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Bartu Avsar: Ein Comeback-Märchen beim AKV B.G. Ludwigsburg

Der FuPa-Spieler der Woche in Württemberg verzückt die Bezirksliga Enz/Murr nach 18 Monaten Leidenszeit. Ein Tor und drei Vorlagen markieren die Rückkehr eines Ausnahmetalents.

von red · 17.02.2026, 19:00 Uhr · 0 Leser
Foto: Simple Media Studio / FuPa-Grafik
Foto: Simple Media Studio / FuPa-Grafik

Es sind Momente, die den Fußball in seiner reinsten Form zeigen: Wenn Schmerz der puren Freude weicht. Bartu Avsar hat eine emotionale Achterbahnfahrt hinter sich. Nach einer quälend langen Verletzungspause ist der Offensivakteur des AKV B.G. Ludwigsburg zurück auf dem Rasen – und wie. Mit einer Gala-Vorstellung beim 5:2-Heimsieg gegen den TV Pflugfelden schoss er sich nicht nur in die Herzen der Fans, sondern wurde prompt zum FuPa-Spieler der Woche in Württemberg gewählt. Ein Triumph des Willens, der zeigt, dass Aufgeben für diesen Spieler niemals eine Option war.

Die Demut nach der langen Dunkelheit

Der Weg zurück ins Licht war für den Techniker steinig. Umso emotionaler reagiert er auf die Auszeichnung, mit der er in diesem Stadium noch nicht gerechnet hatte. „Da ich nach knapp 1,5 Jahren Verletzungspause wieder angefangen habe zu spielen, noch nicht meine volle Leistung erbringen kann und das erst mein zweites Spiel ist: Nein“, gesteht Avsar mit bewundernswerter Ehrlichkeit. Doch der Stolz über die Rückkehr in die Bezirksliga Enz/Murr ist greifbar: „Es freut mich sehr, wieder einen Fußstapfen in der Bezirksliga legen zu dürfen.“

Eine Gala voller Präzision und Dankbarkeit

Das Spiel gegen den TV Pflugfelden war die Bühne für seine Wiederauferstehung. Ein Tor erzielte er selbst, drei weitere bereitete er vor – eine Bilanz, die fassungslos macht. Doch Avsar bleibt trotz seiner Dominanz am Ball reflektiert: „Ich denke, das Spiel hatte Potenzial auf einen höheren Sieg, welches aber durch die etwas chaotischere zweite Hälfte des Spieles schwer war.“

Er selbst hadert fast ein wenig mit seiner Chancenverwertung: „Ich selbst hatte zwei bis drei Chancen und konnte leider ‚nur‘ das eine Tor schießen.“ Dennoch war er der Architekt des Erfolgs: „Hauptsächlich durch die Standards – Ecken, Freistöße – welche ich geschlagen habe, wurden dann Spielsituationen gefährlich und im Endeffekt auch effektiv durch die davon entstehenden Torvorlagen.“

Bemerkenswert ist sein Respekt gegenüber dem Unparteiischen in einer hitzigen Phase: „Da gehen auch Grüße an den sehr starken Schiedsrichter aus, da er trotz der schweren Spielsituationen ruhig und korrekt geblieben ist.“ Auch wenn er das 5:2 als „nicht aussagekräftig für dieses Spiel“ sieht, zählen für ihn nur die drei Punkte.

Die Liebe zur spielerischen Perfektion

Wer Avsar über Fußball sprechen hört, spürt die tiefe Leidenschaft für die Ästhetik des Spiels. Er ist kein Mann der plumpen Tore, er ist ein Romantiker des Kurzpassspiels. „Ich denke, zwar zählt am Ende das Ergebnis, jedoch liebe ich schön herausgespielte Tore, am besten aus den hinteren Reihen mit drei bis vier Doppelpässen und einen durch die Gasse nach außen, anschließend ein Pass oder eine Flanke in die Mitte und ein guter Abschluss“, beschreibt er seine Vision.

Solche Spielzüge seien es, die die Mannschaft „umso mehr motivieren zu kicken“. Doch auch der Glanz der Einzelaktion fasziniert ihn: „Natürlich liebe ich auch Einzelaktionen wie Dribblings und Sprints, die zum Abschluss führen, oder direkte Freistöße.“

Ein Verein als familiärer Ankerplatz

Seine sportliche Heimat beim AKV B.G. Ludwigsburg beschreibt er mit Worten, die im oft kühlen Fußballgeschäft selten geworden sind. Es ist die „familiäre Atmosphäre im gesamten Verein, von den Spielern bis zum Vorstand und allen Außenstehenden“, die ihn trägt.

Besonders hebt er das zwischenmenschliche Gefüge hervor: „Der Respekt unter allen Spielern und zum Trainer ist auch sehr gut ausbalanciert, was heutzutage nicht mehr oft der Fall ist, leider.“ Innerhalb des Teams blickt er bewundernd auf Mitstreiter wie "Ardi, Ali und Davide", die „im Training und im Spiel oft herausstechen“.

Weltstars als Kompass für die eigene Karriere

Seine Inspiration holt sich der flexibel einsetzbare Offensivspieler, der am liebsten über die Flügel oder zentral agiert, bei den ganz Großen des Weltfußballs. Messi ist für ihn „im Gesamtpaket alles, was fußballerisch für mich Perfektion bedeutet“. Das „technische Flair“ von Ronaldinho oder Neymar begeistert ihn ebenso wie die Spielintelligenz von Özil, den er als „einen der größten Spielmacher“ bezeichnet, vergleichbar mit Toni Kroos, aber für ihn als „erfüllterer Spieler“. Diese großen Namen sind der Maßstab für seinen eigenen Hunger nach Erfolg.

Zwischen den Wurzeln und großen Zielen

„Ich denke, man kann sich spielerisch vom VfB und von den Stuttgarter Kickers etwas motivieren lassen, wenn man sieht, wie die letzten zwei bis drei Jahre aussahen“, erklärt er. Sein Fokus liegt nun darauf, nach der schweren Verletzung „wieder fit zu werden und mein volles Potenzial zu nutzen“. Sein Blick geht jedoch klar nach oben: „Langzeitlich gesehen strebe ich es an, in höheren Ligen zu spielen und etwas zu erreichen. Man darf im Fußball nicht immer auf das Jetzt schauen, sondern muss auch etwas Hoffnung und Energie für die Zukunft haben.“

Der unerschütterliche Glaube an den Klassenerhalt

Trotz des aktuellen 15. Tabellenplatzes in der Bezirksliga Enz/Murr versprüht Avsar puren Optimismus. Er sieht eine „neue und junge“ Mannschaft, die mit jedem Training wächst. „Wir sind stark davon überzeugt, den Klassenerhalt zu meistern und bereit, alles dafür zu geben“, lautet seine Kampfansage. Er ist sich sicher: „Die Saison wird noch vieles ermöglichen für uns.“

Ein Leben zwischen Werk 59 und Padel-Tennis

Auch abseits des Rasens ist Bartu Avsar ein Mann der Tat. Nach seiner Ausbildung zum Mechatroniker arbeitet er heute bei der Firma Spie als Elektriker in der Instandhaltung. Sein Arbeitsplatz ist die Entwicklung bei Daimler im Werk 59, wo er für alle Gebäude zuständig ist. Um den Kopf freizubekommen, kocht er leidenschaftlich gerne oder sucht Entspannung in der Sauna und Therme. Doch ganz ohne Sport geht es auch privat nicht: „Ich mache gerne Sport und gehe öfter mit Freunden Padel spielen, ins Gym oder mache andere Sportarten.“ Ein bodenständiger Arbeiter, der auf dem Platz zum Künstler wird.