
Geretsried feiert den historischen Aufstieg. Über die Bayernliga, die anstrengende Relegation und eine mögliche Aufstiegsparty spricht TuS-Kapitän Sebastian Schrills im Interview.
Den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte haben die Fußballer des TuS Geretsried am Wochenende mit dem Aufstieg in die Bayernliga gefeiert. Vor zehn Jahren war der Klub in die Landesliga zurückgekehrt, und der aktuelle Kapitän Sebastian Schrills ist der einzige Spieler, der bei beiden Aufstiegen dabei war. „Das hätte ich mir damals nicht träumen lassen, dass ich das jetzt nochmal erlebe“, freut sich der 29-Jährige im Gespräch mit unserem Sportreporter Rudi Stallein.
Gratulation zum Aufstieg in die Bayernliga, Herr Schrills. Haben Sie schon realisiert, was da passiert ist?
Nein, noch nicht so richtig. Ich glaube, das kommt erst in den nächsten Tagen. Das ist schon was Besonderes, auf das ich, wenn ich jetzt so überlege, zehn Jahre hingearbeitet habe (lacht). Damals sind wir von der Bezirksliga in die Landesliga aufgestiegen. Dass ich nochmal die Chance bekomme, Bayernliga zu spielen, hatte ich so tatsächlich nicht auf dem Schirm.
Abteilungsleiter Ibro Filan war vor zehn Jahren ebenfalls dabei, wie er mir gestern nach dem Spiel erzählt hat …
… ja, er war in der Bezirksliga auch noch kurz Interimstrainer, bevor dann Florian Beham kam. Und unser Athletiktrainer, der Basti Jocham, der war damals auch schon dabei.
Das Spiel in Schwabmünchen war ein schwieriges Spiel. Wie haben Sie es gesehen?
Es war tatsächlich sehr, sehr schwierig. Nicht wegen der Motivation, daran scheitert es nicht. Aber es war plötzlich 27 Grad heiß. Und man hat gemerkt, dass den meisten Spielern sehr, sehr viele Spiele in den Knochen stecken. Das hat man auch beim Ausfall von Belmin Idrizovic gemerkt, der hat jetzt 37 oder 38 Spiele gemacht. Das schlaucht, nicht nur mental, auch körperlich. In der ersten Halbzeit ist man schon die Wege noch gegangen, aber als die Bälle nur noch rübergeflogen sind, wurde es noch einmal härter.
Chancen waren trotzdem genügend da, um einen ruhigeren Nachmittag zu haben …
Mit dem 1:0 war Schwabmünchen natürlich gut im Spiel. Aber wenn wir gleich zu Beginn in Führung gehen durch Srdan Ivkovic, dann kommt gar keine Gefahr mehr auf. Da hätten wir uns das Leben schon deutlich leichter machen können. Aber es ist so: Wenn du körperlich schwächer wirst, triffst du auch schlechte Entscheidungen im Kopf.
Haben Sie zwischendurch mal gezittert, dass es vielleicht doch nicht reichen könnte?
Ja, bei dem Pfostentreffer von Schwabmünchen. Wäre der reingegangen, wäre es sicher wirklich eng geworden.
Aber nach dem Pfostenschuss hat sich das Spiel auch wieder mehr zu Gunsten des TuS gedreht, hatte ich den Eindruck …
Genau, das war wie ein Weckruf. Es war auch gut, danach die Wechsel zu ziehen, um nochmal frische Kräfte reinzubringen. Nach vorne ging dann trotzdem nicht so viel, aber wir hatten wieder mehr Kontrolle im Spiel.
Es scheint auch, dass die Mannschaft besonders im Hinspiel perfekt auf diesen Gegner eingestellt war?
Ja, das muss ich noch sagen. Ich habe mit einem Schwabmünchner gesprochen und er hat gesagt, dass sie über uns tatsächlich fast gar nichts wussten. Unsere Trainer haben sich hingesetzt, Spiele von Schwabmünchen analysiert und für jeden Spieler ein Stärken-Schwächen-Profil erstellt. Daran sieht man, wieviel Impact auch von außen kam. Nicht zuletzt die Busse, die für das Auswärtsspiel organisiert wurden – das war eine große Leistung des gesamten Vereins, die in der Relegation erbracht wurde. Ich möchte auch der zweiten Mannschaft nochmal danken, die uns wahnsinnig unterstützt hat – und auch allen Fans, die die letzten Wochen zu 100 Prozent hinter uns gestanden sind.
Wenn man sich die Saison anschaut, dann war es zum Ende der Punktspielrunde mühsam. Sie haben sich mit dem 2:0-Sieg in Hallbergmoos gerade noch so in die Relegation gerettet. Wie kam es, dass die Mannschaft danach noch solche Spiele abgeliefert hat?
Ich glaube, das hat unser Trainer Daniel Dittmann schon mal ganz gut gesagt: Die Relegation ist einfach ein ganz anderer Wettbewerb. Ich muss ehrlich sagen: Nach dem Hallbergmoos-Spiel sah ich die Chance für uns eher so bei 30 zu 70 – also 70 Prozent, dass wir es nicht schaffen. Aber man hat im ersten Duell gegen Grünwald gemerkt: Es will jeder, unbedingt. Dann kommt so ein 4:0 genau richtig. Aber das haben wir uns auch erarbeitet – und richtig schönen Fußball gespielt. Das war wieder der Fußball der Hinrunde.
Es waren aber auch keine bequemen Gegner in den letzten Spielen?
Richtig, da hatten wir viele, die auch Punkte gebraucht haben. Gegen tief stehende Gegner spielen wir nicht gerne. Und die hatten wir in den Relegationsspielen jetzt gar nicht. Das waren Gegner, die Fußball spielen wollten – und wer gegen uns Fußball spielen will, der läuft schnell mal ins offene Messer.
Würden Sie sagen, dass die Relegation Sie auch als Mannschaft nochmal zusammengeschweißt hat?
Absolut. Der Zusammenhalt war die ganze Saison über gut, aber dieses Team ist nochmal so zusammengewachsen. Wir haben ja sehr viele Nationalitäten im Kader, aber das ist einfach völlig egal gewesen. Wenn ich sehe, dass gestern Mario Walker aus Stockholm hergeflogen ist, um dabei sein zu können, obwohl er nicht mehr im Team ist –daran sieht man, wie nah die Mannschaft doch beieinander war.
Denken Sie schon an die Bayernliga – oder wann beginnen Sie damit?
Wir haben ja keine lange Pause, Vorbereitungsstart ist schon in zwei Wochen. Dass heißt, soviel Zeit zum Ausruhen und Überlegen haben wir gar nicht. Für die Vorstandschaft geht es jetzt gleich in die Planung. Aber ich glaube, es ist für alle gut, jetzt mal den Kopf abzuschalten und einfach nur zu genießen.
Wir hatten gefühlt in den zurückliegenden sechs bis acht Wochen ständig ein Endspiel – das schlaucht, auch im Kopf. Aber somit haben wir es nie schleifen lassen können. Von dem her war es vielleicht ein Segen, dass Wasserburg uns bis zum Ende gejagt hat. Schwabmünchner Spieler haben uns gesagt, es sei für sie ein Nachteil gewesen, dass sie die Relegation so früh sicher hatten. Da war die Luft früh raus, bei uns eben nicht.
Jetzt ist erst mal Feiern angesagt, vermute ich?
Das haben wir bis Sonntagfrüh schon ganz gut hingekriegt. Schauen wir mal, was noch kommt. Vielleicht kriegen wir noch eine kleine Partyreise hin. Je nachdem, ob die Jungs so kurzfristig Urlaub nehmen können.