
Bayernliga – allein dieser Name löst Emotionen aus, gilt doch diese Spielklasse als Sehnsuchtsort schlechthin. Lange Jahre war sie die höchste Amateurliga Bayerns, seit 2012 muss sie der Regionalliga den Vortritt lassen. Aber auch die vergangenen elf Jahre haben unzählige Geschichten zu erzählen. FuPa wirft in unregelmäßigen Abständen einen Blick auf die Absteiger der einzelnen Spielzeiten. Was ist aus den Vereinen, die sich nach unten verabschieden mussten, geworden? Bayernliga - es war einmal. Teil 4: Saison 2018/19.
Der Verein aus dem Fürther Stadtteil gehört zu denjenigen Clubs, für die die Bayernliga ein Abenteuer ist. Eine Spielklasse, von der man träumt, sie aber nie erreicht. Nach einer Spielklassen-Umgliederung, einer Sahne-Saison und der Lotterie Relegation schaffte man aber doch den nie für möglich gehaltenen Sprung in die zweithöchste Amateurspielklasse Bayerns. "Diese eine Spielzeit war ein unglaublich schönes Erlebnis", macht Fußballchef Jürgen Walthier, bereits damals im Amt, deutlich.
Freilich, das gibt der 60-Jährige offen zu, hätte es an Erfahrung gefehlt - und letztlich auch an Qualität. "Wir haben ganz bewusst auf die Aufstiegsmannschaft gesetzt. Diese Jungs haben es sich ja selber erarbeitet, Bayernliga zu spielen." Und die Mannen um Julian Konrad und Yuri Melelo wuchsen auch über sich hinauf, spielten eine starke Rückrunde - mussten sich aber in der Relegation dem ASV Cham geschlagen geben. "Nach dem 1:8 im Hinspiel war eigentlich schon alles vorbei", erinnert sich Jürgen Walthier.
Obwohl ein weiterer Abstieg folgte und der ASV Vach inzwischen Bezirksliga spielt, herrscht im Verein und Umfeld absolute Ruhe. "Uns ist bewusst, dass es in unmittelbarer Nachbarschaft zu Fürth, Nürnberg, Eltersdorf, Erlangen-Bruck, Stadeln und dem ATSV schwierig ist, sich zu behaupten", weiß der Sportliche Leiter. "In den nächsten Jahren liegt unser Augenmerk auf dem Ausbau der Infrastruktur. Außerdem wollen wir in der Bezirksliga eine gute Rolle spielen. Und wer weiß: Vielleicht klappt es ja wieder mal mit der Landesliga."

FSV Erlangen-Bruck (16. Tabellenplatz)
Der zweite Landesliga-Abstieg innerhalb eines halben Jahrzehnts war sehr wohl ein Einschnitt bei Vachs Lokalrivalen Erlangen-Bruck. Nicht im ersten Moment, aber im zweiten. "Die Spielerentwicklung nahm keinen Fortschritt. Eine gewisse Überalterung setzte ein", blickt Thomas Neudecker, Vorstand Öffentlichkeitsarbeit, zurück. So landete man in der Abstiegssaison erst einmal nur auf dem 10. Platz.
Nach einem Trainerwechsel und der radikalten Verjüngung des Kaders - überwiegend mit Spielern aus der eigenen Schmiede - ging es wieder aufwärts. 2022/23 belegten Selmani, Wolf & Co. einen starken 4. Rang. "Wir sind aber noch nicht über dem Berg", warnt Thomas Neudecker. Seine Worte werden dadurch untermauert, dass Bruck in der laufenden Spielzeit nur Dreizehnter ist und lediglich vier Punkte Vorsprung auf die Relegationsplätze hat.
"Die Mannschaft hat wesentlich höheres Potenzial als es der aktuelle Tabellenstadt aufzeigt", ist der FSV-Sprecher überzeugt. "Die nächsten Spiele nach der Winterpause werden wegweisend sein." Was die Perspektive betrifft, wirft Thomas Neudecker eine interessante Idee in den Ring: Eine Kooperation mehrere Vereine innerhalb von Erlangen sei dringend nötig. Denn: "Das Mitwirken eines oder mehrer Erlanger Vereine in der Bayern- und Regionalliga ist für den Standort eine Pflicht."

Jahn Forchheim (17. Tabellenplatz)
Das neue Sportgelände des Jahn wird nach seiner Fertigstellung im Sommer Bayernliga-Niveau haben - mindestens. Die Mannschaft hinkt der Infrastruktur noch etwas hinterher. "Nur" Neunter ist Forchheim zur Winterpause, der Rückstand nach ganze vorne ist bereits groß. Es verwundert also nicht, wenn die Verantwortlichen enttäuscht sind. "Wir sind bisher hinter den Erwartungen geblieben", hadert Vorstand Uwe Schüttinger.
Diese Worte machen deutlich, dass man beim Jahn den Abstieg inzwischen vollends aus den Kleidern schütteln konnte. Von einem Schock deshalb will der Vereinsboss auch erst überhaupt nicht reden. "Die Lage hat sich dadurch nicht groß verändert." Vielleicht aber doch: Denn seit dem Gang in die Landesliga setzen die Oberfranken verstärkt auf den eigenen Nachwuchs. Und mit dieser jungen und entwicklunsfähigen Truppe hat es durchaus seinen Reiz, in der 6. Liga zu spielen - zumal für Forchheim in der "Nordost" viele Derby auf dem Spielplan stehen.
"Mittel- und langfristig wollen wir gerne wieder Bayernliga spielen", redet Uwe Schüttinger aber gar nicht um den heißen Brei herum. Gleichwohl ist ihm auch bewusst, dass so ein Aufstieg nicht auf dem Reißbrett entworfen werden kann - zu unberechenbar ist der Fußball einfach. Hinzu kommt, dass die Verantwortlichen stets das große Ganze im Blick haben und die 1. Mannschaft nicht über allem steht: "Wir sind sportliche Idealisten, die fast jedem die Möglichkeit geben wollen, in irgendeiner Form Sport zu treiben. Dazu wollen wir die Infrastruktur, die Vereinsbreite und auch -tiefe in den Abteilungen ausbauen."

ASV Neumarkt (18. Tabellenplatz)
Angesichts dessen, dass die Adler nur ein Jahr nach dem Bayernliga-Abstieg 2018/19 in die 5. Liga zurückgekehrt sind, könnte man vielleicht von einem Ausrutscher reden, von einem Unfall. Etwas, das man schnell vergessen will. So ist es aber nicht. Der bittere Gang in die Landesliga war für den ASV Neumarkt im Rückblick sogar enorm wichtig, wie Manager Benedikt Thier betont: "Wir haben damals einiges umstrukturiert und seitdem mehr den je auf unsere eigene Jugend gesetzt."
Es scheint der richtige Weg zu sein, den der ASV eingeschlagen hat. In der Corona-Saison 19/21 feierte Neumarkt - übrigens mit Benedikt Thier an der Linie - die Landesliga-Meisterschaft. Und es wirkt so, als wäre die Bayernliga nun auf nachhaltigerem Boden gebaut. Nicht nur, weil "80 Prozent der 1. Mannschaft" selber ausgebildet worden sind. Herren und Jugend seien zudem nicht mehr zwei Vereine innerhalb eines Vereines, wie es früher war. Das führt auch dazu, dass die Identifikation gestiegen ist. Es ist wieder cool, für die Oberpfälzer ehrenamtlich tätig zu sein.
"Wir fühlen uns In der Bayernliga pudelwohl", fasst der Sportliche Leiter noch einmal zusammen. Ihm ist aber auch bewusst, dass die 5. Liga inzwischen ein teurer Luxus geworden ist - "obwohl für eine große und tolle Stadt wie Neumarkt diese Spielklasse eigentlich ein Muss ist". Aber: "Leider machen in der Liga mittlerweile die finanziellen Mittel viel aus. Da können wir im Vergleich zu vielen anderen Teams nicht mithalten."
