspieler konnten seine Anweisungen wirklich problemlos verstehen.
Auch wenn einige Chancen da waren: Beecks Spiel fehlte es lange Zeit auch ein wenig an Kreativität. Oft wurde der Weg durch die Mitte versucht, wo Center Yilmaz dann versuchte, für die Mitspieler abzulegen. Über die Außen kam wenig. Auf der rechten Seite wurde Miguel Bügler oft etwas unglücklich angespielt, und über links kam Youngster Benedikt Bulla zwar einige Male durch, fehlte es seinen Hereingaben dann aber an Präzision. Nominell spielte der 18-Jährige links in der Kette, war bei Beecker Ballbesitz praktisch aber der Linksaußen, der auf einer Höhe mit Bügler stand – Beecks Spiel war auf den Außen so (bewusst) asymmetrisch angelegt. Auch der recht hohe und zudem holprige Rasen ließ nur schwer ein flüssiges Kombinationsspiel zu.
Sowohl Bulla als auch Bügler blieben zur Pause in der Kabine. Aber nicht über die Außen, sondern durch die Mitte gingen die Schwarz-Roten dann in Führung: Elias Khadraoui steckte schön auf Yilmaz durch, dessen Kullerball trudelte vom Innenpfosten über die Linie (52.). Zehn Minuten später war der Drops auch schon gelutscht. Eine erstklassige Flanke des für die linke Seite eingewechselten Argjend Pacolli nutzte erneut Yilmaz im Nachfassen zum 2:0 (62.). Khadraoui band auf Yilmaz-Zuspiel mit dem 3:0 dann das Schleifchen um den Sieg (85.).
„Wenn wir die ersten Chancen genutzt hätten, wäre es vielleicht sogar zweistellig geworden. So hat sich das Spiel aber eben ein wenig anders entwickelt. Aber Hauptsache, wir sind eine Runde weiter“, merkte Kapitän Merlin Schlosser an. Der war – wie schon in den Testspielen zuvor – zur Stabilisierung der Abwehr von der Sechs in die Innenverteidigung neben Paul Daniels gerückt. Das Duo vor der Abwehr bildeten so Khadraoui und Niklas Fensky.
Trug Schlosser in den Vorbereitungsspielen die Kapitänsbinde bislang quasi „provisorisch“, so hat ihn Fäuster nun auch offiziell zum Spielführer für die gesamte Saison ernannt. Vizekapitäne sind Paul Daniels und Fensky, dem Mannschaftsrat gehören zudem noch die erfahrenen Yilmaz und Czichi an.
Das ohnehin schon große Verletztenlazarett hat sich in Frauenberg für Beeck noch einmal vergrößert. Denn Andi Seferi musste gerade mal 13 Minuten nach seiner Einwechslung mit einer Oberschenkelverletzung auch schon wieder raus.
Mehr als die fünf getätigten Wechsel hätte Fäuster auch gar nicht vornehmen können. Auf der Bank saßen ansonsten nur noch die weiteren Torhüter Oleksandr Kuzub und Mika Krupp – und einer der Eingewechselten war schon der A-Jugendliche Jan Schulze. Vor allem in der Offensive fehlen Beeck aktuell etliche Spieler. Rückkehrer Timo Agaltsev, auf den einige Hoffnungen ruhen, plagen anhaltende Beschwerden. Eine MRT soll diese Woche Klarheit über die Schwere der Verletzung bringen. Lukas Stradza, Niklas Kampa und Yahia Selim standen auch in Frauenberg nicht zur Verfügung – ganz zu schweigen von Alessio Tafa und Cem Dag, die langzeitverletzt bislang noch gar nicht eingreifen konnten.
Fazit: Vor dem Meisterschaftsauftakt am kommenden Sonntag bei Mitfavorit Eintracht Hohkeppel plagen Fäuster gehörige Personalsorgen.