2024-07-17T10:40:36.325Z

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Seit 45 Jahren spielte Michi Stiller (l.) ununterbrochen Fußball im Verein. Nun beendet der Routinier seine Karriere.
Seit 45 Jahren spielte Michi Stiller (l.) ununterbrochen Fußball im Verein. Nun beendet der Routinier seine Karriere. – Foto: Johannes TRAUB / JT-Presse.de

Ausnahmekönner Stiller (50) beendet Spielerkarriere: „Mein Körper hat einfach so lange hergehalten“

Comeback möglich?

Nach 45 Jahren als aktiver Fußballer ist Schluss. Ausnahmeerscheinung Michi Stiller beendet im Alter von 50 Jahren seine Karriere.

Allershausen – Die Karriere eines durchschnittlichen Fußballspielers endet in der Regel mit Mitte 30. In seltenen Fällen, mit Ende 30. Über solche Zahlen kann Michi Stiller nur lachen. Im zarten Alter von 50 Jahren hängt der bisherige Spielertrainer des TSV Allershausen seine Schuhe endgültig an den Nagel und wird sich ganz auf das Trainerdasein konzentrieren. Zumindest theoretisch. „Es ist nicht geplant, dass ich noch spiele“, sagt Stiller im Gespräch mit Fussball Vorort/FuPa Oberbayern.

Der 50-Jährige hatte sowieso nie vorgesehen, in diesem Alter noch auf dem Platz zu stehen: „Mein Körper hat einfach so lange hergehalten. Ich hatte keine schwereren Verletzungen, die einen am Fußballspielen hindern.“ Diese Tatsache verdankt der TSV-Coach wohl seinem Vater, der selbst noch lange Zeit in einer Freizeitmannschaft kickte. „Der ist auch so robust. Ich habe anscheinend gute Gene, dass ich so lange Fußball spielen kann.“ Die guten Gene zeigen sich auch bei seinem Neffen: Angelo Stiller war in dieser Saison Dreh- und Angelpunkt beim VfB Stuttgart.

„Die letzten Jahre musste ich mich schon quälen.“

Michi Stiller über die Strapazen einer Wintervorbereitung.

So ganz leicht gefallen ist es dem Routinier in den letzten Jahren aber nicht mehr. Besonders im Winter. „Je älter man wird, umso schwerer wird die Wintervorbereitung“, so Stiller. „Man fährt im Dunklen ins Training, man fährt im Dunklen wieder heim. Man trainiert bei miesem Wetter“, berichtet der Allershausener. „Da musste ich mich die letzten Jahre schon quälen.“ Die Lust am Kicken ist dem 50-Jährigen in all den Jahren aber nie abhandengekommen.

In einer so langen Zeit ist es beinahe unvermeidlich, dass man der ein oder anderen bekannten Persönlichkeit aus der Welt des Fußballs über den Weg läuft. So spielte Stiller beispielsweise vor über 30 Jahren in der Bayernliga beim FC Augsburg mit Thomas Tuchel zusammen. Der große Fußball-Sachverstand des ehemaligen Bayern-Trainers sei damals allerdings noch nicht zu erkennen gewesen. „Ein ganz normaler Mitspieler, wie jeder andere auch.“

„Es waren einfach nicht die Qualität und die Kaderbreite da.“

Michi Stiller über die Gründe für sein verzögertes Karriereende.

Stiller hingegen zieht die Aufmerksamkeit mittlerweile auf sich. Ein solcher Ausnahmespieler bleibt auch bei den Gegnern nicht unbemerkt. Vor allem in den letzten Jahren hat sich Stiller so einiges anhören müssen. Sowohl im positiven, als auch im negativen Sinn. „Von den guten Fußballern kommen meist positive Kommentare. Von den nicht so guten Fußballern dann eher das Negative.“ Solche Bemerkungen machen dem 50-Jährigen aber nichts aus. „Das ist Sport. Das ist für mich nach 90 Minuten sowieso wieder vergessen.“

In Zunkunft möchte Michi Stiller gerne ausschließlich als Trainer an der Seitenlinie stehen.
In Zunkunft möchte Michi Stiller gerne ausschließlich als Trainer an der Seitenlinie stehen. – Foto: Lehmann

Dennoch hatte Stiller eigentlich vor, schon in der vergangenen Saison nur noch an der Seitenlinie zu stehen. Die Verzögerung des Karriereendes hatte in erster Linie mit der geringen Kaderbreite beim TSV Allershausen zu tun, aber auch die Qualität spielte eine Rolle. Nach einigen Verletzungen in der ersten Mannschaft wurde der Routinier wieder gebraucht – und lieferte richtig ab. „Es waren einfach nicht die Qualität und die Kaderbreite da, um selber draußen zu bleiben“, meint Stiller.

„Mit meiner Frau habe ich den Sechser im Lotto gezogen.“

Michi Stiller über die bedingungslose Unterstützung durch seine Frau.

Das soll sich in dieser Saison ändern. Dafür hat der TSV einiges getan und den Kader mit einigen jungen Spielern verstärkt. „Ich hoffe, dass die Jungen es mir dieses Jahr ermöglichen, nicht mehr spielen zu müssen“, so Stiller. „Das sind alles Fußballer im Alter zwischen 19 und 26 Jahren. Die sollen jetzt auch Spielzeit bekommen, die möchte ich ihnen nicht wegnehmen.“

Nun geht also eine Ära zu Ende. Seit 1979 spielte Stiller ununterbrochen Fußball im Verein, also insgesamt 45 Jahre. Gab es deshalb jemals Probleme mit der Familie? Im Gegenteil. „Mit meiner Frau habe ich den Sechser im Lotto gezogen. Sie ist immer zu 100 Prozent hinter mir gestanden. Ansonsten wäre sowas nicht möglich gewesen“, weiß der Allershausener.

So ganz aufgeben will Stiller das Fußballspielen aber noch nicht. „Ich bin der Joker. Wenn wir keine Leute mehr haben, oder wenn die Erfahrung auf dem Platz wichtig ist, spiele ich.“ Die Fans des TSV Allershausen können sich vermutlich also noch auf den ein oder anderen Einsatz des Ausnahmephänomens freuen. Das Ziel sei aber, so wenig wie möglich aufzulaufen, betont der 50-Jährige. Dennoch kann sich seine Mannschaft darauf verlassen: Wenn Michi Stiller gebraucht wird, ist er immer zur Stelle. (fge)

Aufrufe: 010.7.2024, 14:40 Uhr
Ferdinand GehlenAutor