
Nach der deutlichen Derby-Niederlage gegen Hannover 96 steht Eintracht Braunschweig am Samstag (13 Uhr) beim 1. FC Nürnberg unter Druck. Trainer Heiner Backhaus forderte auf der Pressekonferenz vor dem Traditionsduell eine Reaktion seiner Mannschaft – und sprach offen über die Derby-Aufarbeitung, die Stärken des Gegners und die angespannte Personallage.
Die 0:3-Pleite gegen den niedersächsischen Rivalen hallt noch nach, auch wenn Backhaus inzwischen den Blick nach vorn richtet. „Natürlich war diese Niederlage schmerzhaft. Wir haben die Partie schonungslos analysiert“, erklärte der 42-Jährige. Besonders zwei Punkte hätten die Verantwortlichen beschäftigt: „Warum bekommen wir nach gefühlt zehn Minuten Nettospielzeit eine dumme Rote Karte und warum bekommen wir trotz Gleichzahl in der Box oder Überzahl auf dem Flügel keinen Zugriff auf den ballführenden Gegenspieler?“
Nach intensiven Gesprächen sei das Kapitel jedoch geschlossen: „Das hat ein, zwei Tage gedauert, aber dann musst du die Krone richten und weitermachen.“ Taktisch, so Backhaus, sei die Partie kaum auswertbar gewesen, „weil wir durch die frühe Unterzahl gar nicht in unsere Stärken kommen konnten“. Dennoch habe man aus der Erfahrung gelernt: „So ein bisschen Wut im Bauch haben wir noch, aber jetzt geht es gegen Nürnberg – eine weitere schwierige Aufgabe mit weniger Brisanz, aber tabellarisch von hoher Bedeutung.“
Beim kommenden Gegner erkennt Backhaus Parallelen zur eigenen Mannschaft. „Sie sind sehr jung, hatten jedoch einen schwachen Saisonstart. Dann haben sie kurz vor dem Ende des Transferfensters nochmal nachgelegt. Mittlerweile haben sie sich besser gefunden und waren in den vergangenen Begegnungen spielerisch fast immer überlegen“, lobte der Eintracht-Trainer.
Vor allem das flexible Offensivspiel des FCN bereitet den Löwen Respekt: „Mit ihrer Raute im Zentrum haben sie viele spielstarke Akteure, die auch das gute Umschaltspiel beeinflussen. Der zentrale Stürmer kommt viel zum Ball, das macht es schwer, Zugriff zu finden.“ Backhaus erwartet „eine junge Mannschaft, die wild spielt und hohe Intensität bringt“ – und kündigte einen klaren Plan an: „Es wird einen guten Matchplan brauchen, um das auszugleichen. Wenn wir uns nicht immer selbst mit dummen Karten bestrafen würden, hätten wir vielleicht den einen oder anderen Punkt mehr. Dann wäre unser Plan auch mal in Gänze umsetzbar.“
Personell steht der Eintracht ein weiterer schwieriger Samstag bevor. Neben den verletzten Lukas Frenkert und Patrick Nkoa muss Backhaus auch auf Erencan Yardimci verzichten, der nach seiner Roten Karte im Derby für drei Spiele gesperrt ist.
Zudem ist der Einsatz von Lino Tempelmann fraglich. Der Mittelfeldspieler konnte bislang nicht mit der Mannschaft trainieren: „Lino hat in dieser Woche noch gar nicht mit dem Team trainiert. Morgen beim Abschlusstraining wird er dabei sein. Dort werden wir entscheiden, ob es Sinn macht oder nicht. Wir werden ihn nochmal zum Arzt schicken und alles dafür tun, dass er spielen kann“, erklärte Backhaus.
Nach vier Spielen ohne Sieg steht Braunschweig tabellarisch wieder unter Druck. Ein Erfolg in Nürnberg könnte nicht nur den Abwärtstrend stoppen, sondern auch den Anschluss ans Mittelfeld sichern. Backhaus ist sich der Bedeutung bewusst: „Wir wissen, worum es geht. Nürnberg ist ein Traditionsverein, das wird ein heißes Spiel. Aber wir wollen zeigen, dass wir als Kollektiv wieder einen Schritt weiter sind.“